Japan & USA: Auf dem selben Gleis…

31. Januar 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Slideshow, Zeitlos

Die Parallelen zwischen den Folgen der gescheiterten Immobilienträume in den USA und in Japan lassen sich auf verschiedenen Ebenen betrachten. Die geschätzten Damen und Herren von Haver Analytics haben kürzlich eine schöne diesbezügliche Serie veröffentlicht… Die in den Grafiken dargestellten Sachverhalte reichen von den ausufernden Bilanzen der Zentralbanken über anhaltende deflationäre Effekte bis hin zur Zinskurve am kurzen und am langen Ende. Bei allen genannten Kennzahlen zeigten sich sehr auffällige Ähnlichkeiten.

In der vergangenen Woche hatte der japanische Finanzminister wieder einmal die Ehre, öfter in den Medien auftauchen zu dürfen. Ursache war die Herabstufung der Kreditwürdigkeit durch die US-Ratingagentur S&P. Der Schritt von AA auf AA–  ist sicherlich unschön, angesichts der desolaten Historie der Ratingagenturen bei der Beurteilung und Bewertung von Risiken stellt sich aber generell die Frage, welche weltbewegenden neue Information diese Kennzahl eigentlich noch übermitteln soll.

Ein Rating von AA bedeutet übrigens im Agentursprech:

‚AA’—Very strong capacity to meet financial commitments (S&P).

Die katastrophale japanische Schuldensituation ist hinlänglich bekannt. In einer Welt, in der angeschlagene Wirtschaftsriesen sich über zu niedrige Inflation beklagen und fröhlich Geld in die Welt setzen, hat der Begriff Kreditwürdigkeit ohnehin viel von seinem Glanz verloren. Die genannte Agentur hatte übrigens laut Bloomberg  zu Zeiten des Immobilienbooms in ihren Modellen einen dauerhaften Anstieg der Hauspreise von 4% p.a. implementiert. Das hat, wie der Einbruch um 40% zeigt, nicht funktioniert. Als genauso zutreffend dürften sich auf lange Zeit vermutlich auch die wohl weitgehend politisch motivierten Auf- und Abstufungen verschiedener Staaten sein.

Zurück zum Thema. Besonders interessant im Hinblick auf mögliche Wirtschaftsverläufe nach einem ersten ökonomischen Schock ist die Visualisierung der folgenden Rezessionen und Wachstumsphasen. In Japan herrschte per Saldo keine große Freude.

Nach dem Kollaps und einer kleinen negativen Bewegung kam es um das Jahr 1993 zu einer ersten Wachstumsbeschleunigung. Beachtenswert ist auch die Schwäche bis fast zum Ende des Aktien-Booms am Ende des vergangenen Jahrtausends. Selbst in dieser Phase kam es in Japan erst kurz vor dem Ende der Party zu einem mickrigen Wachstum. Vieles davon ist ohnehin Basiseffekten und massiven Anreizprogrammen des Staates geschuldet. Das mit diesen Mitteln erzielte Wachstum war das höchste, was seither im Inselstaat im Nachgang der Immobilienkrise erreicht wurde.

Trotz einer dauerhaft sinkenden Sparquote, immer größer werdender „Wachstumsprogramme“ und einer vergleichsweise nüchtern kommentierten japanischen Version des quantitative easing kam außer einer handvoll Rezessionen und gelegentlicher Wachstumsphasen nicht viel heraus. Außer natürlich einer gehörigen Portion Staatsschulden, die nur wegen der mittlerweile nicht mehr gewährleisteten Innenfinanzierung durch die einheimischen Sparer einen halbwegs stabilen Eindruck machte. Diese vermeintliche Robustheit wackelt nicht erst seit dem letzen massiven Konjunkturenbruch. Sobald die Renditen auf zehnjährige Staatspapiere Nippons auch nur marginal vom ihrem arg tiefen Niveau um die 1,2% ansteigen, kriegt nicht nur der japanische Bankensektor kalte Füße. Sofort werden die Verbalkanonen hervorgeholt und die „Stabilität garantiert“. Ja, so erfolgreichen Strategen nimmt man Garantien gerne ab!

Ein Blick auf einen japanischen Bankaktienindex zeigt, was dabei herauskommt, wenn ein Sektor mit wandelnden Toten künstlich am Leben gehalten wird. Vor nicht allzu langer Zeit haben die enthaltenen Titel sogar ihre Allzeittiefs noch einmal unterboten. Das ist nun wirklich ungefähr so, als wäre eine Mannschaft in der Bundesliga derart schlecht, dass sie von 18 Teams den 19. Rang einnähme.

Eine Anekdote am Rande war unlängst die peinliche Verlautbarung aus Japan, der EU bei ihren bail-outs zur Seite stehen zu wollen… ——>

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3 Kommentare auf "Japan & USA: Auf dem selben Gleis…"

  1. […] This post was mentioned on Twitter by CONTRACOMA, Net-News-Express. Net-News-Express said: Japan & USA: Auf dem selben Gleis…: Die Parallelen zwischen den Folgen der gescheiterten Immobilienträume in den… http://bit.ly/gqJk96 […]

  2. Bankhaus Rott » Japan vs. USA. Auf dem selben Gleis? sagt:

    […] Hier geht es weiter! […]

  3. […] Rott & Meyer: Japan & USA: Auf dem selben Gleis… […]

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