Jim Sinclair: Die drohende, nicht erklärte Insolvenz von fünf systemrelevanten US-Banken

4. Februar 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

Das folgende Interview von Ellis Martin von www.EllisMartinReport.com mit Jim Sinclair berichtet detailliert über den diese Woche drohenden, nicht erklärten Zahlungsausfall von fünf der größten US-Banken gemäß der International Swaps and Derivatives Association.

Das Ellis Martin Report – Interview mit Jim Sinclair vom 30. Januar 2012

Christian Wind hat dieses Dokument übersetzt.

Dieses Ereignis hat das Potential, eine zweite Finanzkrise auszulösen, die erhebliche finanzielle Interventionen erfordern würde. Wenn Sie Zeit übrig haben, lesen Sie die Abschrift dieses Interviews. Und selbst wenn Sie keine Zeit haben, sollten Sie es lesen.

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Originalquelle Ellis Martin Report

Interview:

Ellis Martin: Worüber willst du heute sprechen?

Jim Sinclair: Ich will über die ISDA, die International Swaps and Derivatives Association, reden.

Ellis Martin: Gut.

Jim Sinclair: D.h. über die Leute, die darüber bestimmen, ob eine Gläubigerbank zahlungsunfähig ist oder nicht.

Ellis Martin: Gut.

Jim Sinclair: Wer sie eigentlich sind und was es bedeutet.

Ellis Martin: Gut, lass uns anfangen.

Jim Sinclair: Nun ja, niemand spricht über die Sache. Sie [ISDA; Anm. d. Red.] ist die wichtigste Einzelorganisation, die mehr Macht als Regierungen besitzt. Sie wird entscheiden, ob in naher Zukunft fünf US-Banken insolvent gehen.

Ellis Martin: Bei naher Zukunft sprechen wir über Dienstag oder Mittwoch?

Jim Sinclair: Ich rede von dieser Woche, in der die endgültige Regelung über die Summe der Ausgleichzahlung für die griechischen Staatsschulden vereinbart wird.

Ellis Martin: Sprichst Du von großen amerikanischen Banken?

Jim Sinclair: Fünf der größten US-Banken kontrollieren 97% aller Credit Default Swaps (CDS) [i.e. Kreditausfallversicherungen; Anm. d. Red.].

Ellis Martin: Oh, warum erscheint dieses Thema nicht in den Mainstream-Medien?

Jim Sinclair: Mediensperre.

Ellis Martin: Tatsächlich?

Jim Sinclair: Auf jeden Fall.

Ellis Martin: Und die Märkte sind dessen vollkommen unbewusst. Ich meine…

Jim Sinclair: Die Märkte nehmen es überhaupt nicht wahr. Auch wenn die Entscheidung sicherlich zu ihren Gunsten gefällt wird, bleibt die Frage, wie man es machen kann, ohne das Gesicht zu verlieren.

Ellis Martin: Wie würdest du es machen?

Jim Sinclair: Du weißt, ich bin gerade heraus. Die ISDA bestimmt, ob ein Kreditereignis zur Insolvenz erklärt wird oder nicht. Falls die Insolvenz erklärt wird, dann müssen die CDS in Kraft treten. Die CDS sind eine Art von Versicherung, die interessierten Marktteilnehmern eine Garantie auf die Staatsschuld gibt. 97% dieser Sicherheiten für die Staatsschuld werden von fünf der größten US-Banken gehalten.

Ellis Martin: Also wir können. . .

Jim Sinclair: Sie sind im Grunde Policen, die für Versicherungen bezahlt werden. Sie stehen unter Kontrolle der ISDA. Daher, falls das Offensichtliche, was jeder erwartet, passiert und der griechische Schuldenschnitt bis auf 30% runtergeht, wie um Gottes willen, will man das nicht einen Zahlungsausfall nennen.

Ellis Martin: Also, Griechenland mit einer Bevölkerung von einer Million; Griechenland mit einer Bevölkerung von 11 Millionen steht im Begriff eine mögliche Insolvenz von fünf US-Banken auszulösen.

Jim Sinclair: Wenn die ISDA dieses Kreditereignis zur Insolvenz erklären würde, was sie aber offenbar nicht machen wird. Die Frage aber ist, wie man etwas nicht Zahlungsausfall nennen kann, wenn der Gläubiger nur 30 Cent pro Dollar zurückbezahlt bekommt.

Ellis Martin: Das ist also ein Bankrott

Jim Sinclair: Schön wär’s; nur wenn die ISDA es erklärt, ist es so.

Ellis Martin: Verstehe.

Jim Sinclair: Die ISDA ist die entscheidende Organisation. Die International Swaps and Derivatives Association entscheidet, was ein Kreditereignis ist.

Ellis Martin: Das heißt, es ist eine willkürliche Entscheidung, die getroffen werden wird.

Jim Sinclair: Es handelt sich um eine willkürliche Entscheidung, die in aller Wahrscheinlichkeit nicht getroffen wird, auch wenn dies eine Kontradiktion bedeutet. Wenn du nur 30% deines Investments zurückerhältst, was um aller Welt kann dann noch als Zahlungsausfall gelten? Muss der Ausfall erst 0% betragen?

Ellis Martin: Diese Nachricht ist etwas beunruhigend, zumindest für mich und ich versuche, alles zu verfolgen. In deiner Position weißt du natürlich mehr als die meisten.

Jim Sinclair: Nun ja, wie du weißt, bin ich bereits über 50 Jahre in diesem Metier.

Ellis Martin: Wir werden dieses Interview schon bald veröffentlichen und jeder wird davon hören. Eine Menge Leute werde es hören. Und…

Jim Sinclair: Diejenigen, die das Schicksal der fünf führenden US-Banken entscheiden werden, sind die fünf Banken selbst. Denn sie beeinflussen mit der ISDA gerade diejenige Institution stark, die international darüber bestimmt, ob über ein Kreditereignis eingetreten ist. (Seite 2)


 

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22 Kommentare auf "Jim Sinclair: Die drohende, nicht erklärte Insolvenz von fünf systemrelevanten US-Banken"

  1. Dagobert sagt:

    Was haben das serbische Stahlwerk Smederevo, die DDR und Die Glücksritter (Film) gemeinsam?

    Der/Die symbolische *1* Dollar/EUR/DM am Ende!

  2. Reiner Vogels sagt:

    Vielen Dank für das hochinformative und außerordentlich interessante Interview. Ich habe vieles gelernt, von dem ich bisher nichts gewusst habe.

    Zur Sache: Man kann natürlich spekulieren, was geschehen wird. Meine Frage ist: Wenn es die Banken wirklich schaffen, trotz eines erheblichen auferzwungenen „freiwilligen“ Forderungsverzichts die Feststellung eines Kreditereignisses zu verhindern, weil dann die CDS gezogen werden könnten, gibt es dann in den USA kein Klagerecht gegen diese Entscheidung der ISDA? Werden die Fonds, die griechische Anleihen und CDS gekauft haben, nicht versuchen, den Klageweg zu beschreiten? Und wird es die vereinigte Bankenaristrokratie der USA wirklich schaffen, den Prozess zu verhindern oder zu manipulieren?

    Mir scheint, dass die Entwicklung angesichts der vielen Fragezeichen unkalkulierbar ist. Ich glaube nicht, dass die US-Finanzaristrokratie wirklich die Macht haben wird, unkontrollierte Entwicklungen zu verhindern. Dem kleinen Mann wird daher nichts anderes übrigbleiben, als immerzu zeitnah die Entwicklungen zu beobachten und dann gegebenenfalls ebenfalls zeitnah schnelle Entscheidungen zu treffen. Das wird nicht einfach sein.

    • Johannes sagt:

      Stimmt, informatives Interview.

      Interessant finde ich das mit der ISDA, was mir tatsächlich noch nicht so geläufig war.

      Im Grunde will „unsere“ Politik ja den „freiwilligen“ Schuldenschnitt durchziehen, damit es eben nicht als „Kreditereignis“ bezeichnet werden kann.

      Das würde wohl der Argumentation der ISDA zugute kommen, dass es eben kein solches „Kreditereignis“ ist. (Mir gefällt das Wort „Kreditereignis“ einfach zu gut.*gg*)

      Umgekehrt kann jedoch scheinbar trotz Freiwilligkeit der ISDA beschließen, dass es doch ein Kreditereignis (LOL) ist.

      Verrückte Welt und kreditereignislose Grüße aus Kärnten

      Johannes

  3. samy sagt:

    Hi,

    in der Tat, ein interessantes Interview. Abgesehen von Rainer Vogels Frage nach der Einklagbarkeit, stelle ich mir die Frage, was das denn nun für die Zinsen der Anleihen bedeutet. Wenn ich mich gar nicht gegen das Risiko eines Zahlungsausfalles versichern kann, weil er nie ausgerufen werden darf, ja dann muss der Risikoanteil im Zinssatz steigen. Dann dürften nach und nach die Zinsen für z.B. die Anleihen der Südschiene steigen. Das könnte zu einer Flucht aus der Klasse der Anleihen führen und dann zu Staatsbankrotten, wenn die Risikoprämie im Zins hochschnellt.

    Weiterhin frage ich einmal in die Runde, CDS sind doch sicherlich handelbar, oder? Wenn dieses Zeugs sinnlos ist, dann werden diese so schnell wie möglich verkauft und Liquidität strömt auf die Märkte. Nur wohin, wenn die qualitativ hochwertigen Anleihen entweder rekordniedrig verzinst sind oder die risikobehafteten gar nicht versichert werden können (Südschiene)?

    Fragen über Fragen … 🙂

    Ciao

    PS: Passend hierzu:
    http://www.n24.de/news/newsitem_7647057.html

    Ob deren Rechnungen dann aufgehen?

  4. crunchy sagt:

    Na, ja, die ISDA! Kaum war die inthroniert, hatte ich mir mal einen Prospectus zu einer internationalen Bond-Emission, Lead West-LB, zur Prüfung auf den Tisch gelegt. In der Einführung stand, das der Vertrag ISDA-konform geschlossen würde. Nun nach ein paar (hundert?) Seiten, fand ich einen klaren Widersruch. Der hätte die ganze, damals platzierte Emission rückabwickeln müssen. Aber, was geschah? Die WestLB, sah sich genötigt, ein „Loses Blatt“ in das Vertragswerk einzufügen…! Das ist Börse! Wer nicht Ross und Reiter kennt, sollte nicht wetten. Deshalb werden Edelmetalle zunehmend attraktiv: Da muss man nicht soviel analysieren. Übrigens: Venizelos ist der härteste Hund, den man bei den Verhandlungen auftreiben konnte. Er wird genau das erreichen, was für Griechenland gut ist: Schuldenschnitt (100%)ohne Default! Da folgen dann Klagen über Klagen. Meine Anwort: ISDA wer(?) fragen. Und dann ist es doch eigentlich gut, dass man den Derivatebereich, sowieso nur virtuelle Luft, relativ vermögendschonend, da Einsprüche erstmal eingeklagt werden müssen und schon deshalb notfalls weginflationiert werden können, sich in selbiger auflösen lassen kann.

  5. quest sagt:

    Verstehe nichts bis wenig. Mache aus diesem Grund einen Vorschlag.

    Aber zunächst: CDS = Versicherung. Bietet sich da nicht das Instrument Re = Rückversicherung an?

    Ach so, Vorschlag: Wadenwickel. Besser noch: Umschläge. Umschläge drucken. Zur Verbriefung.

  6. Bankhaus Rott sagt:

    Hallo zusammen,

    @Reiner Vogels

    Die ISDA ist ein Branchenverband. Die vereinigte Bankenaristokratie schaut sich die Entscheidungen der ISDA nicht passiv an, sie trifft sie selbst.

    Die Mitgliederliste findet sicher hier:
    http://www.isda.org/membership/isdamemberslist.pdf

    Das Thema CDS wird in den Diskussionen zu einer Griechenlandpleite heiß gekocht, das Nettoexposure ist allerdings mit um die 3 Mrd. Dollar gering. Ökonomisch bedeutender sind die Anleihen (bei privaten Haltern und der EZB), die Kredite, die in der Diskussion selten bis nie erwähnt werden und größtenteils noch zu 100 in den Büchern stehen dürften und die Target 2 Salden der Bundesbank. Im Gegensatz zur landläufigen Meinung stellen diese sehr wohl ein Risiko dar.

    Der Versuch der Aushebelung des Triggers der CDS ist ein eher peinlicher Versuch in den Markt einzugreifen und das offensichtliche für nicht existent zu erklären. Besonders pikant daran: Gemäß Basel erhalten Banken, die sich per CDS absichern eine Entlastung des Eigenkapitals, da sich die Gesamtrisiken vermindern. Greifen die CDS nicht, hat die Bank einen Bond der ausfällt und eine Versicherung, die nicht zahlt. Das haben die Damen und Herren vom Politbüro wieder einmal in gewohnter Weise ganz prima hinbekommen.

    Einer der selten genannten Punkte, warum die Eurokraten ein Credit Event vermeiden wollen, ist die Tatsache, dass vor allem europäische Banken CDS Protection VERKAUFT haben – also als Versicherer auftreten. Das hat den einfachen Grund, dass viele Banken dies als Weg ansahen, überhaupt an Dollars zu kommen, den europäische Sovereign CDS werden natürlich nicht in Euro sondern in Dollar abgeschlossen. Verkauft eine Bank nun diese Versicherung, so nimmt sie regelmäßig Prämien in US Dollar ein. Diese Hasardeure will man schützen und verkauft es so, als wolle man verhindern, dass „böse Hedge Funds“ Geld verdienen. Es ist in der Tat haarsträubend.

    @samy
    CDS sind strukturell anders als Anleihen. Ein Verkauf von Protection führt zu laufenden Prämieneinnahmen, ein Kauf zu Ausgaben. Abgesehen von upfront payments fließt aber keine „Kaufsumme“ bei Abschluss des Geschäftes. Daher ist es für die Liquiditätssituation neutral, ob mehr oder weniger CDS abgeschlossen werden.

    Beste Grüße
    Bankhaus Rott

    P.s.: Wadenwickel ist toll! Dazu emfpiehlt sich ein Teelöffelchen Klosterfrau Melissengeist (warm)

    • Johannes sagt:

      Salve Bankhaus,

      kommt mir das nur so vor, oder widersprechen Deine Aussagen jene von Sinclair doch im gewaltigen Maße?

      Ich meine, die 3 Mrd. sind ja echt pipifax, Sinclair hingegen sieht da enormes Gefahrenpotential bei Griechenland und das, so scheint mir vor allem bei den 5 großen Ami- Banken.

      Du siehst vor allem europäische Banken bei Griechenland im Brennpunkt, bei Sinclair könnte man meinen, es betreffe lediglich 5 große amerikanische Banken.

      Wenn ich mir dann noch die von Dir verlinkte ISDA- Liste ansehe, mit den 816 weltweiten Mitgliedern ansehe, kommen mir bei Sinclair doch Zweifel auf, was er mit seinen Aussagen bezwecken will.

      Vielen Dank jedenfalls für Deine Ausführungen.

      • Frank Meyer sagt:

        Ich sehe es so, dass sich die Frage nicht um die drei Milliarden dreht, sondern generell – je nach Ausfall oder nicht – was der Rest der CDSüberhaupt für einen Wert haben, wenn beim fall der Fälle Verischerungen nicht zahlen oder gezahlt werden könen. Das Problem ist größer als Griechen-CDS

        • Johannes sagt:

          Salve Frank,

          ich brauche da gar nicht lange nachlesen, sondern finde gleich auf Seite 1 bei diesem Interview folgenden Widerspruch zu den Ausführungen vom Bankhaus:
          ——
          „Ellis Martin: Also, Griechenland mit einer Bevölkerung von einer Million; Griechenland mit einer Bevölkerung von 11 Millionen steht im Begriff eine mögliche Insolvenz von fünf US-Banken auszulösen.

          Jim Sinclair: Wenn die ISDA dieses Kreditereignis zur Insolvenz erklären würde, was sie aber offenbar nicht machen wird. Die Frage aber ist, wie man etwas nicht Zahlungsausfall nennen kann, wenn der Gläubiger nur 30 Cent pro Dollar zurückbezahlt bekommt.“
          ——-

          Das ist für mich eindeutig irreführend, wenn man dann in weiterer Folge den Ausführungen vom Bankhaus betrachtet.

          Ich verstehe schon, was Du sagen willst, aber dieses Interview alleine gesehen, vermittelt einen gänzlich anderen Eindruck, wie z.B. eben, dass wenn Griechenland ein „Kreditereignis“ wird, 5 Ami- Großbanken pleite gehen.

          Nur, das stimmt so lt. dem Bankhaus ja gar nicht, überhaupt nicht.

          • Frank Meyer sagt:

            weiter gelesen reiht er die Kette zusammen. es geht hier nicht nur um Griechenland, sondern um die restliche Welt der CDS als Folge, soweit ich es verstanden habe.

  7. Q_Bert sagt:

    Hallo!
    Vielen Dank an dieser Stelle für die guten Beiträge, in denen komplexe Sachverhalte gut und mit der für die Verdaubarkeit erforderlichen Prise Humor dargestellt sind. Auch wenn manchmal bei den Autoren der Eindruck entstehen könnte, ein Rufer in der Wüste zu sein, der 95% der letztendlich betroffenen Menschen nicht erreicht, weiter so! Steter Tropfen höhlt den Stein, und allmählich sickern im Mainstream mehr und mehr Informationen ein, was wirklich passiert, so z.B. heute im Handelsblatt:

    „Die Entschuldung geht nur über Inflation“

    http://www.handelsblatt.com/finanzen/boerse-maerkte/anlagestrategie/flossbach-und-von-storch-im-interview-die-entschuldung-geht-nur-ueber-inflation/6148046.html

    Bis neulich!

  8. Johannes sagt:

    Salve Frank,

    ich verstehe schon, wie Du das siehst, ich sehe das anders.

    Ich habe das Interview so verstanden, als ginge es ausschließlich um den Zahlungsausfall Griechenlands und was das für die CDS bedeudet. GR wird laufend erwähnt und auch immer der Bezug dazu gestellt.

    Laut diesem Interview wurde meine Meinung dahingehend gebildet, dass beim GR- Kreditereignis (Lol, immer noch witzig *gg*) 5 Ami- Großbanken pleite gehen.

    Weiters wurde bei mir durch dieses Interview der Eindruck erweckt, dass diese ISDA von 5 Groß- Ami- Banken geführt wird, was ja nachweislich durch den Link vom Bankhaus widerlegt ist.

    Diese Annahmen, die ich durch dieses Interview erlangt habe, sind mit dem Kommentar vom Bankhaus ad absurdum geführt worden. Evt. habe ich da ein anderes Bild gezeichnet, als beabsichtigt. Ist halt auch immer subjektiv. 😉

    Aber mir stellt sich nun die Frage der Fragen. Welchen Sinn hat es für die ISDA ein griechisches Kreditereignis zu vermeiden?

    Wegen lächerlicher 3 Mrd. den CDS- Markt möglichlerweise kollabieren zu lassen, nur um europäische CDS- Verkäufer zu schützen?

    Da wäre es doch meiner Meinung nach viel besser, diese 3 Mrd. zu zahlen um die CDS gar nicht in Frage stellen zu können.

    Mir erschließt sich der Sinn immer weniger in diesem Interview, nachdem ich Bankhaus`s Ausführungen kenne.

  9. Bankhaus Rott sagt:

    Das Kreditereignis zu vermeiden ist primär das Ziel der europäischen Institutionen, der Weg führt allerdings nur über die ISDA, da diese schlussendlich für die Auktionen verantwortlich ist.

    Die 3 Mrd. Nettoexposure sind in der Tat nicht der Rede wert. Der Abbau des Nettoexposures macht auch aus Trading-Perspektive Sinn, da bei einem Bondkurs von teilweise unter 20% auf der Short-Seite wohl nichts mehr zu verdienen ist. Warum sollte jemand bei diesen Kursen die Position aufrecht erhalten und weiter munter Prämien einzahlen?

    Die Summe aller ausstehenden Griechenland CDS (ohne netting, also eine eher sinnfreie Betrachtung) liegt bei rund 68 Mrd. Dollar. Ein Haircut von 80% würde also insgesamt 55 Mrd. an Zahlungen verursachen. Das Eigenkapital der fünf großen US-Banken liegt bei 813 Mrd, die Summe liegt also bei etwa 6,7%. Betrachtet man das Nettoexposure so würden die fälligen Zahlungen 0,32% des Eigenkapitals ausmachen. Dazu stellt sich die Frage, ob die US Banken netto long oder netto short in Griechenland CDS positioniert sind. Die Positionierung europäischer Banken und Versicherungen als Sicherungsgeber führt aber zumindest dazu, dass das Risiko sich auf beiden Seiten des Atlantiks verteilt. Das Interesse der Eurokraten, ein credit event zu vermeiden, dürfte eher auf die hiesigen Finanzinstitute abzielen.

    Das gesamte CDS Exposure ist natürlich ein anderes Thema, wobei der (versuchte) Eingriff der Europäer in die Sicherungsmechanismen wenig hilfreich ist, denn wenn man generell die Sicherungen der CDS nicht mehr ernstnehmen kann, dann dürfte sich der Eigenkapitalbedarf weiter erhöhen. Das ist vergleichbar mit der Situation, in der Sie ein Haus auf Kredit kaufen und als Sicherheiten eine Feuer- und Lebensversicherung abschließen. Wenn das Haus abgebrannt ist, erzählt man Ihnen, die Feuerversicherung gelte nicht im Brandfall. Niemand wird nach einer derartigen Aktion noch eine Feuerversicherung als Sicherheit akzeptieren.

    Beste Grüße
    Bankhaus Rott

  10. Bankhaus Rott sagt:

    Als Ergänzung einige „Gegner“ eines Credit events. Weitere entnehmen Sie der Tagespresse:

    (Guardian) Juncker says today that everything must be done to prevent a Greek „credit event“ or a default

    (EUInside) The European Central Bank, however, maintains that “a credit event or selective default should be avoided.”

    Am besten gefällt uns dieses Zitat (Telegraph): A “credit event” would risk triggering credit default swaps – the scale of losses from which cannot be accurately quantified.

    Das ist in der Tat kompletter Unsinn, denn die Summen aus den CDS sind sehr wohl berechenbar. Im Falle Griechenlands soll das Gerede über die CDS vermutlich vom eigentlichen Problem – den Anleihen, Krediten und Target 2 Salden der Bundesbank – ablenken. Angst ist ja leider in allen Bereichen das beliebteste Stilmittel der Politik geworden.

    Beste Grüße
    Bankhaus Rott

  11. Johannes sagt:

    @ Bankhaus

    „Niemand wird nach einer derartigen Aktion noch eine Feuerversicherung als Sicherheit akzeptieren.“

    Sehe ich auch so, deswegen verstehe ich Sinclairs Argumentation nicht. 🙂

    „Angst ist ja leider in allen Bereichen das beliebteste Stilmittel der Politik geworden.“

    Und da muss ich jetzt Sinclair auch mit rein nehmen, aus welchem Grund auch immer er auf der Angstwelle dahin reitet. 😉

  12. Bankhaus Rott sagt:

    @Johannes

    Eine Ausnahme bildet vielleicht das Basel-Komittee, ein ausgewiesener Hort der Kreativität. Wer mit dem (angeblichen) Ziel die Risiken zu reduzieren, Risikogewichte von unter 1 einführt, dem ist alles zuzutrauen 🙂

  13. norville sagt:

    ich verstehe nicht ganz das Problem. Die Amies haben die FED zum geld drucken und die Europäer haben den Rettungsfallschirm für notleidende Banken. Die werden doch einfach über offizielle oder inoffizielle Kanäle Geld drucken. Auch wenn sich das heute keiner Vorstellen kann wie das ablaufen soll. Bestimmt haben die betroffenen US-Banke selbst Notfallpläne ausgearbeitet die sie nur dem Ministern in die Taschen stecken müssen und die dann so tunals wäre es Ihr eingener Plan 🙂 . Ich finde die Politiker sind doch heutzutage eh nur noch Erfüllungsgehilfen der Banken und Konzerne.

  14. […] ein Ausfall oder wie diese es nennen ein „Kreditereignis“ ist. Hierzu empfehle ich den Artikel „Die drohende, nicht erklärte Insolvenz von fünf systemrelevanten US-Banken“ auf Rottmeyer.de (Must Read!!) […]

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