„Janet… hier ist Bill…“

19. Dezember 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Bill Bonner

Was für ein großer Tag. Die Fed hat also eine historische Ankündigung gemacht. Sie will damit beginnen, die Zinssätze „zurück zur Normalität“ zu bringen. Einen Tag vor der Entscheidung hatte ich mir zu dem Thema Gedanken gemacht. Spät am Abend vor der Fed-Sitzung entschied ich mich dazu, mir einen Insider-Exklusivbericht zu besorgen…

Und so lief das in meiner Phantasie ab…

Das Gewicht der Welt

„Yo… Janet. Hier ist Bill.“

„Entschuldigen Sie… wie sind Sie an diese Nummer gekommen?“

„Ich habe die NSA gefragt. Die haben jede Nummer.“

„Es tut mir leid… aber ich muss auflegen. Morgen ist ein großer Tag für mich.“

„Japp… das ist der Grund, wieso ich mit Ihnen sprechen wollte. Ich sympathisiere absolut mit Ihnen.“

„Bitte was?“

„Sie müssen das Gewicht der Welt auf Ihren Schultern spüren. Ihre Entscheidungen werden die Wirtschaft des kompletten Planeten beeinflussen. Spekulanten werden reich… oder sie verlieren ihr letztes Hemd. Unternehmen werden florieren… oder Pleite gehen. Jobs werden gewonnen… oder verloren. Leben werden dadurch beeinflusst werden… einige davon auf verheerende Weise.“

„Wir machen nur unseren Job.“

„Jawohl… und egal, was Sie machen werden…einige Menschen werden motzen. Ob es nun einen Bärenmarkt oder eine Rezession geben wird… sie werden Ihnen die Schuld geben. Das ist nicht fair, oder?“

„Nun… wir werden unser Bestes geben.“

„Ja… und wer würde bestreiten, dass Sie einen hervorragenden Job gemacht haben? Ihre Strategien bei den Zinssätzen haben geholfen, so etwas wie eine Erholung zu bringen. Das verdanken wir Ihnen. Wenn Sie den Markt die Zinssätze hätten festlegen lassen, hätte es ein Desaster werden können. Stattdessen aber haben Sie es besser gewusst… Wie Ben Bernanke es ausdrückt, hatten Sie ‚die Courage zu handeln`. Und es hat sich ausgezahlt.“

„Ich habe Angst, dass ich gehen muss.“

„Aber… Ihre Zinsstrategie war so erfolgreich, dass ich nicht anders kann, als mich zu fragen: Wieso jetzt damit aufhören? Ich meine, Sie haben demonstriert, dass sie die Zinssätze besser wählen können, als der Markt; wieso sollten sie zurück wollen zu…“

„Bedenken Sie, dass es eine Notfallstrategie war. Das sollte niemals permanent bleiben. Ultra-niedrige Zinssätze haben geholfen, eine Erholung zu bringe. Aber sie können auch für Verzerrungen sorgen.“

„Also das ist der Grund, wieso Sie zurück zur ´Normalität´ gehen müssen, oder?“

„Richtig…“

Spezielle Bedingungen

Nach einer unbehaglichen Pause ging die Konversation weiter…

„Aber hat eine normale Wirtschaft keine Rückschläge? Sind Rezessionen nicht normal? Sind Bärenmärkte nicht normal? Und sind das nicht eben jene Dinge, die Sie zu vermeiden versuchen?“

„Nun, wir passen unsere Strategien an die eingehenden Daten an…“

„Das meine ich ja. Was ist wenn die Daten negativ werden, oder bitter oder unbequem?“

„Wir glauben, dass die Erholung ausreichend etabliert ist, um ein Umfeld für höhere Zinssätze zu unterstützen.“

„Hm…diese Null-Zinsen gab es nun schon so lange. Ich habe heute Abend gelesen, dass es viele Menschen an der Wall Street gibt, die noch nie während ihrer Karriere eine Zinssatzerhöhung erlebt haben. Es gibt eine Generation von Investoren, die noch nie einen Bärenmarkt bei Anleihen erlebt haben. Und es gibt zwei Generationen von Investoren, die noch nie eine echte Kreditkontraktion erlebt haben.“

„Ich wundere mich nur“, fügte ich hinzu. „Aber McKinsey brachte kürzlich eine interessante Diskussionsschrift raus. Da wurde berichtet, dass es in der heutigen Welt 57 Billionen Dollar mehr Schulden gibt als im Jahr 2008. Das hat die globale Schuldenrate, im Verhältnis zum BIP, um 17 Prozentpunkte angehoben – ein ganz schöner Schritt nach oben!“

„Und all das erwuchs, entwickelte und entfaltete sich unter sehr speziellen Bedingungen… in denen Geld zu Raten nah bei null erreichbar war. Es gibt Studentenschulden, Autoschulden, Gemeinschaftsschulden und Staatsschulden – und sie alle sind nun von diesem Milieu abhängig, um zu überleben.“

„Ja, es wird einige Anpassungen geben müssen, wenn wir unser Ziel von einer maximalen Beschäftigungsquote und Kursstabilität erreichen wollen. Aber wir werden ein genaues Auge auf unser Indikator-Dashboard halten und angemessene Maßnahmen treffen, falls das nötig wird.“

„Aber welche Maßnahmen können Sie ergreifen? Alles was Sie tun können, ist umkehren. Wie die Japaner. Die Israelis. Und die Schweden. Alle haben versucht, zurück zur Normalität zu kommen mit ihren Zinssätzen. Und alle waren gezwungen, zurück zu den Zinskürzungen zu kommen, weil ihre Wirtschaft schwächelte.“

Fortsetzung folgt…
Quelle: Kapitalschutz Akte
 „Janet… hier ist Bill…“(von Bill Bonner)
Weitere Informationen: Investor Verlag

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