Japan, Libyen, Portugal – War da was?

6. April 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

vom Smart-Investor

Nach der Erbeben-Tsunami-Atom(Super)GAU-Katastrophe in Japan und dem militärischen Eingriff des Westens in den lybischen Bürgerkrieg gingen die Märkte in die Knie. Doch inzwischen stört nicht einmal eine neuerliche Herabstufung der Kreditwürdigkeit Portugals die gute Laune.

Die Schleusen auf!

Warum auch? Schließlich gibt es einen riesigen „Rettungsschirm“, der dafür sorgt, dass alle klammen europäischen Länder mit dem nötigen „Kleingeld“ (die Summen selbst fallen dabei jedoch durchaus größer aus) versorgt werden. Auch die verheerenden Zerstörungen in Japan machen den Marktteilnehmern scheinbar nicht allzu viele Sorgen. Schließlich bedeutet der Wiederaufbau ja enorme „Chancen“ und dürfte den japanischen Unternehmen große Gewinnmöglichkeiten eröffnen. Dass sie damit einem Trugschluss aufsitzen, zeigt die über 150 Jahre alte Parabel vom zerbrochenen Fenster, aber was soll’s? Solange landauf, landab verkündet wird, dass Japan mittelfristig von der Katastrophe profitieren könnte, wird es schon irgendwie stimmen.

Dass bei einem SuperGAU in Verbindung mit einer (oder mehreren) Kernschmelze(n) möglicherweise die Metropolregion Tokio nicht mehr bewohnbar sein wird, glauben am Ende auch nur die hysterischen und wie immer überängstlichen Deutschen. Der Bürgerkrieg in Libyen stört ebenfalls nur am Rande. Klar, steigt der Ölpreis, aber schließlich haben die Rebellen bereits erste Ölverkäufe (an Katar) getätigt und nachdem sie sich bereits um die Errichtung einer Zentralbank Gedanken machen, brauchen sich die westlichen Machthaber nun wirklich nicht mehr zu sorgen.

…aber die Zinswende?

Die Korrektur erfolgte zwar heftig und schnell, aber wie Pferde, die der Hafer sticht, lassen sich auch die Märkte kaum mehr von den Katastrophenmeldungen der letzten Wochen beeindrucken. Nur dass es im Falle der Märkte die überbordende Liquidität ist, die sie an antreibt (und schließlich – zum Leidwesen der Pferde – auch den Preis für Hafer steigen lässt). Daran wird auch die zu erwartende Zinserhöhung der europäischen Zentralbank (EZB) nichts ändern. Denn zum einen hat die EZB diesen Schritt bereits lange im Voraus angekündigt, so dass die Erhöhung schon weitestgehend eingepreist sein dürfte. Zum anderen dürfte der Schritt mit 25 Basispunkten oder 0,25% doch sehr moderat ausfallen. Außerdem steigen die Zinsen ja bereits seit einigen Monaten. Der Markt hat die Zinswende schon längst eingeläutet. Die EZB hinkt der Realität also nur hinterher.

USA legen zu

Langsam, langsam machen sich nun auch die Milliarden-Dollar-Programme à la Quantitative Easing in den USA bemerkbar: Die kürzlich vorgelegten Zahlen zum Arbeitsmarkt waren zwar nicht wirklich gut, aber auch nicht so schlecht wie erwartet. Als darüber hinaus auch noch die Stimmungseintrübung der Einkaufsmanager ebenfalls nicht so stark wie erwartet ausfiel (jaja, der im Doppeldenk geschulte Analyst weiß: leichte Stimmungseintrübungen sind tatsächlich Stimmungsaufhellungen), zogen die Kurse weiter an. Entsprechend markierte der Dow Jones am gestrigen Montag ein neues Zwei-Jahres-Hoch.

Auch Ereignisse wie die geplante Übernahme von National Semiconductor durch Texas Instruments bestätigen den vermeintlichen Aufschwung. Die angekündigte Schaffung von 50.000(!) neuen Stellen durch den Fastfood-Konzern MacDonalds passt ebenfalls ins Bild: der Crack-up-Boom (CuB) ist auch in den USA angekommen.

Man könnte also mit den Worten des Investmentbankers in dem altbekannten Sketch des britischen Komiker-Duos Bird & Fortune über die Subprime-Krise sagen: „We are back to happy days again.“ Angesichts explodierender Staatsschulden, steigender Inflationsraten, eines äußerst geringen Problembewusstseins aller Beteiligten und der Apathie des Publikums halten wir es jedoch eher mit Wilhelm Busch: „Aber wehe, wehe, wehe, wenn ich auf das Ende sehe!“ Bis dahin bleiben die Märkte jedoch im Bullenmodus.

via Smart Investor Smart Investor Weekly.

Print Friendly, PDF & Email

 

Schlagworte:

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.