Japan: Die Geister des billigen Geldes. Deutschland: Im Schraubstock

25. April 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

vom Smart Investor – Seit geraumer Zeit warnen wir vor den Belastungen, die insbesondere auf die deutsche Wirtschaft zukommen. Zum einen ist da die zunehmende Überforderung bei der letztlich aussichtslosen Dauer-„Rettung“ der Krisenvolkswirtschaften des Euroraums…

Zum anderen verstärkt eine aggressive japanische Geldpolitik über die Abwertung des Yens den Druck auf die deutschen Paradebranchen (Auto, Chemie, Maschinenbau) Das zeigt sich mittlerweile auch in der Realwirtschaft: Es kommt also nicht von ungefähr, dass Daimler seine Gewinnprognose für das laufende Jahr kassiert hat. Der Umsatz ging im ersten Quartal zwar nur leicht zurück, der Gewinn aber brach auf etwa die Hälfte des Vorjahreswertes ein. Neben hausspezifischen Besonderheiten, wie Modellwechseln margenstarker Serien, deuten derartige Zahlenkombinationen auf Preiszugeständnisse des Herstellers hin. Damit bestätigt das Stuttgarter Vorzeigeunternehmen unsere skeptische Haltung gegenüber zyklischen Titeln. In dieser Gemengelage passt es wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge, dass sich auch der heute veröffentlichte ifo-Geschäftsklimaindex mit einem Rückgang auf 104,4 Punkte weiter eingetrübt hat.

Japan in der Badewanne

Ganz anders dagegen das Bild der schwer angeschlagenen japanischen Volkswirtschaft. Dort wurden bekanntlich auf Geheiß der Regierung die Geldpressen angeworfen, was uns schon in Smart Investor Ausgabe 2/2013 zu einer Titelstory über die japanische Supernova animierte.

An den Fakten hat sich seither wenig geändert. Lediglich der noch halbwegs gemäßigte, bisherige Bank-of-Japan-Chef (BoJ) Shirakawa wurde durch Haruhito Kuroda ersetzt – ein Anhänger einer äußerst lockeren Notenbankpolitik.

Die weitere geldpolitische Linie ist damit noch klarer vorgezeichnet und lautet: Inflationieren um jeden Preis. Daran ändern auch zwischenzeitliche Tippelschritte der BoJ nichts. Die Folge dieser Politik sind eine massive Abschwächung des Yen und ein beispielloser Aktienboom. Der Frage übrigens, warum dieser Bullenmarkt perspektivisch noch immer in den Kinderschuhen steckt, widmen wir uns im aktuellen Smart Investor 5/2013. Zudem haben wir einige besonders aussichtsreiche Titel der unter monetären Volldampf gesetzten „Japan AG“ für Sie herausgesucht. Zumindest ein Zusammenhang soll schon hier skizziert werden: In dem Maße, wie die japanische Notenbank Staatsanleihen vom Markt kauft, kommen nicht nur frische Yen in die Welt, es schrumpft auch das Angebot an inländischen Anlagemöglichkeiten.

Ein verknapptes Angebot führt – zumal bei rasch vermehrter Geldmenge – fast zwangsläufig zu steigenden Preisen. Dies gilt in besonderem Maße, wenn dieses Missverhältnis nicht nur die Folge kurzfristiger Marktverwerfungen ist, sondern wenn es – wie derzeit in Japan – planmäßig herbeigeführt wird. Die Beschleunigung, die an den Aktienmärkten sichtbar ist, kann durchaus mit der Beschleunigung an der Oberfläche einer Badewanne verglichen werden, bei der der Stöpsel gezogen wurde. Obwohl weiter massiv Wasser in die Wanne eingelassen wird, kommt man letztlich dem Ausguss mit steigender Geschwindigkeit (= steigende Preise) immer näher.

Der reale Wohlstand (Pegel) nimmt bei diesem Prozess kontinuierlich ab. Am Ende eines solchen Crack-Up-Booms – das derzeit allerdings noch in einiger Entfernung liegt – geht das Inselreich dann ökonomisch buchstäblich baden. In der Zwischenzeit eröffnet der so angefachte Crack-Up-Boom allerdings die wohl interessantesten Investitionschancen überhaupt („steigende Geschwindigkeit“). Die Blaupause für das Vorgehen der Regierung Abe scheint der „Takahashi-Plan“ aus den 1930er Jahren zu sein, der nach mehrjähriger Scheinblüte in einem Desaster endete.

Starker Nikkei, weicher Yen

Das Ergebnis der japanischen Politik ist die beschriebene Aufspreizung der Entwicklung zwischen Nikkei-Index und Yen-Wechselkurs.

Für den Anleger ist das insofern ein Dilemma, als er zwar einerseits vom positiven Verlauf des Nikkei profitieren will, aber andererseits die schwache Entwicklung der Währung diesem Wunsch zuwiderläuft. Verschiedene Varianten der Absicherung sind gebräuchlich: Der im Fondsmusterdepot enthaltene iShares MSCI Japan Monthly EUR Hedged (WKN A1H 53P) praktiziert beispielsweise ein „Abhedgen“ der Aktienposition und neutralisiert damit die Währungskomponente. Ein derartiges Abhedgen erfolgt regelmäßig über Futures. Im Privatbereich sind auch die teureren Optionsscheine gebräuchlich. Größere Positionen können aber beispielsweise auch direkt durch einen dagegenstehenden Yen-Kredit neutralisiert werden. Bewegt sich die Währung, verändern sich sowohl Aktivposition (Aktien) als auch Passivposition (Kredit) in gleicher Richtung..

Fazit
Das japanische Experiment ist in vollem Gange. Während die Aktien steigen, bleibt die Währung auf Talfahrt. Daran ändern auch kleine Tippelschritte der Notenbank, wie sie für diesen Freitag erwartet werden, nichts. Wer einmal die Geister des billigen Geldes rief, der wird sie nicht mehr los.

Ralf Flierl, Ralph Malisch – Homepage vom Smart Investor

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