Jahrhundertkrise – Jahrhundertchancen…

24. September 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Andreas Hoose

Ein tiefgreifender Vertrauensverlust in unser Wirtschafts- und Finanzsystem, wie er sich für die kommende Dekade abzeichnet, wird unser Leben so nachhaltig verändern, wie kein Ereignis seit dem Zweiten Weltkrieg…

Allmählich dämmert auch den hartnäckigsten Realitätsverweigerern, dass die Finanzmarktkrise weit davon entfernt ist, sich in Wohlgefallen aufzulösen. Die Phase seit dem bisherigen Höhepunkt der Ereignisse mit der Lehman-Pleite im Herbst 2008 war aufwühlend und turbulent – aber vermutlich nichts im Vergleich zu dem, was nun unmittelbar vor uns liegt…

Was bei unseren Prognosen der vergangenen Dekade auffällt: Oftmals waren wir unserer Zeit damit weit voraus. Beispiel Edelmetalle: Als wir um die Jahrtausendwende bei Goldkursen von rund 250 US-Dollar je Feinunze auf breiter Front zum Einstieg bei Gold und Silber geraten haben, da wurden wir nur müde belächelt. Technologie- und Internet-Aktien waren seinerzeit die großen Renner an der Börse. Und Gold war nur etwas für „Spinner“.

Nur wenige Monate später löste sich der gesamte „Neue Markt“ in Luft auf. Auf der ganzen Welt erlebten Technologieaktien ein beispielloses Desaster – während unbemerkt von der Öffentlichkeit eine Goldhausse startete, die nach einer längeren Konsolidierungsphase zwischen Sommer 2011 und Januar 2016 in diesen Tagen wieder Tritt fasst.

Warum dies erst der Anfang ist, verdeutlicht ein Blick auf die allgemeine Lage:

Längst hat sich herumgesprochen, dass unser ungedecktes Papiergeldsystem in allergrößten Schwierigkeiten steckt. Weil die Probleme, die durch zu viel Geld entstanden sind, nicht durch noch mehr Geld verschwinden werden, und weil darüber hinaus immer offensichtlicher wird, dass die Notenbanken den „schönen Schein“ nur noch mit größter Mühe aufrechterhalten können, breitet sich rund um den Planeten ein Phänomen aus, das man mit einem „allgemeinen Bewusstseinswandel“ umschreiben könnte.

Folgendes lässt sich dabei beobachten: Weil die Notenbanken zur „Rettung“ der bestehenden Strukturen gezwungen sind, immer drastischere Maßnahmen zu ergreifen, demaskieren sie sich Schritt für Schritt selbst. Je dramatischer die künstlichen Eingriffe werden, denken Sie etwa an „Helikoptergeld“, Bargeldverbote oder Negativzinsen im ganz großen Stil, desto stärker wird sich dieser Prozess beschleunigen.

Im Zuge dessen werden immer mehr Menschen das Spiel durchschauen, das Medien, Politik und Zentralbanktechnokraten uns präsentieren. Es ist deshalb nur noch eine Frage der Zeit, bis das Vertrauen der Menschen in das aktuelle Geldsystem in sich zusammenbricht. Und erst dann beginnt die ganz große Stunde der Edelmetalle…

Die Politik bestimmt den Takt…

Wer daher die künftige Entwicklung der Kapitalmärkte zutreffend beurteilen möchte, der muss sich vorrangig mit dem politischen Geschehen beschäftigen. Denn was in Brüssel, Berlin und Washington, was von Fed und EZB eingerührt wird, das hat schwerwiegende Konsequenzen. Für die Aktienmärkte, aber auch für Anleihen, Rohstoffe und Immobilien.

Und nicht zuletzt für unser Geldsystem und damit für unseren Alltag: Ein tiefgreifender Vertrauensverlust in unser Wirtschafts- und Finanzsystem, sowie insbesondere in die Politik der so genannten „Währungshüter“, wie er sich für die kommende Dekade abzeichnet, wird unser Leben so nachhaltig verändern, wie kein Ereignis seit dem Zweiten Weltkrieg. Denken Sie etwa an Banken und Versicherungen, aktuell ganz besonders an die Deutsche Bank, über der längst das Damoklesschwert der Verstaatlichung baumelt – oder auch an die Sozial- und Rentenkassen.

Die früher bedeutende Analyse von Konjunktur- und Wirtschaftsdaten, aber auch von Aktienmarktentwicklungen, tritt demgegenüber immer stärker in den Hintergrund, weil diese Daten im Sinne der politischen Akteure „zurechtgebogen“ werden und nur noch sehr eingeschränkte Aussagekraft haben. Für Trader muss das kein Nachteil sein, denn in dieser Disziplin interessiert es nicht, wer, warum welche Wirtschaftsdaten manipuliert hat. Das aber nur am Rande.

Krieg = „Wachstum“

Global betrachtet ergibt sich im Herbst 2016 folgendes Bild: Die Profiteure des aktuellen Schuldgeldsystems werden weiterhin versuchen, soviel Kredit wie möglich in die Welt zu bringen. Dies dient unter anderem dem Ziel, soviel leistungslosen Zinsertrag wie möglich zu „erwirtschaften“. Immer mehr Schulden sollen dabei die Illusion von „Wachstum“ erzeugen.

Wohin das führt, und zwar global betrachtet, das zeigt beispielhaft die Entwicklung der Staatsschulden in den USA in der folgenden Abbildung. Wir halten fest: Der in Kürze aus dem Amt scheidende US-Präsident Barack Obama hat mehr Schulden angehäuft als alle seine Vorgänger zusammen.

 

usa-staatschulden

„Messias“ Barack Obama hat mehr Schulden gemacht als alle US-Präsidenten vor ihm zusammen…

Um sicherzustellen, dass dieses „Geschäftsmodell“ immer weiter ausufernder Schuldenberge möglichst lange bestehen bleibt, werden etwa in den USA regelmäßig Zinserhöhungsmärchen in die Welt gesetzt, um die Menschen zu täuschen und eine konjunkturelle Erholung zu signalisieren, die es in Wahrheit nicht gibt. Doch ohne Wachstum kollabiert das System.

Größtes Risiko für die kommenden Jahre ist deshalb die militärische Option: Ein globaler Krieg mit den damit verbundenen Militärausgaben wäre gleichbedeutend mit einem riesigen „Konjunkturprogramm“. Vor einem Krieg (Aufrüstung), währenddessen (Herstellung und Ersatz von Kriegsgerät) und ganz besonders hinterher (Wiederaufbau) werden gigantische Kreditbeträge benötigt.

Durch ihre enge Verstrickung mit der Rüstungs- und der Finanzindustrie wäre eine US-Präsidentin Hillary Clinton aus Sicht der handelnden Akteure daher die ideale Besetzung für den Posten im Weißen Haus.

„Neue Weltordnung“ in Gefahr…

Gleichzeitig wächst jedoch aus Sicht der Eliten das Risiko, dass diese Zusammenhänge nicht länger im Verborgenen gehalten werden können. Schon vor geraumer Zeit hatte der US-amerikanische Sicherheitsberater Zbigniew Brzeziński eingeräumt, die größte Gefahr für die Pläne einer „New World Order“ nach den Vorstellungen der selbst ernannten Weltherrscher seien aufwachende Menschen. Heute sei es einfacher, so sagt es Brzeziński, „eine Million Menschen zu töten, als eine Million Menschen zu kontrollieren“.

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Brzeziński, Mitbegründer der einflussreichen Trilateralen Kommission, hat das vollkommen richtig erkannt. In der Folge wird nämlich auch das zinsbasierte Schuldgeldsystem auf den Prüfstand kommen. Und damit das Geschäftsmodell der weltweit agierenden Finanzmafia…

Doch bevor das bestehende Geldsystem zugunsten eines neuen und besseren Modells abgeschafft wird, ist davon auszugehen, dass die bekannten Akteure versuchen werden, die bestehenden Strukturen irgendwie zu „retten“. In diesem Zusammenhang könnte (!) man auf die Idee kommen, die im Jahr 1971 aufgegebene Goldbindung des Dollar an das Gold wiederzubeleben.

Selbstredend würde das zunächst zu einer schweren Anpassungskrise mit steigenden Zinsen und einer weltweiten Rezession führen. Auf längere Sicht hätte eine Bindung des US-Dollar an den Goldpreis jedoch einige Vorteile, allen voran einen besonders wichtigen: Das erodierende Vertrauen in den US-Dollar als Weltleitwährung könnte zumindest vorübergehend stabilisiert werden. Nach den Erfahrungen der Vergangenheit müsste man allerdings davon ausgehen, dass auch dies nicht von Dauer wäre.

Besonders interessant sind diese Entwicklungen mit Blick auf die Edelmetallmärkte:

Während der Sommerpause meldeten sich prompt diverse „Edelmetallbären“ zu Wort. Der jüngste Einbruch bei Gold und Silber werde eine Trendwende einleiten, so war es bis weit in den September hinein vermehrt zu vernehmen.

Tatsache ist, dass insbesondere die Aktien der Gold- und Silberproduzenten seit Jahresanfang alle anderen Anlageklassen weit hinter sich gelassen haben. Sieht man sich die jüngste Aufwärtsbewegung in dem Sektor einmal etwas genauer an, dann fällt auf, dass besagtes Phänomen einer vermeintlichen „Trendwende“ in diesem Jahr schon mehrfach auf der Agenda gestanden hatte.

Besonders gut sichtbar wird dies auf dem Point & Figure Chart. Die folgende Abbildung zeigt, dass der Goldminenindex HUI seit Jahresbeginn 2016 in der Standardeinstellung zwischen Jahresbeginn und Mitte September 2016 mindestens 18 (achtzehn!) potenzielle Trendwendesignale ausgebildet hat.

Achten Sie auf die roten Rechtecke. Wer da jeweils aus- und wieder eingestiegen ist, der dürfte mit seinen Minenaktien trotz des enorm starken Bullenmarktes seit Jahresbeginn wenig Freude gehabt haben:

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Kurzfristig agierende Trader raufen sich die Haare: In einem enorm starken Bullenmarkt hat der Minenindex HUI zwischen Jahresanfang und Mitte September 2016 mindestens 18 (achtzehn!) potenzielle Verkaufssignale ausgebildet…

Kalkuliert man für Transaktionskosten und Gebühren jeweils drei Prozent, und berücksichtigt weiterhin, dass man die Hoch- und Tiefpunkte einer Bewegung nicht ganz genau erwischt, dürfte für einen sehr aktiven Trader unterm Strich trotz eines Anstiegs des Minenindex HUI um stattliche 144 Prozent seit Jahresanfang so gut wie nichts (!) übriggeblieben sein. Denn drei Prozent multipliziert mit bis zu 36 möglicherweise notwendigen Transaktionen für Kauf und Verkauf ergibt rund 108 Prozent. Wer darüber hinaus erst im Februar bei rund 122 Indexpunkten im HUI eingestiegen ist (blaue Markierung in der folgenden Abbildung), der hat vom Tief bei 100 Punkten zusätzliche 20 Prozent liegengelassen.

Das passt hervorragend zu der unter Börsianern bestens bekannten „Bullenlehre“, wonach die schwachen Hände schon zu Beginn einer Aufwärtsbewegung zuverlässig abgeworfen werden. Das jüngste potenzielle Kaufsignal wurde übrigens am Mittwoch dieser Woche geliefert (grüne Markierung in der Abbildung oben). Natürlich kann man dieser Stelle einwenden, dass die blaue Aufwärtstrendlinie bislang nicht angetastet wurde. Das stimmt. Aber wer unter den aktiven Tradern hat die Nerven, einem Rücksetzer bis in diesen Bereich untätig zuzusehen? Eben.

Nach den Erfahrungen der zurückliegenden Monate bietet es sich an, einmal darüber nachzudenken, ob es nicht klüger wäre, den Bullenmarkt einfach zu „reiten“ anstatt sich alle Nase lang abwerfen zu lassen. (Seite 2)

 

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Ein Kommentar auf "Jahrhundertkrise – Jahrhundertchancen…"

  1. FDominicus sagt:

    In einer neuen WWK II und sich daraus ergebenen Kriegen werden alle verlieren. Ich kann nur hoffen die Verursacher trifft es diesmal am härtesten. Wenn Sie durch Ihr Gewaltmonopol ermordet werden, ergreifen Sie auch keine Chancen mehr.

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