Ja, was machen wir denn jetzt, Frau Yellen?

13. August 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Liebe Janet, wollen Sie vielleicht nicht doch ihre schrecklich spitze Nadel zurück in ihre Handtasche packen? Oder wollen Sie die Blase am Aktien-Immobilien- und Anleihemarkt anstechen? Ich möchte ja nicht in Ihrer Haut stecken!

Ich mache mir wirklich Sorgen um Sie! Was wird in den Geschichtsbüchern stehen? Eine Frau, die in die Fußstapfen eines Paul Volcker steigen wollte und hinfiel? Wollen sie wirklich dafür verantwortlich sein, dass die Märkte fallen, nur weil Sie unbedingt eine Zinswende haben möchten? Zum Glück aber ist China nach westlicher Lesart in Schwierigkeiten geraten und liefert damit wunderbare Argumente gegen eine US-Zinsanhebung. Die FED-Mitglieder hüpfen seit Stunden in großer Sorge und immer lustiger werdender Verbalakrobatik vor den Mikrofonen herum, wie Statisten aus Filmstudios. Wenn sich ihre Aussagen auch permanent widersprechen (und ich damit auch nichts anfangen kann) ich kann nicht verneinen, dass mir ihre Hilflosigkeit dennoch imponiert.

Ich habe ihnen immer nur soweit über den Weg getraut wie dicke Wildschweine hopsen können. Nein, ich kann mir unmöglich vorstellen, dass mir irgendein Zentralbanker irgendetwas schenken möchte, wenn er blumig erklärt, er wollte mein Bestes. Meist ist danach weniger übrig als davor.

Und was ist in China los?

China ist ja etwas ganz anderes. Oder doch nicht? Gelten dort andere Gesetze als im Rest der Welt. Soweit ich weiß, hat man dort das gleiche Fiat-Geld wie die anderen Länder der Welt. Man wird es auch entsprechend so bedienen müssen. Man hofft, die alten Schulden mit noch mehr Schulden zu beheben und kann auch auf tiefere Zinsen und Gelddrucken zurückgreifen. Es sieht so aus, als wird man diesen Weg wählen müssen.

Doch eine Sache ist doch sehr erstaunlich: Während Währungsabwertungen in Japan, Europa und den USA mit einem großen Freudentaumel begrüßt werden, passiert in China genau das Gegenteil, seit die Zentralplaner beschlossen haben, den Yuan abzuwerten. Daraufhin brachen die Aktienmärkte ein, heißt es, und manch ein Berichterstatter nimmt schon das Wort „China-Krise“ in den Mund. Vielleicht ist das auch nur ein Vorwand. Jedenfalls war es lustig an der Börse. Dort wird es immer lustig, wenn der V-DAX über 20 steigt.

Europa: Die Deppen der Währungsmärkte

Haben Sie das gesehen? Der Euro wertet auf! Das muss an den fundamentalen Daten lügen, Pardon, liegen. Schließlich ist Griechenland im 2. Quartal ganz überraschend um 0,8 Prozent gewachsen. Ja, Strukturreformen zahlen sich aus. Wenn dazu die Schuldenberge der Eurozone auf immer neue Rekorde steigen, ist das Beweis genug für Fortschritt.

Wenn man es genau betrachtet und ganz nüchtern wägt, so ist der Euro bis vor wenigen Tagen noch planmäßig gefallen (bzw. wurde gefallen) und der DAX ist deshalb bis auf über 12.000 Punkte gestiegen. Natürlich hat man daraus die falschen Schlüsse gezogen. Doch könnte es nicht sein, dass der Euro den japanischen Yen inzwischen abgelöst hat? Dass sich das hirntote aber große Geld in Euro verschuldet, damit etwas kauft, und hofft, dass man diesen Kredit in Euro mit später wertloseren Euronen zurückbezahlt? Nennt man das nicht einen Carry-Trade, einen Fremdwährungs-Kredit?

Verantwortungsvollen Experten und Otto Normalbürger werden diesen Begriff sicherlich mit einem Gewürz aus Indien in Verbindung bringen. Scharf ist die Sache immerhin.

Doch wenn der Carry-Trade zurückschlägt, also der Euro also steigt statt zu fallen, dann übergibt sich der DAX über der Kloschüssel verliert 700 Punkte innerhalb von zwei Handelstagen.

DAXeuropar

Und China ist dann angeblich der Grund – unberechenbar oder in unberechenbaren Schwierigkeiten. Griechenland war gerade nicht zur Hand. Was nicht passt, wird passend gemacht. Vielleicht ist China ja wirklichen in Schwierigkeiten. Doch erst einmal sind es diejenigen, die in der Hoffnung auf einen weiter fallenden Euro riesige Kredite in dieser Müll-Währung aufgenommen haben und die Positionen dann plötzlich gegen sie laufen. Pech!



Gibt Gold die Antwort?

Gold steigt immer dann, wenn eine Währung schwächer wird. Jetzt ist es in kurzer Zeit um 50 US-Dollar gestiegen. Aber nicht in Euro.

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Schauen Sie mal den Goldpreis in russischen Rubel, in ukrainischen Grywnas und japanischen Yen an. Oder wenn Sie ganz besonders viel Spaß haben möchten, in Simbabwe-Dollar. Aus der Türkei betrachtet, werden die Leute dort lachen, wenn es heißt, Gold wäre in einem großen, nie endenden Bärenmarkt. Herr Landgraf vom Handelsblatt meinte ja, „der Abstieg des Goldes ist auf Dauer nicht aufzuhalten. Herr Landgraf sollte mal die Türken fragen. In türkischen Lira ist Gold nahe des Allzeithochs bzw. die Lira dort im permanenten Bärenmarkt.

goldturklira

Aber das kann dem Euro ja nicht passieren, außer mal eine kleine Abwertung von 30 Prozent binnen eines Jahres zum US-Dollar. Sollten jemand der Leser geschichtsbewandert sein, lohnt auch ein Blick auf den Goldpreis in der alten Reichsmark. Gold steigt dann, wenn die Währung schwächer wird. Wenn aber Gold auch in der stärksten Währung der Welt steigt, riecht das nach Ärger.

Ist es nicht auch erstaunlich, dass der Goldpreis in den großen Währungen steigt, außer in Euro? Und das ausgerechnet, als die führenden Experten mehr als acht Gründe gefunden haben, dass Gold wertlos geworden ist? Experten eben! Man kann sich ihr Zeug anhören. Man kann sich aber auch einen nassen Keks in den Schuh stecken. Der Unterschied ist nicht allzu groß. 

Und nur um Sie zu quälen, schauen Sie mal den Goldpreis in chinesischen Yuan an. Die Währung wertet ab, der Goldpreis wertet auf. Mehr kann er wirklich nicht…

gold renmimbi

Wenn ein Land wie China nicht mehr sondern weniger Rohstoffe braucht, wenn der Stromverbrauch dort stagniert und Propaganda und Intervention das fehlende Wachstum ersetzt, ist Vorsicht angebracht. China ist eine Blackbox und die Verlautbarungen der Oberen mindestens so viel wert wie die amerikanische Arbeitsmarktstatistik. Die USA ist nicht weniger eine Blackbox, allerdings schafft man es dort, alle Schwierigkeiten besser zu verkaufen.

Es gibt ja Mitglieder der US-Notenbank, die bescheinigten dem US-Arbeitsmarkt am Montag Robustheit bzw. Vollbeschäftigung. Hier zeigte sich deutlich, dass man statistische Daten nicht rauchen sollte – vor allem nicht in einem Land, in dem rauchbare Drogen längst legalisiert wurden. Eine Alternative wäre auch, einfach mal die Klappe zu halten. Und dass Amerika unter einer Mini-Inflation leidet, das kann man durchaus in das Reich der Märchen verbannen. Schließlich gibt es alternative Berechnungsmethoden, die dem Land für 2014 eine Inflationsrate von nahe zehn Prozent attestiert. Ich lebe zwar nicht dort, aber man sollte doch die Preissteigerungen der Anlageklassen mit in die Teuerungsrate einfließen lassen. Das ergebe ein realistischeres Bild.

Und noch eine Überlegung: Die letztlich gesehenen Kursgewinne sind für die meisten Anleger und Sparer lediglich Buchgewinne. Sie haben ihre Chips noch nicht vom Tisch genommen. Sie können dem Casino auch nicht entkommen. Denn weder Bargeld, Anleihen noch Sichteinlagen bei der Bank sind wirklich sicher. Wir werden es aber rechtzeitig sehen oder zu spüren bekommen, sollte uns ein heißer Herbst vor der Tür stehen, wenn man versucht, die Chips vom Tisch zu nehmen. Die Großen sind schon dabei. Und jetzt will Frau Yellen die Zinsen erhöhen, trotz einer „Inflation“, die „unbefriedigend“ hoch ist? Na viel Spaß!

Das Schöne ist doch an Gold und Geld, dass, solange das niemand versteht, man sich um Gold überhaupt keine Sorgen machen muss. Es macht sich übrigens auch um uns keine Sorgen. Wenn irgendwann die meisten Leute verstehen, wie Währungen funktionieren, dann leben wir längst in anderen Zeiten. Noch aber gelingt es den Experten, nasse Kekse in den Schuhen der Leute zu verstecken.

 

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9 Kommentare auf "Ja, was machen wir denn jetzt, Frau Yellen?"

  1. Hinterfrager sagt:

    Hallo Frank,

    wie geil ist das denn?! Übertrifft sogar ein Riße-Interview mindestens um Empire-State-Höhe 😉 ! Übrigens: das sog. „griechische Wirtschaftswachstum“ könnte – wie schon im Schlussquartal 2014 – schlicht einem statistischen Effekt geschuldet sein, den die allerwenigsten auf der Uhr haben: Sinken nämlich die Preise (also aktuell z.B. um mehr als 2 %) schneller als das nominale BIP, wird aus einem realen BIP recht schnell ein „real“ positives. Im umgekehrten Fall wird ja – zumindest ab und an – inflationsbereinigt. Wird nur „rein zufällig“ häufig vergessen. Besonders in einem so „ungewöhnlichen“ Umfeld wie einer anhaltenden Deflation. Welche übrigens, wenn man mal genau hinschaut, auch so manchem iberischen BIP die eine oder andere Botox-Ration verpasst. Pssst…

    • Hinterfrager sagt:

      Ein Nachtrag noch zum Thema:
      0,8 Prozent reales BIP-„Wachstum“ in Griechenland – bei offiziell über zwei Prozent Deflation? Könnte die eine Zahl womöglich direkt etwas mit der anderen zu tun haben?

      Warum sich viele Politiker, Marktbeobachter und auch der Journalisten-Mainstream ein ums andere Mal durch eine unreflektierte Kommunikation statistischer Daten aufs Kreuz legen lassen, klärt jemand auf, der es wirklich wissen muss. Und zwar noch einmal ganz langsam und mit Bezug zu absoluten Zahlen aus dem „Erfolgsjahr“ 2014 – Yanis Varoufakis (ca. ab Minute 16):

      https://www.youtube.com/watch?v=9_8gKX5w8ko#t=930

  2. cubus53 sagt:

    Das Finanz-Problem sollte im Rahmen einer Welt-Schulden-Konferenz gelöst werden. Weil global gesehen jeder Schuldner gleichzeitig an anderer Stelle als Gläubiger auftritt, könnte man doch auf der einen Seite Schulden erlassen und im Gegenzug Guthaben streichen. Ich glaube nicht, dass durch einen global durchgeführten Schulden-Guthaben-Tausch irgendein Staat reicher oder ärmer wird. Schon gar nicht, was die Lebensqualität in den einzelnen Ländern angeht. Aber die zählt ja nicht, unser Glück wird ja nur am Wachstum gemessen.

    • multiman sagt:

      Ich frage mich schon lange, wieso solche Überlegungen zum Aufrechnen gegenseitiger Schulden kein Thema sind.
      Bleibt mir nur die Erklärung, dass niemand auf Einnahmen aus Zinsen, Zinseszinsen, Gebühren und Provisionen verzichten will, die ja durch eine Reduzierung der Ausgangssumme vermindert werden würden.
      Immer fleißig Benzin in’s Feuer gießen – wird schon irgendwie und irgendwann die Anderen treffen.

  3. waltomax sagt:

    Ich arbeite nur noch für echtes Geld, also Gold und Silber.

    Jeden Ersten bereiten mir die bunten Euronen-Scheinchen dasselbe Unbehagen, das sich nur durch deren weitgehende Konversion in EM beseitigen läßt. Beim Betreten der Bank ereilt mich dabei meistens schon der finstere Blick des Vorstehers, wenn ich abräume und nur das Geld zur Deckung der laufenden Kosten auf dem Konto lasse.

    An dieser Stelle meinen heißen Dank an all die Manipulateure, die den Euro gegenüber Gold hochpushen. Da bekommen ich eben noch mehr EM fürs Klo-Geld.

    Und fühle mich ehrlich bezahlt für meine ehrliche Arbeit!

  4. waltomax sagt:

    Es soll ja finstere Gestalten geben (wie auch mich), die anfangen, in Silber zu bezahlen. Handwerker und Hofläden sind inzwischen schon recht empfänglich. Soviel zumThema Bargeldverbot…

    Wenn es wahr ist, dass auf eine physische Unze Gold oder Silber gut 99 ungedeckte Zertifikate kommen, dann ist das Bezahlen in EM das Beste, was man COMEX und Fed antun kann.

    Warum soll man sich auch -so alle 40 – 50 Jahre- von diesen Kreisen immer nur Böses antun lassen, wenn „die Rache des sog. kleinen Mannes“ so einfach ist und obenrein so nahe liegt?

    Bin etwa 1.90 m groß…

  5. Jürgen sagt:

    Ja, so ein Blick in die eigene Währungsgeschichte kann sehr erhellend sein. Vor der Reichsmark war da noch die Mark. Die überstand die Kaiserzeit nur wenige Jahre und endete noch kläglicher als die Reichsmark. Ich hab hier noch ein paar Mark-Scheine aus Urgroßvaters Zeiten. Schade, dass er sich die nicht rechtzeitig hat in Goldmünzen auszahlen lassen. So habe ich hier 240 Mk. in Scheinen, die auf dem Flohmarkt vielleicht ein paar Cents bringen. Im anderen Fall wären es 12 Münzen mit einem Wert von derzeit rund 240 € – das Stück!
    Aber bestimmt passiert das mit unseren Euro-Scheinen nicht. *mühsamdasLachenverkneif*

    • waltomax sagt:

      Habe 1000 Reichsmark von 1908. Auf der Note steht, dass demjenigen 1000 Goldmark auszubezahlen seien, welche diese bei der Noten-Bank in Berlin vorlege. Und das Gold war damals noch da…

      • Jürgen sagt:

        Ja, bis August 1914 konnte man sich tatsächlich noch Goldmark auszahlen lassen. Danach war Schluss mit lustig. Dann blieb nur noch ein Tausch in Mark-Münzen aus Silber, die gab es von 50 Pf. bis 5 Mark und die hätten zumindest noch einen Teil der damaligen Kaufkraft bis heute bewahrt. Mit den Papier-Schuldscheinen konnte man bestenfalls noch die Wände tapezieren oder den Ofen anheizen … oder heute die Wand dekorieren. 😉

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