Japan: Harakiri und Kamikaze als Währungssport

5. November 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Harakiri ist nicht unbedingt die gesündeste Sportart. In Japan aber hat sie Tradition. Dabei enden Harakiri und Kamikaze mindestens so final wie das Ende von Nippons Währung. Im Land der aufgehenden Sonne geht deren Währung geplant und gewollt unter. Wir hier sind später dran…

Dieser monetäre Selbstmord des Yen als Rettung des Landes ist penibel geplant. Auf der Klinge steht wie heute überall: „Eine schwache Währung ist eine gute Währung“. Das plärren die Wirtschaftsexperten täglich in den Äther. Und was in Japan gut ist, ist in Russland angeblich schlecht. Aber das ist ein anderes Thema. Vielleicht hat Venezuela gerade die schwächste Währung. Wahrscheinlich ist es derzeit nicht das stärkste Land. Komisch.

Schwache Währungen lösen Probleme

Dieser Satz von der Kanzel der Wirtschaftswissenschaftler gilt inzwischen als unumstößliche Wahrheit wie Psalme aus dem Alten Testament. Japans Sparer sollten demnächst ihr Testament machen und ihre Ersparnisse in etwas Taugliches tauschen. Wir kommen später hinterher. Und so schreitet man in Japan zentral geplant zur Tat. Wie erfolgreich man damit schon geworden ist, zeigt der folgende Chart…

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Binnen einer Woche hat sich der Yen um fünf Prozent gegenüber dem Dollar verbilligt. Gegenüber dem Euro ist er „nur“ um 3,5 Prozent gefallen, aber der Euro hat ja auch die staatlich verordnete Kaufkraft-Seuche.

Interessant ist, dass sich der Goldpreis in Yen stabil zeigt, obwohl vom Gold derzeit nur Schlechtes zu hören ist…

Nach Venezuela, Argentinien und der Ukraine sieht man die Funktion des Goldes nun in einem vierten Land binnen kurzer Zeit. Zu mehr als Wertspeicher taugt Gold wirklich nicht, auch wenn Sie anderes lesen sollten und wollen. Ach, ich wiederhole mich.

Vielleicht ist es ja ganz vorteilhaft, dass Japan so weit weg von uns ist. So können wir mit dem Fernglas schauen, wenn etwas scheitert, weil so etwas erstaunlicherweise am Ende immer gescheitert ist. Wie schon beim Unfall in Fukushima kann man aus der Ferne betrachten, wenn Murphys Gesetz Bestätigung findet, wenn das schief geht, was schief gehen kann. Die Radioaktivität benötigte eine gewisse Zeit, um auch in Europa gemessen zu werden. Bei globalen Finanzmärkten geht das etwas schneller.

„Abenomics“

Mit Shinzo Abe als Ministerpräsident stand plötzlich ein Hoffnungsträger an Nippons Spitze. In solchen Momenten werden Begriffe geboren wie der der „Abenomics“, was sinngemäß und politisch unkorrekt übersetzt „Yen-Mörder“ heißt.

Eine seiner ersten Amtshandlungen war der Griff zum Telefonhörer, um dem Notenbankchef seine Pläne mitzuteilen. Es hieß, er setzte ihm die Pistole auf die Brust bzw. die Klinge an die Kehle, sollte er sich seinem Spiel verweigern. Harushiko Kuroda gehorchte und stimmte die Welt auf eine Zerstörung der japanischen Währung als Rettung ein.

Vielleicht wird er das später bereuen, wenn neben dem Begriff „Währungsreform in Japan“ in Wikipedia er für die Ewigkeit als Symbol dort stehen wird. Er könnte sich dann in einem bestimmten Neigungswinkel seinen Oberkörpers bei den Sparern entschuldigen und als Notenbankchef Ahnungslosigkeit vortäuschen.

Kurodas Option wäre eine Verstaatlichung der ach so unabhängigen Notenbank gewesen, heißt es. Wäre das nicht der richtige Schritt gewesen? So aber wird sich Kuroda verneigen müssen und wie Erich Mielke sagen, dass er doch alle liebe… Nur seinen Job noch etwas mehr. (Seite 2)



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