Jackson Hole und die Zauberlehrlinge

26. August 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Slideshow

von Ronald Gehrt

Jacksons Loch, wie man Jackson Hole übersetzen muss, ein kleines Tal in Wyoming, und die in diesem Loch liegende Kleinstadt Jackson mit ihren knapp 10.000 Einwohnern, stehen in diesen Stunden im Fokus der weltweiten Anlegerschaft. Denn dort treffen sich am Freitag die wichtigsten Notenbankchefs dieser Welt, allen voran natürlich Benjamin „Helikopter-Ben“ Bernanke, Chef der US-Notenbank und designierter Heilsbringer für die verbliebene Bullenschar unter den Börsianern…

Denn mit den seit Wochenbeginn nach oben gezogenen Kursen an den Aktienmärkten und der gebetsmühlenartigen Wiederholung der von Bernanke geforderten Maßnahmen wollen die Märkte erzwingen, dass eben dieser eben dort verkündet, dass mit „Quantitative Easing III“ (QE III) ein erneutes Anleihe-Kaufprogramm gestartet wird, das die Zinsen am Kapitalmarkt niedrig halten und darüber hinaus einen heilsamen Kapitalfluss in die Aktienmärkte nach sich ziehen wird. Was halten wir davon?

QE III als Placebo-Tranquilizer

Na, nichts! Die beiden Vorgängerprogramme haben doch klar belegt, dass diese Methode der Stützung die Börsen nur kurzfristig, die Wirtschaft aber so gut wie gar nicht stützt. Es war, als würde man Luft in einen Reifen pumpen, der am anderen Ende ein riesiges Loch hat. Eine billig gehaltene Refinanzierung macht nur Sinn, wenn die Unternehmen auch Grund haben, zu investieren. Aber die „Großen“ profitieren vor allem vom Export in die BRIC-Staaten und könnten auch eine Refinanzierung zu ein oder zwei Prozent höheren Zinsen verkraften.

Und die Masse der Unternehmen, an denen diese Goldgruben vorbeigehen, kommt auch mit weiterhin billiger Kapitalaufnahme nicht auf die Füße, weil es an den Käufern mangelt. Und die werden nicht mehr, nur, weil die US-Notenbank Fed Anleihen mit der Brechstange aufkauft, damit ihre ohnehin groteske Bilanz weiter aufbläht und das Problem des Abbaus dieser Bestände weiterhin auf die Zeit soliden Wachstums vertagt, das auf diese Weise aber nicht entstehen wird. Außerdem passt „QE III“ nun wahrlich nicht zu dieser Phase leerer Kassen und der Sparversprechen, die, wenngleich natürlich nicht wirklich ernst zu nehmen, gerade im Zuge der Anhebung des US-Schuldenlimits verkündet wurden.

„QE III“ könnte nur eine psychologische Stütze sein … aber haben Sie schon mal erlebt, dass die dritte Auflage von egal was irgend jemand aus den Schuhen hebt … außer vielleicht Fluch der Karibik und Harry Potter, wo es aber entweder etwas zu lachen oder zu fürchten gab? Bei „QE III“ müsste es etwas zu verdienen geben, um die Anleger in ihrer gesamten Breite zu elektrisieren. Aber das ist, über den kurzfristigen Effekt einer Börse, die ihren Willen bekommt, einfach nicht realistisch. Und Bernanke weiß das ja. Gerade deswegen hatte er doch bei der letzten Notenbanksitzung am 9. August kein QE III verkündet, sondern die Billigversion einer gefühlten Zinssenkung in Form der Festschreibung der Leitzinsen für zwei Jahre auf Bodennebel-Höhe bekannt gegeben.

Mag ja sein, dass man eines Börsianers Gedächtnis nicht so weit zurückreicht, immerhin zeichnet sich ja der gemeine Zocker dadurch aus, wie eine Stubenfliege sofort zu vergessen, wovon er kurz zuvor noch überzeugt war. Aber zur Erinnerung: Auch am 9. August brannten die Börsen schon lichterloh. Und trotzdem hat er „es“ nicht getan. Warum also jetzt?

Wenn er dies tatsächlich am Freitag täte, dann nur, weil er dem Druck der Märkte, zweifellos aber auch dem Druck vieler Politiker nachgibt. Aber mich erinnert das an Kleinkinder, die so lange randalieren, bis sie ihre Lutscher bekommen und dann erneut einen Aufstand machen, wenn ihnen der Zahnarzt die Karies-Krater zugipsen muss. Wir wissen doch, dass Quantitative Easing auf Dauer nichts bringt, dafür aber die Notenbank noch mehr gegen die Wand drückt. Und wir wissen auch, dass ein Fed-Chef, der dem Druck der Masse nachgibt, noch unglaubwürdiger wird, als er ohnehin schon ist. Die EZB hat es doch vorgemacht. In meinen Augen bestünde vielleicht die Chance auf eine kurze Jubelrallye, falls Bernanke tut, was die Horde der Kurzsichtigen von ihm verlangt. Aber danach befürchte ich eine erneute Verkaufswelle, weil genau solches Verhalten das ruinierte Vertrauen noch weiter pulverisiert. Am Freitag um 16:00 Uhr unserer Zeit werden wir es wissen. (Seite 2)

 

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13 Kommentare auf "Jackson Hole und die Zauberlehrlinge"

  1. Fnord23 sagt:

    ……Die Lage ist schlimmer und weniger überschaubar als 2000 und 2008……….

    Na das will ich doch hoffen. Für unsere Kinder, die wir in den folgenden Jahren ins Leben entlassen, wäre es besser, wir fangen endlich mal an aufzuräumen und auszumisten.

    Diese Aussage hängt diese Woche bei uns im Büro:

    Die Menge ist eher bereit, sich fremder Habe zu bemächtigen, als das Ihrige zu schützen. Auf die Menschen wirkt die Hoffnung des Erwerbs stärker als die Besorgnis vor Verlusten.
    (Machiavelli)

    VG aus Sachsen

  2. DonTrader sagt:

    Die Handelsprogramme benutzen doch größtenteils Regeln der „Technische Analyse“, oder nicht?

    Diese Regeln werden doch verwendet, um die Marktstimmung von Gier, Angst, Hysterie und Panik der (menschlichen) Marktteilnehmer als ganzes darzustellen und daraus die wahrscheinlichste Kursrichtung ( Trendlos, Aufwärts-, Abwärtstrend) zu ermitteln. In Bits und Bytes gegossen und mit sehr viel Geld spielen doch hier im kurzfristigen und mittelfristigen Bereich größtenteils nur noch Computer Ping-Pong miteinander.

    Wann ist die Baisse beendet?

    Die Computer werden die Aktienkurse ohne Sinn und Verstand immer weiter nach unter treiben. Doch bei Dividendenrenditen von 10 und mehr Prozent, KGVs unter 7 werden freudige und menschliche Value-Investoren irgend wann zu schlagen.

    Dann bleibt noch das Problem mit der Wirtschaftspolitik und den Notenbanken. Vielleicht werden die Entscheidungen auch hier bereits von „schlauen“ Computern getroffen ….

  3. sachse sagt:

    Ronald Gehrt, in Ihrer Analyse habeich einen Fehler entdeckt:
    „Und die Masse der Unternehmen, an denen diese Goldgruben vorbeigehen, kommt auch mit weiterhin billiger Kapitalaufnahme nicht auf die Füße, weil es an den Käufern mangelt. “

    Das billige Geld ist bisher nicht angekommen bei der Realwirtschaft. Krdite sind teurer und schwerer zu erhalten als vor 5 Jahren, das gilt für den Mittelstand, für Konsumenten und für Hypotheken.
    Das billige Geld aus Ben’s Helikopter und aus der gesamten Flugstaffel ist fast zu 100% im Banksektor verblieben und hat die nächsten Blasen erzeugt. Ich dachte immer, die billigen Kredite sollten an Konsumenten und industrielle Investoren weitergegeben werden, um die Realwirtschaft
    zum Dampfen zu bringen? War das nicht die erklärte Absicht? Statt dessen steigen nun die Blasen der Fäulnis an die Oberfläche!

    Grüße aus Sachsen

  4. wolfswurt sagt:

    Jackson´s Loch wird ebensowenig bewirken wie all die Rettungskonferenzen für den Euro.

    Es ist schon erstaunlich wie verblödet die gesamten Finanzakteure sind.
    Sie glauben an Gemurmel von Geenspan, an die Dicke seiner Aktentasche ob links oder rechts getragen, an das Treffen der G8 und G20 und G183, an den Ort Davos oder eben jetzt an Jackson´s Loch.

    Die, die diese Zeremonien veranstalten haben genauso wie diejenigen die auf jene hören nicht mehr alle Tassen im Schrank.

    Verblödung auf allen Ebenen…

    • Fnord23 sagt:

      ….ja, aber hier im Blog sind die letzten Normalen.

      Wenn ich mit Stadträten, oder mit Leuten in der Firma spreche, oder mit Mitarbeitern der Stadtverwaltung, dann schauen die mich so komisch an.

      Ich kann dann sehen was die denken:
      „Der hat eine andere Meinung als die Mehrheit. Das muss ein Spinner sein!“

      Weil diese ganzen Verhältnisse Normalität sind. Aber eben nicht normal.

      VG aus Sachsen

      • wolfswurt sagt:

        Ob in den Blog´s hier oder anderswo die letzten „Normalen“ sind, wage ich zu bezweifeln.

        Die sich für informiert und aufgeklärt halten, sind immer noch so verblendet, Gerechtigkeit und Gleichheit einzufordern ohne naturgesetzliche Kenntnis von biologischen Verhaltensweisen des Wesens Mensch zu besitzen.
        Da wird z.B „Im Gelben“ von „Global Change“ geträumt ohne zu merken, daß sie das gleiche Verhaltensmuster und den gleichen Größenwahn an den Tag legen wie die sogenannten „Eliten“, die auch in völliger Selbstüberschätzung die Welt ordnen wollen.

        Da ist mir der Angelsachse schon lieber der auf natürliche Weise nur an sein Fressen denkt.

        Gerechtigkeit, Gleichheit und im Gipfel dieser verworrenen Vorstellung „soziale Verträglichkeit und Teilhabe“ gab, gibt und wird es nie geben.

        In der Natur gibt es nichts Gleiches.
        Jedes Lebewesen unterscheidet sich in seinen Anlagen individuell vom anderen. Gleichheit herzustellen bedeutet am Ende mit dem Rasenmäher alle bis auf das unterste Niveau zu stutzen.

        Insofern fehlen auch jenen die Tassen im Schrank die einen wegen einer abweichenden Meinung schief ansehen, nur weil sie schon gleich im Sinne auf eben jenem untersten Niveau angekommen sind.

        „Die wichtigste Erkenntnis aus der menschlichen Historie wäre – nicht Gott spielen wollen.“
        Zitat aus: Geld, Gold und Gottspieler, von Roland Baader

        Leider versuchen dies heute alle Oberen bis hinunter zum Einfältigsten.
        Ausgeschlossen ist nicht, daß die Einfältigsten oben sind….

  5. Börsenabsturz – highway to hell?…

    Was waren das für zwei verrückte Wochen an den Börsen.  So starke Verluste in so kurzer Zeit gab es selten. Diesmal sind es nicht mehr nur die Kursverluste, die weh tun, sondern die Art und Weise, wie die Kurse fallen. Dieser unbändige Wille, Aktien ve…

  6. oli sagt:

    Hallo,

    speed trading in „Nanonsekunden“ ist Blödsinn. Eine Nanosekunde sind 1*10^-9 Sekunden. Ein Prozessor, der mit 1GHz Taktfrequenz läuft, kann in dieser Zeit einen 1-Zyklus-Befehl (Assembler) abarbeiten.

    Es ist jedoch viel mehr erforderlich: Der entsprechende Rechner bekommt seine Kurs-Daten über ein Netzwerk (Datenpuffer mit Verzögerung!), liest sie über den System-Bus ein, speichert sie zwischen. Der Algorithmus, der entscheidet, ob eine Order ausgelöst wird, muß wohl mindestens ein paar Vergleiche mit vorherigen Daten durchführen. Anschließend wird eine Order erzeugt (der Rechner meldet sich an, authentifiziert sich, die Order wird quittiert usw.) – vereinfacht ausgedrückt.

    Die Angaben, die man über high-frequency-trading recherchieren kann, liegen im Millisekundenbereich. Der Unterschied zur Nanosekunde liegt bei einem Faktor von 1 Million.

    Man muß nicht jeden Unsinn, den irgendjemand im Internet in die Welt setzt, ungeprüft übernehmen. Die Schlußfolgerung ist im Übrigen die Gleiche, eine solch hanebüchene Übertreibung ist also gar nicht erforderlich!

    Ich kann technische Dinge beurteilen; finanzielle nicht. Wenn die Berichte und Schlußfolgerungen über das Finanzsystem mit genausoviel Sorgfalt erstellt worden, wie die technischen Angaben, mache ich mir so meine Gedanken…

    Gruß oli

    • DonTrader sagt:

      Nimm die Aussage qualitativ nicht quantitativ!

      “In den vergangenen zwanzig Jahren wurde das Tempo der Handelsabwicklung immer weiter erhöht. Aus Stunden wurden Minuten, dann Sekunden … und jetzt sind wir teilweise bereits im Nanosekunden-Bereich angelangt. … Dumm nur, dass da das menschliche Gehirn als Werkzeug ausschied.”

      Die Aussage ist: Die menschliche Reaktionszeit liegt bei ca . 210 ms, high-frequency-trading aktuell bei einigen Millisekunden, also können wir da nicht mithalten. Die Computer spielen Ping-Ping miteinander. Ab und zu gehen sie zufällig in Mittkopplung, stellen beispielsweise fast gleichzeitig hohe Verkaufsorders in den Markt. Lösen innerhalb weniger Sekunden ein Kursrutsch aus. Es entsteht nun eine Kaskade von Verkauf zu Verkauf über das Auslösen von Stop-Sell-Orders. Im Nachhinein wird dann hektisch nach einen plausiblen Grund gesucht. Es gib aber keinen.

  7. mfabian sagt:

    >>“Auch am 9. August brannten die Börsen schon lichterloh. Und trotzdem hat er „es“ nicht getan. Warum also jetzt?“<<

    Meine Antwort auf diese Frage lautet: Bernanke wollte einfach mal ausprobieren, wie es mit Wirtschaft, Aktien und von allem Anleihen weitergeht, wenn er QE2 nicht verlängert.
    Ich bin überzeugt, dass er ganz nach dem Motto "Operative Hektik ersetzt geistige Windstille" den Finger längst auf dem Startknopf der Druckerpresse hat, sollten die Kurse fallen oder die Renditen steigen.

  8. King Balance sagt:

    “ Merke: Wenn unsere Politiker indiskutabel irrsinnige Gesetze verbrechen, liegt das an parlamentarischen Zwängen, aber wenn Bürger die Schwächen dieser Gesetze demonstrieren, sind diese verruchte Gauner. ”

    “ Ich fürchte, der normale Bürger wird nicht erfreut sein zu hören, daß die Banken Geld schaffen können und es auch tun. Und diejenigen, die den Kredit der Nation kontrollieren, lenken die Politik der Regierung (Staat ) und halten das Schicksal des Volkes restlos in der Hand. ”
    – Reginal McKenna, ehemaliger Schatzkanzler Englands 1924

  9. Avantgarde sagt:

    „Aber mich erinnert das an Kleinkinder, die so lange randalieren, bis sie ihre Lutscher bekommen und dann erneut einen Aufstand machen, wenn ihnen der Zahnarzt die Karies-Krater zugipsen muss. Wir wissen doch, dass Quantitative Easing auf Dauer nichts bringt, dafür aber die Notenbank noch mehr gegen die Wand drückt.“

    Eben drum!
    Und ich will noch eines draufsetzen – eine versuchte Inflationierung kann genau das GEGENTEIL bewirken.

    Man muß nur zurückblicken:
    Internet-Blase erst herbeigeführt, dann geplatzt.
    Hauspreisblase aufgepumpt – geplatzt.
    Nun haben wird die Bailout-Blase – NOCH nicht geplatzt – sie lässt nur etwas Luft ab.

    Und weil der Zeuberlehrling ein wirklich schönes Gedicht ist.
    http://www.youtube.com/watch?v=mNxltumMxbc&feature=related

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