Japans Elend

17. Januar 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Zeitlos

Im mittlerweile dicht bevölkerten Teich der Länder mit Schuldengrippe dreht ein besonders großer Fisch schon seit längerem seine Runden. In Japan ist das Schatzamt durch jahrelanges hartes Training, hartnäckige Budgetdefizite und zahllose erfolglose Konjunkturprogramme ebenso gewohnt wie die stetig wachsende Staatsverschuldung…

Allen fruchtlosen Maßnahmen zum Trotz wird mit Disziplin und Ausdauer von neuen Konjunkturmaßnahmen, finanziellen Lockerungen und einer „Stabilisierung der Staatsschulden“ gesprochen. Was genau bei absurd niedrigen Zinsen noch gelockert werden soll bleibt offen.

Angesichts der verfahrenen Situation und einer bizarren Schuldenquote der öffentlichen Hand, die bei rund 200% des BIP liegt, dürfen sowohl die avisierten Maßnahmen als auch geäußerte Durchhalteparolen getrost in der Akte „Kabarett“ abgeheftet werden. Diese Schulden werden – wie auch die vieler anderer Länder etwa in Europa – nicht in der ausstehenden Summe zurückgezahlt werden. Das ist wenig überraschend, wird aber umso überraschender selten erwähnt. Oft heißt es vielmehr, man dürfe etwas derartiges nicht sagen, es könne „die Märkte“ beunruhigen. Eine solche Aussage aus dem Mund eines so genannten Repräsentanten setzt schon einen gesunden Humor voraus. Es ist davon auszugehen, dass die meisten Bondhändler auf dem Globus sich der Situation nicht erst seit gestern bewusst sind.

Gerne in den Hintergrund gedrängt werden in der allgemeinen Debatte um Schuldenstände und Zinspegel die Gesamtstände privater und staatlicher Schulden. In Japan führt eine Aufsummierung der öffentlichen, privaten und unternehmerischen Außenstände zu einer Quote von mehr als 500% vom BIP. In UK liegt der entsprechende Wert übrigens auf vergleichbarem Niveau. Die sprichwörtliche Geduld einer waity Katy dürfte den Gläubigern beider Inselstaaten folglich gut zu Gesicht stehen.

Neben den Problemen einer geplatzten Immobilienblase, die auch in mehr als 20 Jahren nicht vollständig gelöst werden konnten, droht Ungemach unter anderem von der demografischen Seite. Man mag den Verweis auf langfristige Entwicklungen kritisieren, sie zu missachten könnte sich aber als grober Fehler herausstellen. Die Bevölkerungsentwicklung in Japan ist nach einigen Dekaden, die von einer konstant sinkenden Geburtenrate gekennzeichnet waren, vor einiger Zeit in den negativen Bereich gesunken. Die Bevölkerung des Inselreiches schrumpft.



Die sinkende Geburtenrate und die anhaltend schwierige wirtschaftliche Entwicklung haben auch in den volkswirtschaftlichen Daten ihren Spuren hinterlassen. Während die eine oder andere Fondsgesellschaft möglicherweise „Renter-Konsum-Baskets“ auflegt, die sich vorwiegend in Aktien des Gesundheits- und Reisesektors tummeln, vergessen die Strategen vielleicht die Kehrseite der Medaille. In Japan ist diese nun in der Gegenwart zu beobachten.

Die Zahl derjenigen Menschen, die sparen können, ist gesunken. Die Zahl der Menschen, die ihre Ersparnisse ausgeben – dafür wurden sie schließlich angelegt – steigt. Die über Dekaden trotz sinkender Sparquote halbwegs stabile Finanzierung des japanischen Haushalts mit Spargeldern der eigenen Bevölkerung steht auf tönernen Füßen. Die Gelder der Japaner selbst werden in Zukunft nicht mehr ausreichen. Andere Geldquellen sind nötig, um die Anleihen des Schatzamtes an die Frau oder den Mann bringen zu können. Die Frage ist, wer findet Anleihen eines extrem verschuldeten Landes, die im zehnjährigen Laufzeitband mit gerade einmal 1,2% rentieren, attraktiv? Und wer will das Währungsrisiko tragen? Fragen Sie doch einmal spaßeshalber bei der Schweizer Nationalbank nach, was die Damen und Herren zum Thema Währungsverluste zu sagen haben. 

Geld wird Japan weiterhin brauchen. Hat es schon in Dekaden der fast weltweit blühenden Konjunktur nicht mit einer strukturellen Problemlösung geklappt, so wird dies vor dem Hintergrund der sich zuspitzenden Schuldenproblematik in Amerika und Europa zu einer Unmöglichkeit. Mit ausgeglichenen Haushalten ist auf absehbare Zeit nicht zu rechnen. Als Industrieland mit nicht sonderlich ausgedehntem und vielerorts sehr schwer gangbarem Territorium, das seinen Rohstoffhunger größtenteils im Ausland decken muss, gibt es als weiteres Problem die Abhängigkeit von der Währungsentwicklung. —–>

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4 Kommentare auf "Japans Elend"

  1. p.koslowski sagt:

    Ich wollte schon immer mal in Japan Urlaub machen. Ich warte einfach noch ein wenig bis der Yen mir günstiger erscheint. 🙂

  2. […] This post was mentioned on Twitter by Peter Wolf. Peter Wolf said: Japans Elend – zur Nachahmung empfohlen? | Frank Meyer http://bit.ly/dOnFoF […]

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