Jahresrückblick 2016: Das Jahr der/des Affen (1)

6. Januar 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Kaum hatte das neue Jahr angefangen, war es auch schon wieder zu Ende. Warum, das erkläre ich im Laufe des Jahres. Allerhöchste Zeit für unseren ultimativen Jahresrückblick 2016. Laut chinesischen Kalender stand es im Zeichen des/der Affen. Es wurde seinem Ruf wirklich gerecht. Doch der Reihe nach…

Man weiß gar nicht, wo man anfangen soll in Zeiten, wo Satire die Realität überholt und man das eine nicht mehr vom anderen unterscheiden kann. Die meisten Schlagzeilen lieferte wieder mal das Wetter… und die Bahn…

Ausgeheizt!

Der Winter diesmal fiel wie immer auf einen Freitag. Dieser endete nie. Nachdem der letzte Dezember fünf Grad zu warm war, schickte Putin aus Russland ein Kälte-Hoch nach dem anderen – und das, obwohl die EU die Importverbote erneuert hatte. Russisches Wetter hatte man übersehen.

„Bild“ schrieb, Putin habe Europa den „Wetter-Krieg“ erklärt. Die müssen es ja wissen, denn normalerweise spricht „Bild“ ja immer zuerst mit der Leiche. Zudem lieben die Medien extreme Dinge und wollen dabei die Bevölkerung wie der Innenminister nicht unnötig verunsichern. Putin hat offenbar immer die passenden Antworten. Wenn er ausnahmsweise mal die Wahrheit sagte, so ein ZDF-Reporter, hat er auch gelogen.

Schweden wurde vom Packeis verschlungen und gilt nach wie vor als vermisst. Die EU erklärte die Meteorologie zur „dunklen Kunst“ und richtete einen eigenen Wetterdienst ein. Temperaturen unter Null Grad wurden offiziell verboten wie Glühlampen und Rezessionen. Die Meteorologen lieferten aus Protest ihre Temperaturen nur noch als „gefühlt“ aus. So erlebte Berlin bei gefühlten -36 Grad in etwa das, was ein Tiefkühlhühnchen fühlt, wobei es im Gegensatz zu Berlinern dann nicht mehr gackert. Rechnet man die eisige Kälte in der Parteienlandschaft noch hinzu, erlebte die Hauptstadt einen Kälterekord nach dem anderen. Die warmen Worte aus den Parteizentralen gefroren im Handumdrehen in Gefrierblasen, die von der Stadtreinigung mühsam entsorgt werden mussten.

Vor allem die Autofahrer zeigten sich überrascht. Einen Winter im Winter war nicht absehbar, quietschten die Sommerreifen kältestarr vor sich hin. Bei -20 Grad, gefühlt -40, war der stündlich ausgestrahlte ARD-Brennpunkt der einzige Platz, an dem man sich zumindest geistig wärmen konnte, wenn man denn überhaupt noch Fernsehempfang hatte. Gegen die Kältewelle kämpfe auch die EZB mit fünf Zinssenkungen an. Volkswagen manipulierte die Diesel-Abgaswerte diesmal nach oben. Eiskratzen wurde olympische Disziplin. Aus der Eisenbahn wurde die Eisbahn. Eisverkäufer verkauften Grog. Eisleben fiel in den Dauerschlaf. Was aus Eis-enhüttenstatt wurde, weiß niemand. Eiswein erwies sich als unverkäuflich.

Mitte Juni beendete die Kanzlerin die Eiszeit, denn die Fussball-Europameisterschaft stand an. Wie schaffte sie das nur? Im „Merkel-Sommer“ überzogen dann Griechenland und Italien Europa mit unendlich langen Hitzewellen. Mancher vermutete dabei eine späte Rache der Südländer für die vermeintlichen Spar-Orgien. Die Hitze wurde direkt in Afrika erworben und aus dem auf sieben Billionen aufgestockten ESM-Rettungsschirm bezahlt. Das Mittelmeer trocknete im August aus. Kein Flüchtling ertrank mehr. Auf dem Grund des Rheins wurden in der Nähe von Bonn Teile des schlechten Gewissens eines Helmut K. gefunden.

Abgefahren!

Die Feinde der Bahn, also Frühling, Sommer, Herbst und Winter brachten Grubes Rumpelbude wie gewohnt in noch größere Schwierigkeiten. Da die Boni der Ober-Grubes an die Pünktlichkeit der Züge gekoppelt wurden, kam es dort zu heftige Nachzahlungen und auch lauten Rufe nach Staatshilfe. Manche Züge wurden sogar rückwärts aus den Bahnhöfen geschickt, um die Verluste einzugrenzen.

„Stuttgart 21“ wird jetzt 20-mal teurer als gedacht, während die Bauabschnitte „Leipzig21“, „Köln22“, „Dresden23“ und „Berlin24“ an den Start gingen. In dreißig Jahren fährt die Bahn dann nur noch unterirdisch, obwohl der Begriff schon 2016 zum neuen Werbeslogan erkoren wurde. Helene Fischers „Unterirdisch durch die Nacht!“ war von Juli bis Oktober auf Platz 1 der Charts. Das hat einen Grund. Dazu aber später.

Meine Fahrt von Gernsheim nach Frankfurt kostete seit dem 1.1.2016 statt 6,05 Euro dann 6,20 Euro. Wahrscheinlich wegen des Mehrwerts, so meine Vermutung, der weniger mit „mehr“ sondern mit „weniger“ zu tun hat. Fortschritt kostet eben – am meisten die Zeit. Meine Bahnen kommen wegen „Verzögerungen im Betriebsablauf“ zwar immer pünktlich zu spät und später, jedoch gehört das zum geheimen Plan der Bahn, den wir Betreiber dieses Blogs aufdecken konnten…

Wir hatten es schon vermutet, dass die BahnCard durch die Diät-Card ersetzt werden würde. Doch wir schwiegen zunächst. Bahnfahren dabei Abnehmen wurde der neue Trend von Deutschlands führendem Logistiker in Zusammenarbeit mit einer noch führenderen Krankenkasse. Wer beispielsweise den Regionalexpress RE70 von Mannheim nach Frankfurt benutzt, hat nach einer Stunde mindestens ein Kilogramm an Gewicht verloren. Da freuen sich die BMI-Werte!

Das letzte Fitnessstudio schloss übrigens am 31.12.2016. Die Innovation ist einfach wie genial: Auf den zuletzt 1956 gesäuberten Toiletten oder Sitzen lässt man sich das Essen ganz freiwillig noch einmal durch den Kopf gehen. Diese geniale Blitz-Diät schlug ein wie eine Kalorienbombe mit negativem Vorzeichen – und hat dazu geführt, dass Weight Watchers Mitte Juli 2016 Insolvenz beantragte. Mit der Monatskarte geht das Abnehmen sogar noch viel schneller. In manchem Regionalzug kann man gar nicht so viel essen, wie man erbrechen könnte oder muss. Die jetzt auch „Diät-Züge“ genannten „Travell-Opportunities“ fahren übrigens nicht nur zwischen Mannheim und Frankfurt. „Senk you for Abnehming with Deutsche Bahn!“

P.S. Warum für Deutschland 2016/17 auch als das Jahr der/des Affen galt, erfahren Sie in einem weiteren Ausblick für ein Jahr, das es offiziell gar nicht gab…

 

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7 Kommentare auf "Jahresrückblick 2016: Das Jahr der/des Affen (1)"

  1. samy sagt:

    Ich möchte auf dieses traurige Thema „Sylvester in Köln“zu sprechen kommen. Das passt zu einem Jahresrückblick.

    Nun packen endlich die Polizisten aus und lassen die Katze aus dem Sack, kotzen sich aus. Danke dafür, danke für die Ehrlichkeit! Im Grunde hat also jeder Politiker mindesten die Unwahrheit gesagt und nicht wenige eindeutig gelogen, der seit dem 1.1.2016 bis heute behauptet hat, man könne noch keine Erkenntnisse über die Herkunft der pöbelnden Menge liefern. Das ist nun seit heute (polizei)amtlich. Oder wollen Politik und Medien nun auf die Verfassung vereidigte Beamte als VT’ler hinstellen?

    Das geht nun einmal aus diesem Artikel hervor. Das hat mit Rechtspopolismus nichts zu tun. Einfach lesen.

    http://www.welt.de/politik/deutschland/article150735341/Die-meisten-waren-frisch-eingereiste-Asylbewerber.html

    Damit ist (wieder einmal) dokumentiert, dass die Poltik dem Wähler Informationen zur Meinungsbildung entzieht. Das ist keine Demokratie mehr, weil ohne frei zugängliche Information keine freie Meinungsbildung möglich ist. Und ohne Diskussionkulur ist Multi-Kulti unmöglich. Multi-Kulti wird einem nicht geschenkt, man muss es durch ehrliche Diskussionen zwischen den Kulturen und selbstbewusstes Grenzenziehen erarbeiten und bewahren.

    Für Köln und andere Großstädte ahne ich böses. Wenn das Vertrauen in Medien, Polizei und Politik (wichtige tragende Säulen unserer Gesellschaftsordnung) verloren geht, dann steht die Zeit der Selbstjustiz vor der Tür. Tritt dies ein, wird es spannend sein, wie der gemäßigte Bürger Kölns reagiert. Wird er applaudieren, wenn die Türsteherszene und Rocker ihr Revier verteidigen? Oder wird er es begrüßen, wenn als Bürgerwehr verkleidete Hooligans (Hogesa) auf der Domplatte ihre Runden drehen?

    Das Unheil hat nur noch eine … Armlänge Abstand zu unserem Frieden in der Gesellschaft.

  2. Avantgarde sagt:

    Also dann tippe ich mal, daß Merkels Kanzlerschaft am 7 Februar am letzten Tag im Jahr der Ziege/Schaf endet – wir schaffen das.
    Und seien wir mal auf den folgenden Affen gespannt
    🙂

    • samy sagt:

      Warum nicht einen Tag später am 8.2.2016? Dann haben wir die Rosenmontagsumzüge…
      Bis dahin müssen alle Kölner den Trick drauf haben sich mit einer Armlänge Abstand zu bewegen, quasi eine Stadt als Massenpolonaise. Wir schaffen das!

      Immerhin gab es eben im Ersten eine erstaunlich ehrliche Sondersendung. Löst das Ereignis eine Zäsur im Hörigkeitsverhältnis der Medien zu der Politik aus?

      • Avantgarde sagt:

        Das Kulturbereicherungskonforme Kostüm dürfte wohl bald die Burka sein…..

        • samy sagt:

          Es ist doch alles verrückt geworden. Ich wohne in einem Vorort von Köln, bin Oktober zugezogen. Ländliche, gutbürgerliche Gegend. Bei einem Arbeitskollegen aus dem Nachbarort wurde eingebrochen. Der Witz ist, das er mir auf Google-Maps demonstriert hat, dass im Umkreis von 300 m um seine Wohnung herum in den letzten 3 Monaten 5 weitere Einbrüche in seinem Bekanntenkreis stattfanden. Machen wir uns nichts vor, dank Reisefreizügigkeit in der EU und Osterweiterung sind die Einbrüche rasant angestiegen. Ich spiele mit dem Gedanken einen Waffenschein zu machen, um mich in meinen eigenen vier Wänden verteidigen zu können. Das Leben wird unsicherer.

          Ich habe neulich im Hbf. Düsseldorf an einem Wochentagvormittag 40 Minuten auf einen Zug gewartet. In 40 Minuten wurde ich zumeist von Ausländern sieben Mal angebettelt (auch von Deutschen). Die Gesellschaft wird ärmer.

          Ich habe es neulich in Köln geschafft bei einem Fussmarsch (Haltestelle Steinstrasse bis zum Baumarkt) von 30 Minuten durch einen sozialen Brennpunkt kein einziges Wort deutsch aufzuschnappen. Die Straßen und Bürgersteige waren normal frequentiert. Über den Zustand der Hochhausviertel reden wir mal nicht. Bitte nicht falsch verstehen, ich wurde nicht dumm angemacht oder so, nur wie soll sich jemand integrieren oder einen Job finden, wenn er den ganzen Tag kein Wort deutsch redet? So kann keine Basis für eine Solidargemeinschaft entstehen.

          Irgendwie geht die Idee der Multikultigesellschaft und die sog. Errungenschaften EU gerade ganz gewaltig den Bach runter.

          • Avantgarde sagt:

            Multikulti und Kulturbereicherung kann nur dann funktionieren wenn die Zuwanderung in relativ kleinem Rahmen erfolgt und die Einwanderer auch Integrationswillig sind.
            Desto ähnlicher die Kultur desto einfacher – desto fremder die Kultur desto schwieriger.

            Ich hab schon mit allen möglichen Kulturen zu tun gehabt – und ein Rechter bin ich wahrlich nicht.
            Aber leider ist es so, daß wir ausgerechnet die fremdeste Kultur und denkbar ungeeignetste in Massen „importieren“.

            Wenn das so weitergeht und sich bei der Politeska nicht endlich(und BALD!!!) das Resthirn meldet dann werden wir Zustände zuerst wie in Frankreich und dann wie in Brasilien bekommen.
            Zuerst brennende Vorstädte in denen sich ohnehin keine Polizei mehr traut und danach sich einmauernde Reiche – Otto normal wird dazwischen zerquetscht.
            Der Sozialstaat wird auf diese Weise garantiert zerstört – ein Wohlfahrtstaat mit offenen Grenzen und Rechtsanspruch auf Sozialhilfe für alle ist aus rein logischen Gründen unmöglich.
            An einen Aufstand von unten glaube ich nicht.

  3. samy sagt:

    „An einen Aufstand von unten glaube ich nicht.“

    @Avantgarde

    Bevor ich Augenpflege betreibe … ich habe noch nie soviele nachdenkliche und wütende Reaktionen seitens der Freunde und Arbeitskollegen erlebt. Egal wie alt oder welches Geschlecht.
    Auch habe ich selten so sehr das Gefühl gehabt, dass einige endlich beginnen den Grundsatz „sapere aude“ beherzigen. Wir könnten eine Zäsur erlebt haben. Ein Freund meinte heute, das sei ja irgendwo schlimmer als Paris gewesen. Zunächst muss man über die Bemerkung lachen, aber es ist etwas kaputt gegangen, was ein Terroranschlag nicht besser hätte zerstören können. Unser Vertrauen zu den Fremden! Den einen Terroranschlag durch 10 Terroristen, damit rechnen alle, dass haben wir innerlich eingepreist, dass ist rational nachvollziehbar. Aber 1000 Refugees die unsere Gastfreundschaft auf das übelste Missbrauchen? Never ever!

    Gutes Nächtle

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