Japan: So schön sieht eine Pleite aus

6. Februar 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Frank Meyer

Neidvoll gehen die Blicke der Anleger nach Japan. Dort steigt der Nikkei und stellt alle anderen Börsen in den Schatten. Fulminante Aufschläge vermitteln das Gefühl, in Japan geht es endlich wieder aufwärts. So schön kann eine Pleite aussehen…

Ist es nicht herrlich, dass der japanische Nikkei allein in den letzten drei Monaten 27 Prozent zugelegt hat? Mann muss nur die Währung schwächen, und schon entsteht ein Feuerwerk an den Börsen. Ich finde es deshalb so interessant, weil in Japan etwas passiert, was später auch in den USA und Europa ausprobiert werden könnte: Die Schwächung der Währung, weil schwache Währungen ja so gute Währungen sind und zu Aufschwung-Szenen an den Börsen führt.

Wie man sehen kann, sind die Japaner im Währungsmanagement erfolgreich und haben ihre Währung gegenüber dem Dollar ihren Yen um 17 Prozent abgewertet…

Und auch gegenüber dem Euro sieht der Yen etwas wässig aus, ging es für ihn doch um 23 Prozent munter runter…

Mit ihrem Währungsvorteil auf dem internationalen Markt heizen sie ihren Export an. Die Bilanzen der Unternehmen dürften fantastisch gut aussehen – in Yen. Aus Milliarden-Umsätzen werden bald schon Billionen. Super. Apropos Super…


Um etwas zu produzieren, muss das rohstoffarme Land Waren importieren. Und jetzt wird es lustig. Vor allem der kleine Mann an der Ladentheke und an der Tankstelle wird das zu spüren bekommen. Aber er wollte es ja so, als er Shinzo Abe gewählt hat, der im Wahlkampf versprach, die japanische Währung zu zerstören. Und neidvoll muss man ihm zugestehen, dass er seinen Worten Taten folgen lässt. Wo sonst kann man das erwarten als im Land der aufgehenden Sonne?

So freut sich auch der Ölpreis in Yen und sendet Hausse-Signale aus…

Auch die anderen Rohstoffpreise signalisieren Aufschwung. Monetär. Es sieht so gut aus, dass man vor Begeisterung tiefer in die Tasche greift, ja greifen muss.

Das Gold in Yen scheint auch in Wallung zu kommen. Die Preise von diesem Blech steigen entsprechend der Abwertung der Währung an.

Beste Grüße übrigens nach Großbritannien, das offenbar auch gerne den japanischen Weg gehen möchte. Was bleibt den Briten schon übrig? Das ist ein Thema für die kommenden Wochen.

Frankreichs Premierminister Hollands gab am Dienstag ein wichtiges Signal, indem er sagte…

„Eine Währungszone muss eine Wechselkurspolitik haben, ansonsten wird sie mit einem Wechselkurs enden, der nicht dem wirklichen Zustand seiner Volkswirtschaft entspricht“

Ich würde ihn Ernst nehmen. Aber nur in diesem Fall. Pipi Langstrumpf würde den Euro einfach festbinden. Doch woran? Für die Griechen bei 0.60 zum USD und für die Deutschen bei 1.40. Wie das gehen soll? Keine Ahnung. Herr Hollande auch nicht. Aber das macht nichts. Wo ein Wille ist….

Die Abwertung von Währungen gegeneinander, die irgendwann in einem Krieg um die schwächste Währung führt, haben für die Börsen den hübschen Nebeneffekt, dass diese in den Hausse-Modus übergehen. Nominal. Stellen Sie schon mal den Sekt kalt! So schön sieht nämlich eine monetäre Hausse und eine reale Pleite aus.


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3 Kommentare auf "Japan: So schön sieht eine Pleite aus"

  1. gilga sagt:

    Wahre Worte… vielen Dank Frank!

    Vielleicht sollten die Japaner mal noch einen Blick nach Argentinien werfen. Die haben da auch eine Lösung für das Problem steigender Preise durch eine abwertende Währung gefunden.

  2. haderach sagt:

    Wechselkurse sollte man nicht über so kurze Zeiträume bewerten. Nicht nur dass der Yen zum € noch 2008 bei annähernd 170 stand, historisch hatten wir Anfang der 80’er auch schon mal‘ 350!
    Momentan nähert er sich einfach der Kaufkraftparität die ca. bei 135 liegt.
    Nichts desto trotz wird die globale, gemeinschaftliche Entwertung der Währungen und somit der Raub am Kapital der Bürger die Zukunft prägen!
    Denn (ungedecktes) Papiergeld ist in erster Linie ein Enteignungsinstrument, für etwas Anderes war es nie vorgesehen!

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