Italien – war das Absicht?

12. Juli 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

Ach du meine Güte. Herrje. Auweiauwei. Schlimm. Das konnte ja aber auch keiner ahnen, dass Italien so nah am Abgrund steht, gell? Stimmt. Niemand konnte das wissen … außer ca. 100,0% aller ein wenig vernünftigen Anleger, die sich bezüglich der Entwicklung der EU schlau gemacht und sich Gedanken gemacht haben…

von Ronald Gehrt

Die Kurse der italienischen Anleihen fallen seit Dezember 2010, sprich das Zinsniveau italienischer Bonds steigt seitdem. Die Kurse italienischer Banken fallen seit Januar, hier am Beispiel der Unicredito in Relation zum Euro Stoxx 50, in dem sie notiert ist, Stand Dienstag 14:00 Uhr. Dass hier der Baum brennt, hätte also absolut jeder wissen können. Gut, die Anleger waren zuletzt ja Weltmeister darin, negative Aspekte einfach vom Tisch zu wischen, obwohl man sie ihnen um die Ohren schlug. Warum also nicht auch die Ausbreitung der Krise auf größere EU-Länder ignorieren. Aber warum reagiert man dann jetzt auf einmal so hysterisch? Die Kurse der Italo-Banken und –Bonds fielen doch eh seit Wochen. Aber erst jetzt reagieren auf einmal alle Aktienmärkte, beim Bund Future gibt es eine Kaufpanik, der Euro schmiert ab. Warum?

Die Antwort, dass alle Anleger, die negative Fakten ignorieren, panisch reagieren, wenn sie von offizieller Seite gesagt bekommen, dass es da wirklich ein Problem gibt, trifft den Kern nicht. Das ist so, sicher … aber dahinter verbirgt sich die Frage, wieso die EU-Finanzminister das Thema Italien jetzt auf den Plan gebracht haben … und warum sie es auf diese Weise taten! Wenn man jetzt, einen Tag nach dieser überraschenden Entwicklung, mal genau nachdenkt, gibt es da nur zwei mögliche Antworten:

Entweder die EU nebst ihre Mitgliedsländer werden von ausgemachten Dummköpfen geführt, die von einer Horde Schimpansen ersetzt werden könnte, ohne dass man es merken würde. Oder es war Absicht, mit dem Ziel, die EU unauffällig in den Prozess der Demontage übergehen zu lassen. Das klingt harsch, aber überlegen wir doch mal:

Noch ist Italien ja nicht in einem Stadium wie Griechenland oder Portugal. Und Politiker, die es bis zum Amt eines EU-Granden oder Finanzministers geschafft haben, wissen ganz genau, dass einem jedes Wort herumgedreht wird und man bei heiklen Themen die Klappe halten muss. Wer das nicht lernt, kommt als Politiker gar nicht erst so nicht weit. Es wäre also klug und gar kein Problem gewesen, das Problem Italien erst einmal intern hinter verschlossenen Türen zu besprechen. Oder in dem Moment, in dem es nach außen dringt, auch gleich mit einer Lösung daher zu kommen… (Seite 2)

Homepage von Ronald Gehrt

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7 Kommentare auf "Italien – war das Absicht?"

  1. Andre sagt:

    Wieder einmal ein hervorragender, klar strukturierter Kommentar von Herrn Gehrt – Vielen Dank!
    Besser als „Ach du meine Güte. Herrje. Auweiauwei. Schlimm. Das konnte ja aber auch keiner ahnen, dass Italien so nah am Abgrund steht, gell? Stimmt. Niemand konnte das wissen … außer ca. 100,0% aller ein wenig vernünftigen Anleger, die sich bezüglich der Entwicklung der EU schlau gemacht und sich Gedanken gemacht haben…“ kann man es nicht auf den Punkt bringen!
    In Ihrer Schimpansen Analogie:“Entweder die EU nebst ihre Mitgliedsländer werden von ausgemachten Dummköpfen geführt, die von einer Horde Schimpansen ersetzt werden könnte, ohne dass man es merken würde.“ tuen Sie den Schimpansen unrecht! Ich glaube wenn die am Ruder wären, wäre es nicht so katastrophal!
    In diesem Sinne

  2. Burattino sagt:

    Liebe Bankhäusler, ich lese hier schon recht lange mit, und kann nur sagen – sehr informativ.
    Allerdings seht ihr die Sache viel zu pessimistisch, denn bald gibt es echtes Geld, – und das aus Italien. 🙂

  3. wolfswurt sagt:

    Dummheit oder Kalkül?
    Kalkül setzt Fähigkeit voraus die sich auch in allen anderen Bereichen zeigen müßte.
    Fähigkeit tritt nur bei biologisch, also physisch und psychisch, gesunden Lebewesen zu Tage.
    Das Problem ist, daß der geistig Erkrankte von seiner vorzüglichen Gesundheit überzeugt ist.
    Kalkül?

  4. Johannes sagt:

    Für mich ist derzeit auffällig, dass ziemlich stark auf Europa eingeprügelt wird.

    Italien ist nur ein Beispiel, dann fast schon täglich Rating- Abwertungen bei den PIGS, sei es Portugal, Irland und zuletzt wieder mal Griechenland.

    Viel, sehr viel Wirbel um an sich Bekanntes. 😉

    Da frage ich mich immer, wovon soll abgelenkt werden?

    Und da komme ich auf den „Verursacher“ dieses Spiels himself, den USA!

    Lange haben die nicht mehr Zeit, um Ihre Schuldenobergrenze anzuheben, bzw. eine Einigung zu erzielen, meines Wissens nach nur noch bis 22. Juli, also 9 Tage, weil das ganze ja auch noch durch den Kongress oder so muss.

    Demokraten und Republikaner sind scheinbar mehr denn je zerstritten und auch von seiten der Ratingagenturen macht sich scheinbar schon Nervosität breit. Warum sonst die Drohung einer Abstufung auf „D“ bei Nichteinigung?

    Die Nervosität muss meiner Meinung nach enorm hoch sein, wenn schon mit allen Geschützen drauf los geschlagen wird.

    Bin wirklich gespannt, ob die sich wirklich einigen können, die Amis.

    Jeder glaubt daran, ich bin mir da nicht so sicher.

  5. Gernot sagt:

    Ich glaube, der Anlaß, sich näher mit Italien zu beschäftigen, war, daß S&P etwa am 05.07. vor einer Herabstufung der italienischen Bonität gewarnt hat und den Ausblick auf negativ gesenkt hat.

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