Italien vor dem Bankrott?

27. Dezember 2008 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

Dass man in Italien immer gerne mehr Geld ausgibt, als man einnimmt, das ist nichts Neues. Dass die Lage der Finanzen viel angespannter ist als in Deutschland, überrascht auch keinen. Dass aber jetzt der italienische Arbeits – und Finanzminister das Wort „Bankrott“ in den Mund nehmen, lässt die Europäer aufhorchen. Zurecht. Einer muss ja den Anfang machen…

Die Aussagen von Italiens Arbeitsminister Maurizio Sacconi dürften die Alarmglocken im Turm der EZB noch etwas stärker zum Läuten bringen, als sie ohnehin schon tönen, nachdem italienische Staatsanleihen 2008 dem Anleger nur Ärger bzw. Verluste eingebracht haben. Dabei hatte Ministerpräsident Berlusconi unlängst noch tief in die Kiste des Zweckoptimismus gegriffen, als er über die Lage der Nation redete. Jetzt aber fallen ihm Arbeits – und Finanzminister in den Rücken. Arbeitsminister Sacconi sagte, dass Italien in den Bankrott schlittern und dasselbe Schicksal wie Argentinien erleiden könnte. Die Rezession haben die Italiener schon. Nun auch noch einen Staatsbankrott? Ein harter Test für den Euro… Sacconi hält diese These für nicht wahrscheinlich, aber ausschließen kann er ihn aber nicht, berichtet der Standard.

Die Schläge für Investoren, die italienische Staatsanleihen besaßen, wurden im Verlauf des Jahres 2008 immer stärker. Die Aufschläge im Vergleich zu den deutschen Staatspapieren weiteten sich immer heftiger aus. Nun stellt sich heraus, dass neue itanienische Anleihen zum Teil nicht mehr verkäuflich sind, berichtet eine italienische Finanzzeitung

Ben due aste Btp per specialisti su tre ieri sono andate deserte, mentre la terza ha visto una richiesta di solo poco più di un terzo dell’ammontare offerto. Un buco nell’acqua insomma per il Tesoro, che non è riuscito a collocare la 6° e 7° tranche da 150 milioni di euro di …

Übersetzung

Gestern sind gleich zwei von drei Btp-Versteigerungen (Btp=Buoni del tesoro poliennali = Staatsschatzscheine mit mehrjähriger Laufzeit leer ausgegangen und die dritte Versteigerung sah nur eine Nachfrage von etwa 1/3 des Angebots. Für das Schatzministerium also ein Schlag ins Wasser, da die 6. und 7. Tranche zu je 150 Mio. Euro nicht placiert wurden …“

2009 wird es eng – sehr eng

220 Milliarden Euro muss Italien im kommenden Jahr refinanzieren. Andere Zahlen (Bloomberg) gehen von 310 Mrd. Euro für 2009 und 164 Mrd EUR für 2010 aus.

Zurückzahlen ist ohnehin nicht möglich, ähnlich wie in einem Schneeballsystem. Also braucht man Investoren, die sich das Risiko antun wollen. Dabei steht Italien gleichzeitig auch im Wettbewerb mit „besseren“ Schuldnern (Staaten), die von Ratingagenturen weit besser bewertet werden, als der Stiefelstaat (A). Deshalb ist der Aufschlag für italienische Staatsanleihen gegenüber den Bunds (AAA) auf 133 Basispunkte gestiegen. (Griechenland +225 Bps gg. Bunds)

Deutschland hat auf dem internationalen Schuldenmarkt die noch günstigeren Karten: Besseres Rating (AAA) und geringere Verschuldung (63% des BIP). Damit lassen sich die für 2009 benötigten 323 Mrd. Euro !!! noch einfacher hereinholen, als es die italienischen Freunde können.

Wirtschaftsminister Giulio Tremonti wies darauf hin, dass Italien das Land mit der drittgrößten Staatsverschuldung der Welt sei und dass die Gefahren für Italiens Staatsfinanzen weniger vom Haushalt als vom Finanzmarkt ausgingen. Weniger Sorgen bereite ihm die private Verschuldung, die hier unter dem EU-Schnitt liege.

„Sollte eine Emission kurzfristiger Staatsanleihen fehlschlagen, würde dies für den Staat ein Desaster bedeuten“, heißt es im italienischen Wirtschaftsministerium. Italiens Schulden machen derzeit 104% des BIP aus, die drittgrößte Verschuldung der Welt, wie der Finanzminister betonte.

Italien hatte vor der Euro-Einführung den Vorteil, dass die Lira immer weiter abgewertet werden konnte. Diesen Vorteil hat das Land mit dem Euro verloren. Im Gegenteil – die Währung ist stärker geworden, während der Wettbewerbsvorteil verlorenging.

Wird Italien aus dem Euroverbund aussteigen? Einer muss ja anfangen. Aber dass es Italien sein wird, ist eher unwahrscheinlich. Das Land hätte zwar die Größe für eine eigene Währung, doch hätten die Italiener ihre Lira wieder, wäre auch der Tag der Abrechnung für die aufgelaufenen Schulden in Billionenhöhe gekommen. Das ist schlicht unmöglich. Binnen weniger Tage käme wohl der Staatsbankrott. Italien kann sich den Ausstieg aus dem Euro überhaupt nicht leisten.

Doch ein paar Fragen sind offen: Wer besitzt diese Anleihen? Wo stecken Sie? In Altersvorsorgeprodukten? Weil Anleihen ja so sichere Häfen sind? Vermutlich.

Nachtrag

Der italienische Wirtschaftsminister Giulio Tremonti hat entschieden dementiert, dass Italien wegen der dramatischen Mischung aus Rezession und gewaltiger Verschuldung mit einem Staatsbankrott enden wird. „Wir werden nicht wie Argentinien enden“, versicherte Tremonti und appellierte an die Italiener, Staatsanleihen zu kaufen, die derzeit „sicherste und solideste Anleihe überhaupt“ seien.

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