Jagd nach Gold

11. Februar 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

1912, als die Titanic sank, gab es bei den olympischen Spielen in Schweden letztmalig echte Goldmedaillen. Heute sind diese Scheiben mehr Schein als Sein. Echt bei Olympia sind nur die Messergebnisse…

Eines blieb aber immer: Der Traum vom Gold. Goldmedaillen bestehen heute größtenteils nur noch aus Silber, wiegen ca. 500 Gramm und sind mit lächerlichen sechs Gramm Gold überzogen. Materialwert: rund 500 Euro.

Weit höher sind da schon die Summen für errungene Siege. Die deutsche Sporthilfe zahlt jedem Gewinner 20.000 Euro. In Frankreich gibt Staat 50.000 Euro dazu und in der Slowakei 54.400 Euro. Je ärmer also ein Land, ein Land, desto höher fallen die staatlichen Prämien aus.

Bulgarien als schwächstes EU-Land spendiert eine Million Lewa, oder umgerechnet 512.000 Euro für einen Sieg und dazu eine lebenslange Rente. Kein Grund also für einen Spitzensportler extra nach Deutschland zu kommen. Außer, der bulgarische Lew macht auch irgendwann die Grätsche wie die Skispringer auf der Sprungschanze.

Ukrainische Olympiasieger erhalten übrigens umgerechnet nur 125.000 Euro oder 1,5 Millionen Griwna vom Staat. Die arme Währung. Ihr geht es schlecht und schlechter. Das Land ist in Aufruhr und überschuldet. Die Börse hat übrigens seit ihrem Hoch im Jahr 2011 ganze Prozent verloren.

Ukrainische Gewinner sollten sich also beeilen, ihre Siegerprämie in etwas Dauerhafteres zu tauschen. Für anderthalb Millionen Griwnas bekäme der strahlende Olympionik heute 4,2 Kilogramm Gold, so dauerhaft wie der Schein einer Goldmedaille, vielleicht auch etwas weniger, wenn die Währung weiter zerfällt. Und es sieht danach aus. Wahrscheinlich wird die Ukraine finanziell noch vor Bulgarien in die Knie gehen, aber erst nach Olympia. Bulgarien bekommt zuvor noch den Euro – und dann auch einen Rettungsschirm.

Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten (Langfassung)


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