Ja mei!

10. Oktober 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Andreas Hoose

Manchmal muss man gar nicht viele Worte verlieren. In einigen Gegenden Deutschlands genügen sogar nur zwei – und alles ist gesagt! Kennen Sie den Ausdruck „Ja mei“?

Im bayerischen Sprachgebrauch können diese beiden einfachen „Wörter“ alles Mögliche bedeuten. Streng genommen, also im Sinne der deutschen Rechtschreibung, ist es sogar nur ein Wort, nämlich das „Ja“, das andere (mei) ist eine Art bayerische Erfindung, die meist (aber durchaus nicht immer!) in Kombination mit einem vorgestellten „Ja“ vorkommt.
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Die Deutung dieses Begriffpaares ist nun überraschend diffizil. „Ja mei“ kann zum Beispiel übersetzt werden mit: „Da kann man nichts machen“. Oder auch: „Das war doch abzusehen“.

Wichtig ist zudem die Betonung, also gewissermaßen die stimmliche Akzentuierung: Kurz dahingesagt kann „Ja mei“ beispielsweise ein gewisses Desinteresse signalisieren. Ein gedehntes „Ja mei“ mit steigender Stimmhöhe kann auf erfreutes Erstaunen hindeuten. Bei eher seufzender Stimmlage, kann dieser urbayerische Begriff auch höchste Anteilnahme signalisieren.

Das heißt: Wofür der Norddeutsche, und erst recht der Italiener, einen ganzen Wortschwall benötigt, das schafft der Oberbayer (und gelegentlich auch der Niederbayer) mit zwei kleinen Lippenbewegungen.

Und wissen Sie was?! Als ich heute morgen, gleich nach dem Frühstück, einige Börsenkommentare gelesen habe, da war mein erster Gedanke:

Ja mei!

In diesem Fall wohl am ehesten zu übersetzen mit: „Warum fällt Euch das erst jetzt auf?“ oder „Das kann doch eigentlich niemanden überraschen“.

Viele Kollegen scheinen nämlich gerade erst zu registrieren, was seit Monaten mit großen Buchstaben überall angeschrieben steht: Dass die Lage an den Kapitalmärkten doch nicht so rosig ist, wie sie, die Kommentatoren, bis vor wenigen Wochen noch geglaubt hatten. Deshalb wird jetzt eifrig zurück gerudert. Die „Rettungspolitik“, die wir seit Jahren bestaunen dürfen, ist nun auf einmal vielleicht doch keine so gute Idee. Das können wir da jetzt tatsächlich lesen!

Andere sind da schon ein wenig trotziger: Kaum fallen die Kurse einmal ein paar Tage hintereinander, wird nun, einem alten Reflex folgend, lauthals nach der Notenbank gerufen. Die EZB solle doch bitte eingreifen und möglichst bald die Börsen „retten“. Zum Beispiel, indem sie in großem Stil Staatsanleihen aufkauft.

Natürlich wird sie das schon bald tun, doch wer immer noch nicht verstanden hat, dass auch dieser verzweifelte Schritt nichts bewirken wird, dem kann man nur ein herzhaftes „Ja mei!“ zurufen Diesmal mit der Bedeutung: „Du Hornochse wirst es wahrscheinlich nie kapieren!“

Im Großen und Ganzen scheint sich im Übrigen gerade eine gewisse Desillusionierung breit zu machen: Während der DAX mit der „Betonmarke“ von 8.900 Punkten flirtet, eine Tatsache, die viele Kollegen noch zu Jahresbeginn für „vollkommen ausgeschlossen“ gehalten hatten, scheinen die Anleger in den USA gerade vor einem veritablen Oktober-Crash zu zittern.

Am Donnerstagabend hat der Angst und Gier Index des Börsensenders CNN das mit weitem Abstand niedrigste Niveau seit mehr als drei Jahren erreicht. Nur noch drei Punkte von 100 Möglichen:

Angst und Gier Momentaufnahme - NEU JPG

Das bedeutet: Der großen Masse schlottern jetzt die Knie. Ein Crash scheint unausweichlich.

Doch das ist die wirklich gute Nachricht an diesem Freitag: Denn wovor alle Angst haben, das wird garantiert nicht eintreffen…

Ja mei!

Andreas Hoose – Antizyklischen Börsenbrief



 

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