Jeder Euro zählt

15. Mai 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Frank Meyer

Was halten Sie davon? Die Steuereinnahmen von Bund, Ländern und Gemeinden fallen bis 2014 um 135 Milliarden Euro höher aus als gedacht. Oh ja!

Doch nur in Berlin feiert man die sprudelnden Steuerquellen. Etwas anders betrachtet, zahlen die Bürger 135 Milliarden Euro mehr Steuern als erwartet. Warum denkt der Autor dieser Zeilen an Aderlass? So wie man Zahnpasta nicht wieder zurück in die Tube gedrückt bekommt, ist das auch mit gezahlten Steuern: Sind sie weg, sind die weg. Schließlich gibt es viele Bedürftige neben den Hoteliers und Banken auch noch halb Europa. Etwaige Überschüsse lassen sich so notfalls auch alternativlos in Griechenland verklappen.

Für Europas Schuldenstaaten sind das gute Nachrichten. Warum aber feiert man hierzulande diese Zusatzeinnahmen des Staates wie die Posaunen eines betrunkenen Sonntagsengels auf dem Kirchturm? Statistisch gesehen arbeitet jeder, wirklich arbeitet, bis Mitte Juli nur für den Staat. Alle Einkünfte danach darf man behalten. In der Schweiz liegt die Abgabenquote bei nur 20 Prozent. Wie schön muss es im Mittelalter gewesen sein, als das Volk einen „Zehnt“ abgab – also zehn Prozent seiner Einnahmen. Damit konnte der böse König feiern und der Engel auf dem Kirchturm posaunen.

Leider gibt es mal wieder keinen Platz für Steuersenkungen, da ja der Haushalt „konsolidiert“ werden muss, sagt der Finanzminister. Jeder Euro wird gebraucht, auch in Griechenland. Regen Sie sich nicht auf und packen Sie doch endlich mal zu! Yes we can auch! Übrigens weht seit dieser Woche eine Europafahne auf dem Reichstagsgebäude – als Ansporn und Warnung zugleich.

©Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten

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4 Kommentare auf "Jeder Euro zählt"

  1. hannesb sagt:

    Leute, näht Eure Taschen zu! Der Schäuble hat angekündigt, dass er bis zum Ellenbogen hineinzugreifen gedenkt. Sagt nachher nicht, Ihr hättet das nicht gewusst!
    Hier sind Nadel und Faden: Gold und Silber kann man (noch) bis 14.999 Euro anonym kaufen.

  2. quest sagt:

    In dem Zusammenhang sollte man wissen, dass jeder Cent Steuern, der aus einem Unternehmen zum Staat fließt, in dessen Preisen enthalten ist. Und also auch des Bürgers Taschen leert…

  3. askanier sagt:

    Wie sieht das eigentlich bei der Progressionskurve für die Lohnsteuer aus? Wird die regelmässig angepasst oder rutscht man mit jeder Lohnerhöhung die Progression immer weiter rauf? Wäre doch auch eine nette zusätzliche Einnahmequelle für Vater Staat.
    Nebenbei: Geldentwertung führt zu höheren Preisen, höhere Preise führen zu mehr Umsatz, mehr Umsatz zu mehr Steuern (MwSt.). Unterliegt der Bundesfinanzminister etwa noch dem Irrtum, dass er mit mehr Steuereinnahmen auch mehr Verbindlichkeiten begleichen kann?
    Armer Narr!

  4. Hans im Glueck sagt:

    tja und wenn man selber mal eine Umsatzsteuer-Gutschrift von Finanzamt bekommen soll, dann kann man mehrfach hinterher telefonieren.
    Aber überweist man selber nicht bis zum 10. eines Monats (Geldeingang), dann kommen die direkt mit Säumiszuschlägen ect. od. Kontopfändung.
    Ist echt zum K.

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