Japanische Rentner werden kriminell

6. April 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Bill Bonner

Eine Zeitungsschlagzeile rüttelte uns neben dem ganzen Trubel um die US-Wahlen auf. „Japanische Rentner werden in ihrer Geldnot kriminell“, so die Schlagzeile der Financial Times.

Nach Jahren der quantitativen Lockerung (QE), ZIRP (Nullzinspolitik), NIRP (negative Zinspolitik), und Abenomics (einer nach dem Premier Shinzo Abe benannten „Wirtschaftspolitik“) – das heißt, nach Jahren der Standardabweichungen vom „normalen modernen Zentralbanking“ – müssen ältere Menschen in Japan jetzt das Gesetz brechen … „um freie Unterkunft und Verpflegung hinter Gittern“ zu bekommen

Steht das auch in den USA bevor?

„Ja“, ist die sichere Antwort.

Japan liegt uns bei dieser Reise ein Stück weit voraus. Die Börse ist abgestürzt im Jahr 1989. Das führte zu einer großen Rezession, die von den Behörden ähnlich wie beim Kampf der kaiserlichen Armee in Okinawa bekämpft wurde. Japanische Politiker erfanden QE … und 26 Jahre lang haben sie die Zinsen bei Null gelassen.

Shinzo Abe wurde genau deswegen Premierminister, Japans 25-jährige Misere endlich zu beenden. Er scheiterte damit.

Die „drei Stützen“ seiner Abenomics-Plattform – Konjunktureller Stimulus, Lockerung der Geldpolitik und Strukturreformen – vermochten es nicht, das Land aus dem Schlamassel zu ziehen.

Schwere Entscheidungen

Es sollte jetzt für jeden offensichtlich sein dass William McChesney Martin richtig lag. Als neunter Vorsitzender des Board of Governors der Federal Reserve war er der Mann an der Spitze während des Wahlzyklus 1956. Und er war der Mann, der verantwortlich war für die „Normalisierung“ der Zinssätze nach der Kriegszeit. Damals gab es einen Deal der Fed mit dem Finanzministerium, um mit ultra-niedrigen Zinsen das kriegsbedingte Defizit zu finanzieren.

Einige befürchteten, dass dies eine wirtschaftliche Katastrophe auslösen würde. Aber Martin sah deutlich, was seine Homologen des 21. Jahrhunderts wohl bewußt nicht sehen wollen:

„Im Krieg mussten schwere Entscheidungen getroffen werden; wir mussten sogar die kleinsten Einzelheiten unseres wirtschaftlichen Lebens diktieren. Aber es ist mit demokratischen Institutuionen und freiem Unternehmertum völlig unvereinbar, die Wirtschaft dauerhaft in eine Zwangsjacke zu packen.

In einem freien Markt können die Zinsen sowohl nach unten als auch nach oben gehen und damit ihre Funktion als Preismechanismus einwandfrei zu erfüllen. Diktierte Zinssätze bergen die Gefahr, diktierte Preise in der ganzen Wirtschaft zu bekommen.“

Er beschrieb dann die Konsequenzen dessen, zu was die Bernankes-Yellen Geld Diktatur führen würde:

„Wir würden keine zuverlässigen Schutz gegen die Erosion unserer Ersparnisse haben, unserer Renten, unsere Lebensversicherungen; das private Altervorsorgekapital ist bedroht.“

Bisher schienen Herr Bernanke und Frau Yellen die Sache unter Kontrolle zu haben. Wir sehen noch keine Erosion des Wertes unserer Finanzanlagen. Stattdessen sind sowohl Aktien und Anleihen im Preis gestiegen. Aber die Unternehmen, die dahinter stehen, sind wie ein altes Schiff verkrustet. Das Schiff verlangsamt sich… und fährt immer tiefer und tiefer in das Wasser. Die reale Kapitalbildung ist rückläufig … Produktivität sinkt … Löhne stagnieren …

Und dann haben Sie Menschen, die immer ärmer, nicht reicher werden… und silberhaarige Gauner … verzweifelt hinter Gittern, wo sie warme Betten vorfinden und alte Freunde treffen. Herr Martin, der 91 Jahre alt wurde und im Jahr 1998 verstarb, hätte das sehr wohl verstanden.

Über Immobilienverkäufe nachdenken…
von Bill Bonner

Im vergangenen Jahr gingen mehr als ein Drittel der in Vancouver verkauften Häuser an chinesische Käufer. Überall in Kanada war die Geschichte ähnlich … wenn auch nicht so extrem. Häuser werden an Leute verkauft, die oft gar nicht die Absicht, in ihnen zu leben. Das war großartig, wenn Sie ein Haus verkaufen wollten. Eine Flut von Geld stürzte herein … die Hauspreise stiegen.

Aber Gezeiten gehen in beide Richtungen. Sie kommen … und gehen. Und wenn Sie darauf bauen, dass ihr Haus seinen Wert behält.. sollten sie aufpassen. Hauspreise sind in der Regel stabiler als der Aktienmarkt, weil Ebbe und Flut auf dem Wohnungsmarkt langsam und relativ schwach ausgeprägt sind.

Nobelpreisträger Robert Shiller hat in seinem Buch „Irrational Exuberance“ erklärt, dass es entgegen der landläufigen Meinung keinen kontinuierlichen langfristigen Aufwärtstrend der Immobilienpreise gibt. Herr Shiller verweist hier auf enttäuschend niedrige Durchschnittsraten realer [inflationsbereinigter] Aufwertung der meisten Häuser.“

Das macht Sinn. Menschen spekulieren nicht leichtfertig mit ihren Häusern.

Sie können ihre Aktien mit ein paar Mausclicks abstoßen. Aber einen Haushalt zu bewegen verursacht Schmerzen im Nacken. Sie müssen packen, Umzugsunternehmen beauftragen, sich bei den diversen Versorgern abmelden, Abschied von den Nachbarn nehmen und so weiter.

Super-Luxus

In den Immobilien-Hotspots gab es in den vergangenen zehn Jahren viele Phantom-Käufe. In London und New York, zum Beispiel, können Sie ganze Mehrfamilienhäuser finden, wo niemand zu Hause ist. Wenn man sie am Abend anschaut, sind oft nur die Aufzugsschächte und Flure beleuchtet. Die Wohnungen sind alle dunkel.

Beide Städte erleben jetzt erste Schwächetendenzen am oberen Ende der Preisskala; vielleicht hat sich das Blatt gewendet. Top-Wohnungen in Manhattan werden für mehr als 4000 Dollar je Quadratfuß (0,09 Quadratmeter) angeboten. In dieser Preisliga werden für eine 1200 Quadratfuß-Wohnung (108 Quadratmeter) 4,8 Millionen Dollar fällig! „Super-Luxus“ Wohnungen – nur wenig preiswerter als die Top-Liga – kosten um die 3000 Dollar je Quadratfuß.

Das Gesetz von Angebot und Nachfrage funktioniert bei Immobilien wie in allen anderen Märkten. Nur halt etwas langsamer.

Wenn die Preise steigen, beobachten die Bauträger argwöhnisch den Markt. Sie glauben nicht daran, dass es ein nachhaltiger Preisanstieg ist. Erst dann, wenn die Preise weiter steigen… verblassen die Sorgen. Schließlich werden die Bauunternehmer wieder zuversichtlich.

Oftmals vergehen Jahre, ehe die Entscheidung für ein neues großes Wohnhaus getroffen und letztlich das Objekt dann fertiggestellt wird. In der Zeit können sich die Preise nochmals deutlich erhöhen. Aber wenn das neue Produkt auf den Markt gebracht wird, verhält es sich mit der Flut an Angeboten so wie bei einer Masse von Menschen, die ein großes Fußballstadion verlässt. Die Ausgänge sind vollgestopft mit eifrigen Verkäufern.

Das scheint in New York und London jetzt der Fall zu sein. Die Verkäufe verlangsamen sich. Die Märkte werden mit vielen neuen, leeren Einheiten überschwemmt, die zu übertriebenen Preisen angeboten werden.

Schnäppchen oder Bombe?

Inzwischen scheinen es auf der anderen Seite des Landes, in Silicon Valley, die armen Zauberer des Internets schwer zu haben, über die Runden zu kommen. Palo Alto zahlt mittlerweile Wohnbauförderung auch für alll jene, die fast überall sonst als reich betrachtet werden würden. Hier ist der Bericht aus der Daily Mail, London:

„Einem neuen Vorschlag zufolge qualifizieren sich in Palo Alto alle Menschen mit einem Jahreseinkommen von bis zu 250.000 Dollar für das neue Wohnförderprogramm.

Vertreter der Stadt haben einen achtjährigen Plan für bezahlbaren Wohnraum skizziert – bei dem 587 Einheiten für die einzigartig reiche Mittelschicht reserviert sind. Derweil explodieren die Hauspreise in Palo Alto.

$ 3.000.000, sol viel kostet mitterlweile ein durschnittliches Haus in Palo Alto. Selbst jene, die 250.000 Dollar im Jahr verdienen, müssen zwei Drittel ihres Monatsgehalts für die Hypothekenrate aufbringen.“

Wie auch immer, selbst das beeindruckt Londoner nicht wirklich. Sie sind ja an Exzesse im Immobilienmarkt gewohnt. 2014 wurde eine Wohnung mit Blick auf den Hyde Park von einem unbekannten russischen Investor für 237 Millionen Dollar gekauft. Der Preis je Quadratfuß lag bei 16.000 Dollar. Ein Schnäppchen? Oder eine Bombe?

Wir wissen es nicht. Aber wir geben den Lesern den gleichen Rat wie vor zehn Jahren: Wenn Sie eine Immobilie „irgendwann in der Zukunft“ verkaufen wollen, denken Sie daran, dass jetzt die Zukunft ist, auf die Sie schon lange gewartet haben.

Verkaufen Sie. Kaufen Sie etwas zu einem niedrigeren Preis. Investieren Sie den überschüssigen Differenzbetrag in Gold.

Quelle: Kapitalschutz Akte
Japanische Rentner werden kriminell (von Bill Bonner)
Über Immobilienverkäufe nachdenken.(von Bill Bonner)

Weitere Informationen: Investor Verlag

 

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