Ist Zeit wirklich Geld?

28. Dezember 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Na, was für ein Fest aber auch! Ist denn diese Börsen-Party jetzt plötzlich vorbei? Die Kappelle spielt doch noch! Zumindest bleibt uns das auch im nächsten Jahr erhalten, nur etwas lauter. Aber was war das denn?

Von den einst gefühlten 45 Prozent Plus beim DAX sind jetzt nur noch acht Prozent übrig. Besser als nichts, aber hat sich dafür das ganze Geschrei gelohnt, ob es aufwärts oder abwärts mit den Kursen gehen würde? Die Börse ist Teil des öffentlichen Spektakels. Und die Experten wollen ja für ihre Wichtigkeit auch noch bezahlt werden.

Letztlich aber hat der DAX in etwa nur das gewonnen, was der Euro verloren hat. Mehr Kaufkraft wird es auch 2016 nicht geben. Aber hoffen kann man ja auch im nächsten Jahr, reich zu werden mit nominalen Zahlen. Real wird das schon etwas schwieriger. Dieser Glaube an die Zahl versetzt sogar gigantisch große Geldberge. Im nächsten Jahr wird man von allen Seiten wohl noch stärker bedrängt, seine Ersparnisse umzuschichten. Die Finanzindustrie lebt davon … und davon, ihre Träume verkaufen zu können an Leute, die Träume nötig haben.

Nun denn… diese kleine weihnachtliche „Sommerpause“ im Duft der ersten Schneeglöckchen mit Bienen auf japanischen Zierquitten und Kaltgetränken statt Glühwein bietet doch noch ein paar Tage Gelegenheit zum Nachdenken, wie man sich künftig positionieren möchte. 

Ich fasse mich kurz: Bleiben Sie flüssig, am besten bar. Keine Schulden machen! Hier ein paar Aktien, dort ein paar Edelmetalle. Und vor allem: Die Dinge einfach und übersichtlich halten. Lassen Sie nichts liegen, woran man sich vergreift, und zwar gesetzlich beschlossen, wenn wieder mal eine Bank kippt. Heute nennt man das „Bail in“. Früher nannte man das Raub.

Was ich noch fragen wollte, in diesem alten 2015: Wie sieht es aber mit der Zeit aus? Es heißt doch, Zeit sei Geld… Nein? Sagen Sie das mal einem Billiglöhner. Zeit ist etwas Besonderes, ohne dass man ihren Wert feststellen kann, da scheinbar unbegrenzt und immer vorhanden…

Zeit wird nicht erarbeitet, sie wird geschenkt, auf das Lebenszeitkonto gebucht und tickert dann nach und nach weg. Wir geben sie meist gedankenlos aus. Dabei entwickelt sich der Wert eines Lebenszeitkonto wie die Kaufkraft des Geldes.

Dazu kommen die Zeit-Diebe, welche es verstehen abzulenken, zu unterhalten und zu täuschen. Es sind Diebe, die die persönliche Rendite schmälern. Im Gegensatz zur Börse ist diese Rendite positiv steuerfrei. Übrigens kann man Zeit besonders in diesen Tagen auch verschenken. Ein echtes Gut in einer Zeit, in der Zeit keine Zeit hat. Was hat man schon, wenn man Geld hat, aber keine Zeit mehr?

© Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten (Langfassung)

 

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10 Kommentare auf "Ist Zeit wirklich Geld?"

  1. Dave sagt:

    Lieber Herr Meyer,
    vielen Dank für Ihre allwöchentliche Kolumne.
    Ich stoße mich bei Ihnen allerdings ab und zu an Aussagen wie „Heute nennt man das „Bail in“. Früher nannte man das Raub.“ – wenn ich mein Geld auf ein Bankkonto lege, dann gebe ich es der Bank als Kredit und dieser kann natürlich ausfallen. Dass 95 % der Bevölkerung das so nicht wissen, schützt im Zweifel (also beim Bail-in) natürlich nicht vor Strafe (also Verlusten). Wäre es nicht besser darüber aufzuklären, was Geld auf dem Bankkonto ist (nämlich eine Forderung gegen die Bank) als dem Nichtwissen auch noch eine Rechtfertigung zu geben, indem man einen Bail-In mit einem Verbrechen vergleicht?
    Beste Grüße

    • Frank Meyer sagt:

      Hallo Dave,

      das haben wir hier schon oft….

      Viele Grüße

    • Argonautiker sagt:

      @Dave

      Also ich finde, das kann man schon als Raub bezeichnen, denn theoretisch könnte man zwar sein Geld vom Konto nehmen, praktisch wäre man damit aber Geschäftsunfähig. Wenn man also um praktisch Geschäftsfähig zu sein, ein Konto braucht, man mittels Bail in aber seitens eines Regierungserlasses darauf zugreifen kann, was soll das denn sonst sein als Raub?

      Wäre es so, daß Barzahlungen und Lohntüten, noch genauso üblich wären, dann würde zu dem stimmen, was Sie sagen, aber man ist ja quasi gezwungen der Bank sein Geld zu leihen, denn in einem großen Teil des Handels, sind Bares, oder Edelmetalle, eigentlich nicht mehr möglich.

      Bargeld ist zwar immer noch gesetzliches Zahlungsmittel, allerdings findet dieser Bargeldverkehr eher in Einzelhandel statt. Ich weiß gar nicht, ob man darauf bestehen könnte, sich vom Arbeitgeber den Lohn bar auszahlen zu lassen?

      Möchte auch mal das Gesicht des Zulieferers einer Firma sehen, wenn sie ihm zum Beispiel für die 1000 gelieferten Reifen, Bargeld in die Hand drücken wollen.

      Den Umstand, daß ein Bargeldverkehr in sehr vielen Bereichen eigentlich nicht mehr geht, offiziell aber angenommen werden muß, haben sich ja einige GEZ Verweigerer zu nutze gemacht, und von der GEZ eine Einzahlungsstelle verlangt, wo sie den Beitrag bar einzahlen können. Ich bin da nicht so ganz auf dem Laufenden, wie der Stand der Dinge da jetzt ist, aber es hat die GEZ durchaus ins Straucheln gebracht, da sie keine Einzahlungsstellen für Bargeld hatten, und wohl auch nicht gewillt waren, die einzurichten.

      Schöne Grüße

      • Dave sagt:

        @Argonautiker:
        Ein ganz klares Jein. Sie haben völlig Recht mit ihren Beobachtungen, dass ich mit aller (staatlicher) Gewalt in die Hände der Banken und ein elektronisches Bezahlsystem getrieben werde, keine Frage.
        Allerdings – warum soll mir keine Bank ein Konto anbieten, in der sie das Geld tatsächlich nur verwaltet. Keine Zinsen, im Gegenteil kosten für die Dienstleistung die sie mir erbringen, dafür wird dieses Geld aber auch nicht ausgeliehen. Wäre nicht unmöglich, wird aber einfach nicht nachgefragt. Deswegen kann man dem Verbraucher einfach nicht von der Schuld freisprechen und ihm die Rolle eines (Raub-)Opfers zukommen lassen, in meinen Augen zumindest.
        Beste Grüße

        • Argonautiker sagt:

          @Dave

          Die Frage würde ich mal an Sie, beziehungsweise die Banken zurückgeben. Warum bieten Banken denn so eine Art Konto nicht von sich aus an? Sie bieten doch die ganzen anderen „Schweinereien“ neben den Kontoführungen, auch aus sich an? Es ist durchaus an der Tagesordnung, daß ich seitens der Banken die verlockendsten Kredit-, Anlege-, Spekulationsangebote und, und, und, bekomme.

          Ich vermute mal, daß man mit den “ süßen Schweinereien“ einfach besser verdient, WEIL man da die Unkenntnis des Nutzers, zusätzlich noch verzigfachen kann, so man denn will und den Nutzer schwindelig reden kann, um so besser ins eigene Täschle wirtschaften zu können, so man das denn will.

          Die Art Konto, welche Sie vorschlagen, könnte man ja schon fast also handwerklich bezeichnen, sprich dieser Konto Anbieter müßte ja im Verhältnis zu seinem Lohn etwas überschaubares leisten. Vielleicht liegt es daran, daß man das aus sich nicht so gerne anbietet.

          Andererseits ist es ja auch derzeit schon so, daß man für sein Konto etwas bezahlt. Also meine Bank macht das nicht umsonst. Also derzeit nutzt man das Geld der Kontoinhaber und läßt sie noch dafür bezahlen. (klar es gibt auch gebührenfreie, ist aber nicht die Regel)

          Nee, Nee, Nee, Bail in, ist vielleicht kein Raub, im Sinne des Strafgesetzbuches, weil das setzt glaube ich auch körperliche Bedrohung voraus, aber es ist schon ein ungenehmigtes in die Tasche greifen, also gesetzlich legitimierter Diebstahl, was eigentlich ein Absurdum ist. Aber derzeit ist unsere Welt nun mal so. Auf einem guten Weg zum globalen Absurdistan. 🙂

          Schöne Grüße

          Beste Grüße

  2. bluestar sagt:

    Endlich wieder so tolle Fotos, die schönsten Dinge des Lebens sind eigentlich so nah und sogar ohne Falschgeld erhältlich.
    „Ich fasse mich kurz: Bleiben Sie flüssig, am besten bar. Keine Schulden machen! Hier ein paar Aktien, dort ein paar Edelmetalle. Und vor allem: Die Dinge einfach und übersichtlich halten.“
    Genau !
    Kleine Ergänzung noch am Rande : Schützen Sie Ihren Verstand vor MS-Zeitungen, Staats-TV, Kriegspropaganda und sonstigem geistigen Terror, damit sie auch in Zukunft klar denken können.

  3. Michael sagt:

    Sell in December and never remember.

    Die Arbeit des Menschen ist nicht bewertbar, das sollte eigentlich jedem klar sein der sich mit dem Prozess der Zerlegung in arbeitsteilige Bewirtschaftung hat beschäftigt. Finanzvermögen resp. Einkommen repräsentieren just jene Güter die in der Privatsphäre des Haushalts nicht mehr hergestellt werden. Man sollte dabei nicht vergessen, dass eigentlich ursprünglich die Menschen *freiwillig* sich auf einer Felsplatte trafen um mehr Güter bereitzustellen als jeder Einzelne könnte bereitstellen (Betrieb im Handel und produzierenden Gewerbe) und da auf dieser nichts wuchs das Unternehmen wurde geschaffen um Investitionsgüter herbeizutauschen und gedanklich auch die ‚Beeren‘ auf dem kargen Feld gedeihen zu lassen. Tja. So ist Welt und so ist das Geld hat nicht alles. Ich denke es wäre an der Zeit sich wieder des *freiwillig* zu besinnen, wenn wir von Billiglöhnern sprechen, die haben ihre Zeit auch nicht gestohlen, denn selbst die ewige Jugend kann man sich nicht herbeitauschen. Naja, mit viel Makeup herbeitäuschen, aber das wäre dann schon sozialistisch.

  4. Michael sagt:

    Frohes Fest! Ich bin zwar nicht ganz bei den ersten Glückwünschenden, aber sie bemühen sich einen Blog zu betreiben der wirklich sehr informativ ist und bleibt. Gruß und Glückwunsch auch an Bankhaus Rott.

    Hat er gekonnt analysiert die ’schwindlichen‘ Unternehmensanleihen. Einen Hedge Fonds hat es erwischt bei dem Thema – illiquide Unternehmensanleihen … wenn ich mich nicht verlesen habe.

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