Japan, ein Land gerät ins Schlingern

2. März 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Bankhaus Rott) Das waren noch Zeiten! Die Brötchen kostete 5 Pfennig und Japan war auf dem Weg zur wirtschaftlichen Supermacht. All das ist eine Weile her. Den Pfennig gibt es schon lange nicht mehr und Japan meldete für das vergangene Jahr das erste Handelsbilanzdefizit seit 30 Jahren. Im Januar ging es dann weiter bergab …

Das Defizit im japanischen Außenhandel lag für das Jahr 2011 bei 32 Milliarden US-Dollar. Probleme gab es auf beiden Seiten des Außenhandels. Während die Importe massiv anstiegen (+12%) konnten die Exporte nicht einmal das Vorjahresniveau halten und sanken um 2,7%. Für einen Großteil des Exportanstiegs werden das Erdbeben und die folgende Reaktorkatastrophe in Fukushima verantwortlich gemacht. Das ist nachvollziehbar, denn die ohnehin starke Abhängigkeit der Japaner von Energieimporten hat sich seither deutlich verstärkt. Ein Problem übrigens, das die Japaner mit den Europäern teilen. In beiden Wirtschaftsräumen wird diese Importsucht in den kommenden Jahren noch starke Schmerzen verursachen.

Seitens der Exporte fällt der teils mehrwöchige Produktionsausfall in großen Unternehmen durch die Stromverknappung sicher ins Gewicht. Diese Schwierigkeiten der Versorger erklären jedoch nicht die anhaltende und seit Monaten sogar zunehmende Schwäche bei den Ausfuhren. Der Einbruch im vergangenen Januar liegt fast im zweistelligen Prozentbereich und darf durchaus als massiv bezeichnet werden.

Über der Pazifikinsel breiten sich nach mehr als zwanzig Jahren Wirtschaftskrise offensichtlich erneut dunkle Wolken aus. Die Abhängigkeit von Gas- und Ölexporten stellt gerade im Hinblick auf die globalen Spannungen ziemlich dünnes Eis da. Viereinhalb Millionen Barrel Rohöl importiert Japan pro Tag – das sind rund eine Million Fässer mehr, als alle südamerikanischen Staaten zusammen pro Tag exportieren. Bei den Energieträgern Kohle und Gas sieht die Lage noch schlimmer aus, der Konsum steigt bei beiden deutlich schneller als beim Öl. Nennenswerte Reserven – Fehlanzeige… (Seite 2)

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2 Kommentare auf "Japan, ein Land gerät ins Schlingern"

  1. crunchy sagt:

    Nach positiven wie negativen Erfahrungen mit japanischen Aktien, warte ich nun schon seit Jahren auf die Green Shoots, die in Japan von anderen immer wieder gesehen werden. Ich glaub´ich geb´s auf.
    Da hat u.a. eine katastrophale Notenbankpolitik zu Beginn der Krise, gefolgt von verschwenderischer Staatshilfe in die direkte Abhängigkeit vom Erzfeind China geführt. Irgendwie wiederholt sich der Schlamassel gerade auf der anderen Halbkugel, mit nur einem Unterschied: Die Notenbanker und die Politiker meinen sie hätten ja noch nicht soviel ausgegeben und könnten noch retten, retten und wieder retten. Sind die noch zu retten?
    Ich dachte, ich hätte Geld in Gold und Silber nur geparkt. Jetzt weiss ich: Es ist gerettet!

  2. […] Rott & Meyer: Japan, ein Land gerät ins Schlingern […]

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