Jetzt (noch) Gold kaufen?

25. Februar 2009 | Kategorie: Kommentare

Die Leute kaufen wieder Gold, sagen mir die Goldhändler. Es ist ein komischer Markt. An einem Tag kaufen sie Gold, am anderen Silber. Dann kaufen wie wieder gar nichts. Irgendwie ist das anders als damals, als der Preis über 1000 USD/oz stieg. Meist kommen sie, wenn die Kurse steigen. Es scheint in der Natur der Menschen zu liegen, pro-zyklisch zu handeln. Wenn die Aktien hoch im Kurs stehen, tun sie das auch. Doch ist es gerade jetzt eine gute Zeit, um Gold zu kaufen?

Es kann gerade zu teuer sein, seine Groschen jetzt in Edelmetall zu tauschen. Mit den heutigen Rückgängen von 995 USD/oz auf 960 USD/oz wurde mein Postfach mit Häme gefüllt. Ich fand es ganz lustig. Vielleicht sollte man nur mit einem Teil dabei sein und mit dem anderen Teil warten. In den letzten Jahren war es ein guter Ratschlag. Zudem ist es nicht unbedingt einfach, sich mit der Materie der Edelmetalle zu beschäftigen. Man sollte es jedenfalls tun, bevor man loszieht, um Papiergeld in Gold oder Silber umzutauschen. Viele merken erst jetzt, wohin die Reise gehen könnten. Und dann schlagen sie zu – gnadenlos. Beim ersten Schwächeln der Preise werfen sie dann die Flinte und alle guten Vorsätze ins Korn.

Eine Feinunze Gold kostet je nach Händler derzeit 830 bis 850 Euro. Etliche Händler nehmen sogar wesentlich mehr in der Hoffnung, der Käufer merkt es nicht. Sogar im Fernsehen werden Silberunzen für 100 Euro als Schnäppchen angeboten. Kein schlechtes Geschäft, wenn die Unze für 15 Euro zu haben ist, und es wesentlich mehr Unwissen am Markt gibt als käufliche Unzen. Das jedoch erzählt Ihnen der Händler wahrscheinlich nicht. Es steht auch nicht in den Zeitungen. Wer kennt sich heute schon mit Gold und Silber aus? Und so zahlen manche für Sammlermünzen ein Vermögen, ohne sich mit der Materie beschäftigt zu haben, nur weil der Idiot dem Deppen sagt, es wäre so sicher und so selten und auch so hübsch…

Vielleicht ist es Lehrgeld, das Käufer dann zahlen. Dabei gibt es genügend Quellen, um sich mit dem Thema zu beschäftigen. Nicht nur an der Börse gibt es kein freies Mittagessen, selbst wenn man das Ihnen irgendwann versprochen hat. Im Edelmetallmarkt ist es nicht anders. Informationen sind der Treibstoff der Börse, heißt es in einer Werbung. Doch viele wollen Gewinne, ohne sich um Informationen zu kümmern. Das geht in der Regel schief. Und es ist auch gut so.

Gold und Silber erreichen im Frühjahr meist ihre Höhepunkte, bevor es dann abwärts geht, meist wenn die Tulpen blühen. Vielleicht ist es in diesem Jahr anders. Statt jetzt auf einen fahrenden Zug aufzuspringen, könnte es ratsam sein, einen Teil des „Pulvers“ trocken zu halten. Im Einkauf liegt der Gewinn. Wenn die Kurse hoch stehen und die Zeitungen mit Berichten über Edelmetalle voll sind, sollte man sich erfahrungsgemäß etwas im Sessel zurücklehnen und warten. Deshalb hatte ich unlängst eine Rechnung aufgemacht, wie sich Sparpläne in Gold und Silber ausgezahlt hätten, wenn man nicht auf Experten, sondern auf den gesunden Menschenverstand gehört hätte. ( Beitrag aus dem Dezember )

Wer seit 1995 monatlich ein Schweizer Vreneli mit einem Goldgewicht von 5,8 Gramm gekauft hat, besitzt jetzt nach 18 Jahren 216 Münzen oder 1,3 Kilogramm reines Gold. Vrenelis kosteten in dieser Zeit durchschnittlich 100 Euro, genauer zwischen 60 und 130 Euro. Bezahlt hätte man in diesen 13 Jahren insgesamt 21.600 Euro und könnte die Münzen jetzt für ca. 28.000 Euro steuerfrei verkaufen. Dabei hat Gold nur den Kaufkraftverlust abgefangen.

In Deutschland gibt es ca. 40 Mio. Beschäftigte. Hätten sie dies seit 1995 getan, würden sie jetzt auf einem Goldschatz von 50.000 Tonnen sitzen, einem Drittel des jemals geförderten Goldes oder umgerechnet 25 Weltjahresproduktionen, abgesehen davon, dass es diese Berge an Vrenelis gar nicht gibt.

Hätten diese 40 Mio. Beschäftigte seit 1995 monatlich 100 Euro für Silbermünzen a 10 EUR aufgebracht, besäße jeder Silbersparer nun 2.160 Unzen oder 67 Kilogramm im Wert von 26.000 Euro. Hochgerechnet würden sie die 40 Mio. deutschen Beschäftigten auf einem Silberberg von 2,7 Mio. Tonnen sitzen, was 89 Weltjahresproduktionen entspricht. (Blogeintrag Dezember 2008)

Legt man heute monatlich 100 Euro zur Seite, bekommt man ca. 4 Gramm Gold dafür oder 7 Unzen Silber. (210 Gramm) Wie wäre es mit einem Sparschein? So eins aus hässlicher gelber Plastik? Packen Sie am Tag dort am Abend 3 Euro hinein. Wenn alle schreiben, Edelmetalle wären Mist, dann rennen Sie mit dem Inhalt zum Händler und schlachten das halbe Schwein. Wird die Stimmung schlechter, bringen Sie die andere Hälfte dorthin, Und vergessen Sie nicht, das Schwein täglich mit 3 Euro zu füttern Das sind monatlich fast 100 Euro.

Auf die aktuellen Preise gerechnet, bekommt man innerhalb eines Jahres den Betrag von 1095 EUR zusammen, soviel wie für 44 Gramm Gold oder über zwei Kilogramm Silber. Auf paar Jahre zusammengerechnet bedeutet das ein hübsches Häufchen… Und man hat notfalls eine Reserve, wenn es ganz eng werden sollte….

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