Jetzt geht’s um „die Wurst“

14. Mai 2014 | Kategorie: RottMeyer

vom Smart Investor

Über ein interessantes Wochenende und eine interessante Woche… Hinter uns liegt ein veranstaltungsreiches Wochenende, wobei der Eurovision Song Contest (ESC) das herausragende Medienereignis war. Nicht ganz unerwartet gewann „Frau Wurst“ aus Österreich, denn sie ist genau jene geniale Mischung, die Medien und Politik so lieben…

Als greller Hingucker mit unschuldigem Augenaufschlag trägt „sie“ die Botschaft vom grenzenlos bunten Europa auch in die verstaubteste Fernsehstube des Kontinents – eine Win/Win-Wurst für alle Beteiligten. Zudem auch wirtschaftlich ein sicherer Erfolg, denn „die Wurst“ ist ein Traumprodukt, das gerade auch bei den Mächtigen zu gefallen weiß.

Während im Osten Europas der Bürgerkrieg droht und eine allgemeine Europamüdigkeit Platz gegriffen hat, inszeniert das Eurovisions-Sendernetz den Kontinent rechtzeitig vor der Europawahl als unbeschwert und ausgelassen. Eine „Frau“ mit einem Vollbart, der selbst stereotype Seeräuber und Wikinger alt aussehen lässt, oder eben ein androgyner Mann – herausgeputzt im festlichen Fummel – zeigen nun auch dem letzten Hinterwäldler, dass traditionelle (Geschlechter-)Grenzen machtvoll aufgelöst werden.

Der gelenkte europäische Zeitgeist feiert sich selbst – zumindest solange das Playback noch spielt. Lediglich „Wladimir and the Homophobes“ bleiben mürrisch in der Ecke, während Europa tanzt. Ein nicht ganz unbeabsichtigter Kollateralnutzen. Und um ehrlich zu sein, angesichts der bisher präsentierten Farbloskandidaten für die EU-Präsidentschaft – Julz und Schuncker – sollte „Conchita“ auch hier ihren Hut in den Ring werfen – den cooleren Bart hat sie allemal.

In diese ausgelassene Stimmung hinein irrlichterten jedoch gleich zwei deutsche ESC-Jury-Mitglieder – Madeline Juno und Sido – indem sie „die Wurst“ nicht auf Platz 1 setzten. Die beiden glaubten, Stück, Performance und Künstler musikalisch beurteilen zu müssen und offenbarten damit, dass sie – so die Vorwürfe – weder Gespür für den Zeitgeist noch für den Geist des ESC und schon gar nicht für die Botschaft hinter der Performance hatten. Ah ja.

Die beiden wurden entsprechend heftig angefeindet: „Ja, geht doch rüber!“ Aus Raider wurde Twix, aus Thomas wurde „Conchita“ und Gruppendruck heißt jetzt „Europa der Toleranz“. Zwar steht im Reglement des ESC: „Lied oder Auftritt dürfen keine politische Botschaft enthalten.“ – eine Regel aber, die im Neuen Europa ebenso veraltet ist, wie die No-Bailout-Klausel.

Abgesehen davon stand beim ESC selten das Singen im Vordergrund. In rund 50 Jahren wurden im Rahmen dieses Wettbewerbs praktisch nur einmal echte Weltstars geboren – und das ausgerechnet mit dem prophetischen Titel „Waterloo“! (ABBA)

Eigentlich war der Wettbewerb schon immer politisch. Denn es ist allemal besser gegeneinander zu singen, als aufeinander zu schießen – wobei die Grenzen hier allerdings zugegebenermaßen fließend sind. Andere Botschaften waren da schon subtiler. Etwa als Guildo Horn 1998 Europa demonstrierte, dass es den hässlichen Deutschen inzwischen auch in einer vollkommen lächerlichen Harmlos-Variante gibt. Oder Stefan Raab, der mit seinem Beitrag „Wadde hadde dudde da?“ jeden Verdacht entkräften konnte, wir seien noch immer „ein Volk der Dichter und Denker“.

Gedankenaustausch mit Niveau

Kommen wir zu jenen Veranstaltungen, auf denen „Austrians“ vielleicht nicht ganz so „fesch“ herausgeputzt waren, jedoch auch ohne auffällige Verkleidungen überzeugen konnten. Das waren am Freitag, den 9. Mai, die „5. Hamburger Mark Banco Anlegertagung“ des Instituts für Austrian Asset Management (IfAAM) und am Samstag, den 10. Mai, die Konferenz „Ist das Papiergeldsystem noch zu retten?” des Ludwig von Mises Instituts Deutschland.

Beide Veranstaltungen fanden in München statt. Wer neben Grundsatzfragen dieser Denkrichtung auch etwas zur aktuellen Lage der Volkswirtschaften aus „österreichischer Sicht“ erfahren wollte, war hier richtig. Ein Höhepunkt der IfAAM-Veranstaltung am Freitag war die Verleihung der Roland Baader Auszeichnung an Dr. Bruno Bandulet für sein bisheriges aufklärerisches Lebenswerk.

Ein ausführliches Interview mit Herrn Dr. Bandulet („An einem großen Krieg ist derzeit niemand interessiert“) finden Sie in der aktuellen Ausgabe 5/2014 des Smart Investor ab S. 32.

Aber auch am Samstag war einiges geboten, der ehemalige Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank, Professor Jürgen Stark, traute sich „in die Höhle der Löwen“ – also zu einem Kongress des Ludwig von Mises Instituts Deutschland. Ein besonderes Schmankerl war die kontrovers geführte Diskussion zwischen Stark und den Vertretern der Austrians.

Auch wenn naturgemäß in wesentlichen Punkten keine Einigkeit zu erzielen war, so gab es durchaus auch große Schnittmengen. In jedem Fall wurde das Publikum Zeuge einer hochkarätigen, respektvoll geführten Diskussion, in der auch der Humor nicht zu kurz kam. Über beide Veranstaltungen werden wir in der kommenden Ausgabe 6/2014 des Smart Investor noch ausführlich berichten… (Seite 2, zu den Märkten)


 

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