Japans Harakiri zur Eurorettung

11. Januar 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Frank Meyer

Der Euro, der offiziell keine Hilfe nötig hat, bekommt Unterstützung aus Japan. Was für eine Schlagzeile! Kein Tag ohne „überraschende Überraschungen“. Die Finanzmärkte sind inzwischen wesentlich bunter und abwechslungsreicher als das Fernsehprogramm. Doch die Leute schauen lieber fern, denn das mit den Finanzen versteht man ohnehin nicht mehr, und auch nicht, was da läuft. 

Vielleicht ist das besser so, hält es doch so manche kollektive Entrüstung im Zaum. Es sind grandiose Zeiten für Journalisten, Historiker und Komödianten. Es hält sie morgens kaum im Bett, denn die neuen Schlagzeilen des Tages warten bereits. Nicht dass sie schön wären, nein, nur interessant – und ein tägliches Unterhaltungsprogramm in einem Meer aus Geschrei und Glaskugeln. Sie hätten sich bereits totgelacht, wenn viele von den Schlagzeilen nicht so traurig wären.

Japan rettet den Euro, so eine der Schlagzeilen am Morgen. Ist das nicht eine großartige Nachricht? Da steht man doch gerne auf. Ich stelle mir das so vor: Der überschuldete Nachbar geht in den Keller und wirft den Farbkopierer an, um die Zettel dann gegen die Zettel aus meinem Farbkopierer zu tauschen, die ich über Nacht in meinem Keller hergestellt habe. Und beide schauen wir am Vormittag aus dem Fenster und lachen sich schlapp.

Dem Euro war das einigermaßen gleichgültig.

So in etwa sollte/könnte/dürfte/müsste man sich die Sache mit der „Rettung“ des Euro vorstellen: Japan will  frisch gepresste europäische Staatsanleihen aufkaufen. Ausgerechnet die Japaner. Handelt es sich hierbei schon um „Eurobonds“, über deren Einführung gerade so heftig gestritten wird? Eigentlich ja. Und die Frage ist doch auch, ob der Euro überhaupt in Schwierigkeiten steckt. Politiker behaupten das manchmal. Und sie sagen auch das Gegenteil davon, je nach Interessenlage oder Mondstand. Und dann muss er doch wieder gerettet werden – dieses Mal von Japan. Verwirrend. Es hat doch wieder seine guten Seiten, wenn man von all dem nichts versteht. Ein Massensyndrom – eines der angenehmen. Man versteht ja auch nicht, warum die Bahn zu spät kommt, die Flüsse steigen und manche Volksaktie nicht auf die Beine kommt.

Ein Euro. Was ist das? Soweit in Erfahrung zu bringen war, das, womit man seine Dinge bezahlt, Papier und elektronische Verrechnungseinheiten, wonach sich die meisten Leute sehnen und viele Anstrengungen in Kauf nehmen, um diese zu bekommen. Was ist so ein Euro wert? Keine Ahnung. Vermutlich nichts, sucht man nach seinem inneren Wert. Vermutlich ist auch der amerikanische Dollar und der japanische Yen nicht besser dran. Solange es aber ein Tauschverhältnis den einen gegen den anderen gibt, bleiben die Dinge im Lot. Die japanischen Rettungsbemühungen um den Euro sind vielleicht nur der Versuch, die Verhältnismäßigkeit aufrecht zu halten. Mehr nicht. Und nicht weniger. Zumindest hat diese Schlagzeile Staub aufgewirbelt. Und dann hat sie dem Autor dieser Zeilen wieder mal den Tag mit Heiterkeit gerettet.

Frank Meyer

 

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2 Kommentare auf "Japans Harakiri zur Eurorettung"

  1. rolandus sagt:

    „“Doch die Leute schauen lieber fern, denn das mit den Finanzen versteht man ohnehin nicht mehr, und auch nicht, was da läuft.““

    …hinzu kommt dann meistens noch die Haltung „geizig mit Groschen und dumm mit Schecks“, wenn man mal so beobachtet, wie bei Trinkgeldern gern gerechnet wird.

    Schön Gruß ins Ried
    rolandus

  2. Optimist sagt:

    Hier erfolgt ein Austausch zwischen Viren und Bakterien.

    (Rest vom Blogwart gelöscht)

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