IWF: Wir wollen Euer Vermögen!

19. Oktober 2013 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

Ein aktuelles Papier des Internationalen Währungsfonds (IWF) wirbelt derzeit abseits der staatlichen Medien eine Menge Staub auf. Der Report mit dem Titel „Taxing Times“ behandelt die Möglichkeit einer allgemeinen Enteignung zur Senkung der öffentlichen Verschuldung in Europa…

Für einige Generationen an Clowns, die sich über Jahre ihre Wiederwahl mittels dauerhafter Neuverschuldung erkauft haben, soll nun der Bürger mindestens den „Zehnten“ abliefern. Die Höhe kling vergleichsweise harmlos und erinnert an alte Tributzahlungen. Unschön ist jedoch, dass viele hierzulande bereits monatlich den „Halben“ zahlen, sprich gute 50% ihres Einkommens dem so genannten Allgemeinwohl zur Verfügung stellen. Wie viel davon wirklich bei selbigem ankommt ist nicht überliefert. Da aber öffentliche Steuerverschwendung völlig grundlos nicht so hart bestraft wird wie private Steuerhinterziehung, darf man sich über den Bau der sprichwörtlichen Brücken ins nichts nicht wundern.

Besonders putzig sind die dauerhaften Debatten, welcher Steuersatz nur um einen Viertelpunkt angehoben wurde, oder auch die bemerkenswerte Art und Weise, wie man sich selbst glaubt, dass die Abschaffung einer früher von einem selbst eingeführten Abgabe zu einer Nettosenkung der Belastung führt. Aber so hält es die Politik ja meist bei der Lösung selbst herbeigeführter Probleme, um das zu beobachten muss man nicht in die USA reisen.

 

Solidaritaet Jetzt!

Unterdessen pickt man sich bei jeder Gelegenheit zur Rechtfertigung von Steuererhöhungen munter Einzelfälle aus anderen Ländern heraus. Das Ergebnis erklärt stets, warum es toll ist, immer mehr für immer weniger zu bezahlen. In der Schweiz kostet dies aber mehr, in Schweden das und im Fantasialand ist die Mehrwertsteuer noch höher. Einigen Bürgern gefällt dies interessanterweise sogar. Wer hätte wohl nicht für den Weltfrieden noch einen Zehner übrig?

Der geneigten Betrachter überlegt unterdessen, wie viel Luft nach oben man bei den Einnahmen noch haben mag. Wenn vom Einkommen 40-50% direkt verschwinden und dann jeder Kauf im Alltag noch in mehreren Schritten besteuert wird nimmt der Nettoanteil des Gehalts stetig ab. Bei welchem Gesamtsteuersatz kommt man wohl an? Zwei Drittel? Drei Viertel? Wer denkt nicht darüber nach, wenn er im Abendstau angesichts einer Wanderbaustelle in heimlicher Sehnsucht an die leeren Autobahnen Portugals denkt, während er in stiller Kontemplation von Schlagloch zu Schlagloch dahinrumpelt.

Die Einsicht, dass die höhere Besteuerung der laufenden Einnahmen immer weniger zusätzliches Geld aber immer mehr Ärger einbringt, beginnt man sich seit geraumer Zeit auf eine groß angelegte Enteignung vorzubereiten. Diese nennt man natürlich anders. Ein hübsches Beispiel ist die „Einmalige Vermögensbelastung“ was an der Sache freilich nichts ändert, aber nach der Belastung einiger weniger klingt.

Wer dies alles immer noch für eine Paranoia hält, dem sei ein Blick in die neue Veröffentlichung des IWF empfohlen. Der Titel gibt die Marschroute vor. Das Papier heißt „Taxing Times“ und behandelt das Thema Steuern im Kontext der öffentlichen Verschuldung.

Vor allem folgender Abschnitt ist lesenswert.

iwf

 Wir halten fest, was die Damen und Herren vom IWF da sagen:

  • Das Thema stößt wieder auf Interesse (Bei wem genau? Beim Bürger sicher nicht).
  • Es gab schon früher prominente Befürworter einer solchen Maßnahme (Was diejenigen sonst noch gesagt haben, oder wie der damalige Kontext war, interessiert frelich niemanden. Ach ja, Kritiker einer solchen Maßnahme gab es vermutlich auch, leider sind die Namen den IWF Autoren offenbar entfallen).
  • Man hat bereits früher reichlich Erfahrungen auf dem europäischen Kontinent gesammelt (Die Erfahrungen, die man nach dem ersten Weltkrieg gesammelt hat, scheinen den Autoren derart gut zu gefallen, dass man sich kaum traut, daran zu erinnern, was wenige Jahre später auf dem Kontinent los war).
  • Die Resultate dieser Erfahrungen waren nur deshalb keine Erfolge, weil man es zu vielen ermöglicht hat, den Maßnahmen auszuweichen (Ja, die reinste Völkerwanderung setzte damals ein, um ein Konto im Ausland zu eröffnen. Oder war es das verhasste Bargeld?)
  • Der ganze Wirbel würde die Schuldenniveaus der Staaten auf den Wert von 2007 bringen. (Als ebenfalls nicht alles super war. Den Wert der Schulden der Finanzunternehmen ebenso wie die Konsumentenverschuldung lässt man lieber gänzlich außen vor. In UK läge man auch nach der Enteignung somit immer noch bei rund 500% Verschuldung zum GDP. Was genau bezweckt man eigentlich mit der Maßnahme?
  • Man vergleicht die Enteignung mit dem Verlust der Bondholder (Anleihegläubiger), den man tatsächlich als „Steuer“ deklariert (Putzig! Schreibt heute beim IWF der Praktikant? Das Risiko eines Bondinvestors liegt im Ausfall des Kreditnehmers. Geht der hops, ist ein Teil des Geldes weg. Das ist weder eine Ungerechtigkeit noch eine Steuer. Das sind die Bedingungen einer wundervollen Erfindung, die man gemeinhin einen Vertrag nennt.) (Seite 2)

     

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16 Kommentare auf "IWF: Wir wollen Euer Vermögen!"

  1. Skyjumper sagt:

    Den Anmerkungen im Beitrag ist nicht mehr sehr viel hinzuzufügen.

    Zum einen kann man noch darauf hinweisen, dass es sich beim IWF nun bereits um die 3. Institution handelt die dieses Vorgehen „anregt“. Die Boston Consulting Group war 2011 die erste, es folgte 2012 das DIW und nun also der IWF. Man darf daraus ableiten, dass die Maßnahme auch kommen wird. Wahrscheinlich etwas vernebelt, und keiner kann schon sagen in welcher konkreten Ausformung, aber kommen wird es.

    Das letzte was ich anmerken würde ist, dass mich persönlich ein ganz anderer Satz aufgerüttelt hat und in blinkender Neonfarbe markiert gehören würde:

    „The conditions for success are strong, but also Need to be weighed against the risk of the alternatives, which include repudiating public debt or inflating it away……“

    Hiermit sagt keine geringere Institution als der IWF, dass unser Finanzsystem (und damit unser Gesellschaftssystem) am Ende angelangt ist. Und der IWF ist nun nicht irgendein Blogger, und hat sicher kein Interesse an Panikzuständen oder der Verbreitung von Verschwörungstheorien.

    Zwischen den Zeilen steht im IWF-Report:
    Wir können um den Preis einer allgemeinen Enteignung nochmal in eine kurze Verlängerung oder wir können den Laden hier und jetzt dicht machen.

    • bluestar sagt:

      Ich find es eine gigantische intellektuelle Leistung des IWF erkannt zu haben, dass unser Finanzsystem am Ende angelangt ist. Gut dass es solche Institutionen gibt die uns sagen was wir alle längst wissen.
      Das System sitzt in der Falle, die ökonomischen, sozialen und ökologischen Widersprüche spitzen sich unlösbar weiter zu und nur mit Unmengen von gedrucktem Geld wird der globale Zusammenbruch verschoben.
      Nötig wäre eine ganzheitliche Neuordnung unseres gesellschaftlichen Lebens. Dazu braucht es eine kritische Masse gebildeter und Menschen mit Eigenverantwortung, Leistungswillen und Visionen. Genau das ist das Problem, denn eine Gesellschaft ist so gut oder so schlecht wie der Durchschnitt seiner Mitglieder.
      Deshalb bleibt offensichtlich nur der Weg der kollektiven Haftung und schmerzhaften Erfahrung.

      • Skyjumper sagt:

        Es braucht nicht nur die von Ihnen angesprochene „kritische Masse“, sondern es bräuchte zunächst einmal überhaupt die (juristischen) Möglichkeiten, dass diejenigen die Eigenverantwortung, Leistungswillen und Visionen haben, dies auch umsetzen DÜRFEN.

        Ob Rentenversicherung, Krankenversicherung, Arbeitslosenversicherung, autarke Eigenversorgung, Pflegeversicherung, Helmpflicht, Drogenverbote, Verbraucherschutz, Kindergarten-fast-Pflicht und und und. Es gibt ein nahezu unendliches Geflecht an Vorschriften und gesetzlicher Zwänge die uns mit Gewalt aus der Eigenverantwortung rauszwingen.

        Die Probleme und deren Zuspitzungen sind sämtlichst selbstgeschaffen.

    • Bankhaus Rott sagt:

      Hallo Skyjumper,

      ja, der von Ihnen zitierte Satz ist in der Tat bemerkenswert.
      “The conditions for success are strong, but also Need to be weighed against the risk of the alternatives, which include repudiating public debt or inflating it away……“

      Interessant auch, dass man bei den Alternativen den Fokus auf die Risiken richtet, bei der Enteignung hingegen auf die Chancen. Ähnlichkeiten zum Thema Euro sind sicherlich zufälliger Natur …

      Beste Grüße, ein schönes Wochenende
      Bankhaus Rott

  2. wolfswurt sagt:

    Um voraus schauen zu können muß man zurückschauen.
    Also werfen wir einen Blick auf das Jahr 1917, 1944 und 1988.
    Der Ort auf den wir schauen ist Deutschland.

    1917
    Kaiserliche Propaganda läuft auf Hochtouren. Die Bevölkerung war noch begeistert.
    Die Bürger gaben Gold für Eisen. Zeichneten Kriegsanleihen und gaben ihr Erspartes.
    Nur Wenige erkannten die sich abzeichnende Niederlage.
    Niederlage trat ein. Eisen war futsch und die Anleihen ebenso.
    Hunger und Krankheiten waren die Quittung.
    Der Kaiser floh und lebte in Holland froh.

    1944
    Propaganda lief auf Hochtouren. Die Bevölkerung war ob der angekündigten Wunderwaffen noch begeistert und glaubte an den Endsieg.
    Die Städte waren zerstört der Nahrungsmangel zeigte sich über Lebensmittelmarken.
    Kriegsanleihen wurden gezeichnet mit Erspartem oder in die Gundbücher genommen.
    Die Alten und Jungen fanden sich zum letzten Aufgebot in dem Glauben an den Sieg zusammen(Volkssturm).
    Der Endsieg trat nicht ein. Es kam größte Not mit Hunger, Seuchen, Wohnungsmangel und Entwertung aller Vermögen.
    Hitler ging von Bord und lebt bei manchem im Geiste fort.

    1988
    Die Propaganda des ZK läuft auf Hochtouren. Die Bevölkerung war zu großen Teilen von der Richtigkeit des realexistierenden Sozialismus noch überzeugt. Der Glaube an den Staat war trotz Mangel an allem fest verankert. Der Sieg des Sozialismus über den Kapitalismus war fester Bestandteil in den Köpfen. Die sozialistische Ideologie beherrschte, neben dem Beschaffungsdruck nach Gütern den Alltag.
    Der realwirtschaftliche Niedergang fand sehenden Auges statt ohne den gesamten Staat und die Ideologie in Frage zustellen.
    32 Tage vor dem 9.November 1989 am 7.Oktober fand in Berlin die Parade zum Gründungstag der DDR statt, mit aller Politprominenz auf dem Podium.
    An diesem Tage wurde zum letztenmal der Sieg des Sozialismus über den Kapitalismus verkündet unter bestelltem Jubel der Bevölkerung.
    Das Ende der DDR mit organisatorischem Chaos und Zusammenbruch der Realwirtschaft wurde nur abgemildert durch die Stärke des großen Bruders namens BRD.
    Honecker ging nach Chile von Bord und Schalck-Golodkowski lebte bis zum Tode am Tegernsee fort.

    Wir haben 3 Verschiedene Systemzusammenbrüche und doch scheint sich alles zu gleichen.
    Hört man heute die Reden der damaligen Propagandisten und ihrer Auftraggeber, so stellt sich unweigerlich die Frage nach deren geistigen Gesundheit.

    Die Situation der Gegenwart ähnelt dem letzten Jahr vor dem jeweiligen Systemabbruch.
    Die Propaganda läuft auf Hochtouren. Die Bevölkerung unterliegt dem Beschaffungsdruck nach Geld. Der Glaube an den Staat ist fest verankerter Bestandteil. Siehe letzte Wahl. Geld ist Gott. Heilig sind die Finanzstrukturen.
    Nur Wenige sind sich über den wahren Zustand im klaren. Dieser Austausch findet überwiegen im Internet statt. Die Straße bleibt ruhig.

    Hört und liest man 2033 die Propagandareden von heute, so stellt sich unweigerlich die Frage nach der geistigen Gesundheit ihrer Verkünder.

    • Skyjumper sagt:

      Guter und überaus passender Vergleich soweit es 1917 (1918) und 1944 (1945) betrifft. Hinter 1988 (1989) würde ich ein Fragezeichen machen wollen, denn dort war es im Gegensatz zu den vorherigen Beispielen dann doch der Druck des Volkes der die herrschenden Zustände veränderte, und das kurz BEVOR der Zusammenbruch dafür sorgen konnte. Das sehe ich für das Deutschland der Gegenwart noch nicht.

      Sie schreiben „Geld ist Gott“. Für viele, sicher für die Mehrheit hat Geld gottähnliche Bedeutung, ja. Allerdings ist das bereits durch alle Epochen hindurch so. Doch der wahre Gott den wir heute (fast) alle nahezu kritiklos anbeten (müssen) ist die Demokratie. Und das obwohl sie sich seit ihren Kindertagen deutlich verändert hat und aktuell mehr denn je einer Diktatur der Mehrheiten über die Minderheiten gleicht.

      • wolfswurt sagt:

        1988 ist das System nach 40 jähriger Friedenszeit implodiert.
        1917/1944 ist rückblickend der Kriegsausbruch der eigentliche Systemzusammenbruch gwesen.
        Das Kaiserreich war 1914 schon erschöpft und das 3.Reich schon 1939.
        Die beiden Kriege waren Systemverlängerung.

        2009 ist der Systemzusammenbruch ja auch schon erfolgt.
        Die Maßnahmen seit diesem Jahr bis heute sind dem 1. und 2. Weltkrieg gleichzusetzen.
        Systemverlängerung per Finanzkrieg.

        • Skyjumper sagt:

          Interessante These die Sie da aufstellen. Man könnte das durchaus mit Daten unterfüttern. Allerdings erscheint es mir persönlich dann doch zu konstruiert. Vielleicht scheue ich aber auch einfach nur die Konsequenzen die sich daraus ergeben würden.

          • wolfswurt sagt:

            Die Frage ist: Warum gibt es Kriege?

            Ein System, ob Königstum, Diktatur oder Demokratie ist im Aufbau innerlich gefestigt stark und sich selbst genug.
            Im Verfall/Niedergang innerlich marode, schwach und weil es seine Probleme nicht mehr zu lösen vermag, richtet es den Blick auf einen inneren Gegner oder äußeren Feind.
            In dem einen Fall Bürgerunruhen oder Bürgerkrieg, im anderen Krieg mit äußerem Feind.
            Krieg wird immer aus Notwendigkeiten geführt.
            Krieg ist immer Ausdruck von Aggression.
            Aggressives Verhalten bei einem Kind bewertet die Gesellschaft als schwach und hilfsbedürftig. Die allgemeine Einstellung sagt, dem Kind muß geholfen werden.
            Wie im Kleinen ist es auch im Großen.

            Heute ist Krieg zwischen der Finanz/Politebene und den Bürgern.
            Die Kriege des Westens/NATO gegen den Rest der Welt sind ebenfalls Zeichen von Schwäche und Verfall.

    • Gandalf sagt:

      Super Kommentar @wolfswurt – und die Darlegung „in Reimen“

      Zu Ihrer Frage warum es Kriege gibt, gibt vlt. folgender hochinteressanter Artikel von Jörg Gueid Hülsmann eine Antwort:

      Vom Nutzen der Ungleichheit – und warum ideologische Gleichmacherei in die Katastrophe führen muss:

      http://ef-magazin.de/2013/10/15/4576-wirtschaft-und-ethik-vom-nutzen-der-ungleichheit-der-menschen

  3. Michael sagt:

    Bei mir stößt das Thema nicht auf Interesse. Der IMF hat immer so tolle Ideen. Vollgeldreform letztes Jahr. Das sind Esoteriker, sie sind wegen zu hoher Nähe zur Realität aus dem Elfenbeintrum ausgezogen.

    Volle Zustimmung, sperrt den IMF zu … und die Weltbank zur Vorsicht gleich mit.

  4. JayJay sagt:

    Der IWF hat erstmal was in den Raum geworfen, um zu testen wie darauf reagiert wird. Da ein Massenaufschrei ausbleibt, wird in nicht all zu ferner Zukunft, diese Maßnahme durchgeführt und die meisten Bürger werden es noch begrüßen.

    Gold & Silber Ahoi

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