Ist Ihr Geld sicher?

1. Juli 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Bill Bonner

Was in Argentinien geschehen ist, konnten wir auch auf Zypern beobachten. Die Regierung dort (in Zusammenarbeit mit den Banken) hat die Bedingungen des Deals geändert – plötzlich und, für die Kontoinhaber, katastrophal. Bei den großen Kontoinhabern – mit über 100.000 Euro auf der Bank – haben sie einen Schnitt gemacht, bei dem ihnen nur noch ungefähr die Hälfte ihrer Ersparnisse geblieben ist.

Wieso? Die Banken Zyperns hatten griechische Staatsschulden gekauft. Der Einbruch dieser Anleihen (auch dann konnten die Griechen nicht zahlen) trieb die Banken nahe an den Bankrott. Dieser Verlust war sehr real. Wer musste am Ende dafür bezahlen? Die Banken, die diese schlechten Investitionen veranlasst hatten? Die Regierung, welche die Banken reguliert und sie dazu zwang, diese Anleihen zu kaufen?

Keineswegs. Die Kontoinhaber waren es!

Unschuldig, doch vielleicht etwas naiv, wurden die Kontoinhaber skalpiert. Und jetzt treffen die griechischen Anleger – zumindest die Klugen unter ihnen – ihre Vorsichtsmaßnahmen. Allein in der vergangenen Woche haben sie drei Milliarden aus dem Verkehr gezogen – das ist etwa ein Viertel aller Einzahlungen für ein Jahr. In den Vereinigten Staaten gab die FDIC (Federal Deposit Insurance Corporation) den Mitgliedsbanken die Garantie von individuellen Einzahlungen von bis zu 250.000 Dollar.

Wie gut ist diese Garantie? Unter Druck bekommen alle Arten von Dingen, die man für garantiert hält, auf einmal ein Fragezeichen am Ende des Satzes. Was sind die Sicherheiten der Banken wirklich wert? Wie viel hat die Bank in Reserve? Wie viel hat die FDIC? Wie lange werden wir auf unser Geld warten müssen? Wie viel wird es dann noch wert sein? Was werden wir in der Zwischenzeit machen?

Nun, Sie werden vielleicht auch Vorsichtsmaßnahmen treffen wollen.

Mein neuer „Trade des Jahrzehnts“ zahlt sich aus

„Abwarten“ ist weiterhin das Gebot des Tages. Wir warten, was in Griechenland passiert. Und wir warten darauf, was an den Anlegermärkten geschehen wird. Haben die Anleihen ihren Höhenpunkt überschritten? Schwer zu sagen… Die Fed und andere große Zentralbanken haben in den letzten sechs Jahren die schlechte Situation noch schlimmer gemacht. Indem sie versprachen, die Kosten für tragende Schulden ultraniedrig zu halten, haben sie die Regierungen und Unternehmen dazu ermutigt, einer Schuldendurchtränkten Wirtschaft weitere zigtausend Dollar an Schulden aufzudrängen. Bis vor kurzem sind die Anleihenkurse gestiegen. Mit Sicherheit wird sich dieser Trend umkehren. Und während wir warten, betrachten wir einmal meinen „Trade des Jahrzehnts“.

Arm, verlassen und verwahrlost

Die regelmäßigen Leser wissen, dass das Konzept einfach ist…. Man kauft, was lange Zeit abwärts gegangen ist und man verkauft, was ansteigt. Oder, um es mit anderen Worten zu sagen: Man kauft, was billig ist und verkauft, was teuer ist. Mein Ursprünglicher Trade des Jahrzehnts – Gold kaufen und amerikanische Aktien verkaufen – hat gut funktioniert. Zwischen 2000 und 2010 ist Gold um 289% gestiegen und der S&P 500 um 23% gefallen. Doch es wurde Zeit, weiter zu machen. Das Gold war nicht länger günstig und die amerikanischen Aktien stiegen an.

Also schaute ich mich um. Was war günstig? Was war teuer? Und dort, versteckt in einer Ecke, war der arme, verlassene und verwahrloste japanische Aktienmarkt. Nach einem 20jährigen Baissenmarkt wurde der Nikkei – das japanische Äquivalent zum Dow – unter 10000 Punkten gehandelt. Ein großer Abfall von 39000 Punkten im Jahr 1989. Über Japan wusste ich nichts… genauso wenig über japanische Aktien. Doch sie sahen aus, als bräuchten sie einen Freund.

Und da ich mich immer zum Underdog hingezogen fühle, zu den Eingefleischten, den hoffnungslosen Fällen, habe ich beschlossen, dass es Zeit war, dem Nikkei freundschaftlich auf die Schulter zu klopfen.



Showdown in Europa
von Bill Bonner

Zurück in Europa ist es wie ein Showdown in einem alten TV-Western. Griechenland auf der einen Seite, Deutschland auf der anderen. Beide stehen sich auf der Straße gegenüber, abwartend, dass der andere blinzelt oder seine Waffe zieht. Und sie warten…und warten… Die eine Deadline geht vorüber. Die nächste kommt auf sie zu.

Wenn ich Geld in Griechenland hätte, würde ich definitiv sicher gehen wollen, dass mein Reisepass aktualisiert ist und meine Ersparnisse außerhalb des Landes kommen. Offenbar gibt es eine Menge Griechen mit der gleichen Idee. Das Wall Street Journal berichtete, dass die Kapitalabflüsse sich innerhalb der letzten vier Jahre verdoppelt haben.

Die Investitionsgelder stimmen ab – und verlassen das Land. Die großen Banken sind private Unternehmen. Doch sie sind so eng mit der Regierung verknüpft und unterliegen so strengen Regulationen, dass sie auch öffentliche Versorgungsunternehmen sein könnten. Die Banken sind für schätzungsweise 90% des Geldvolumens verantwortlich. Sie gehen damit um, indem sie einfach ihr Geld verleihen.

Die Banken sind ebenfalls Werkzeuge für die Durchführung der „Öffentlichen Ordnung“ – das wäre dann die unbeholfene und kontraproduktive ökonomische Zentralplanung. Die spielen eine wesentliche Rolle im QE. Die Tageszinssätze zwischen den Banken bestimmten, wohin die Kurzzeitzinssätze gehen. Und die Feds schöpfen die Banken aus, wenn sie in Schwierigkeiten geraten. Sie mögen denken: „Ich habe mein Geld auf der Bank“.

Doch das haben Sie nicht. Ihre „Einzahlungen“ sind in Wirklichkeit Leihgaben an die Bank. Sie leihen der Bank Ihr Geld. Sie stimmt zu, es Ihnen zurück zu zahlen – unter bestimmten Bedingungen. Und die Bank kann diese Bedingungen ändern, wenn sie Rückendeckung von der Regierung bekommt.

Mein Treffen mit dem Präsidenten

Wenn die Krise näher kommt, werden die Feds zuerst die Abhebungen auf einen bestimmten Betrag pro Tag limitieren. Der Betrag wird vernünftig erscheinen; die meisten Menschen werden die Notwendigkeit erkennen und sich nicht belästigt fühlen. Doch eine wachsende Zahl wird die Vorzeichen erkennen… und anfangen, so viel Geld, wie sie nur können, aus dem Verkehr zu ziehen.

Dann werden die Feds das maximale Abhebungslimit reduzieren. Und dann werden sie sämtliche Abhebungen sperren. Wenn Ihre Bank dann wiedereröffnet, könnte Ihr Geld steuerpflichtig geworden sein (ein negativer Zinssatz) oder es könnte in eine andere Währung transformiert worden sein. Das ist genau das, was in Argentinien zu Beginn des neuen Millenniums passiert ist.

Und genau das könnte nun auch in Griechenland passieren. Ich war selbst, auf geringfügige Weise, in die Argentinien-Krise involviert. Es war in den späten 1990ern. Die Regierung von Carlos Menem hatte den Peso an den Dollar gekoppelt. Doch die argentinische Version verletzte wirklich jede Regel, wie eine Währungskopplung vonstatten gehen sollte. Ich besuchte Präsident Menem in der Casa Rosada. (Amerika hat ein Weißes Haus und Argentinien hat ein Pinkes Haus.)

„Werden Sie an dieser Kopplung festhalten?“, fragte ich ihn. „Natürlich werden wir daran festhalten. Es gibt keine Möglichkeit, wie wir das jemals abbrechen könnten. Das ist nun das Herz unserer Wirtschaft. Es ist der Grund, wieso Ausländer so gerne ihr Geld in Argentinien investieren wollen, weil sie wissen, dass die Währung sicher ist. Es der Grund, wieso wir eine so florierende Wirtschaftslage habe.“

Wenige Monate später brach Argentinien die Währungskopplung ab. Die Banken wurden geschlossen. Die Menschen hatten versucht, sich selbst von der Entwertung des Pesos zu schützen, in dem sie Konten in Dollar eröffnet hatten. Doch als die Banken wieder öffneten, entdeckten sie, dass ihre Dollars in Peso umgewandelt worden waren – mit einem Verlust von 66%.

Die Moral von der Geschichte ist, dass die Regierung und die Banken immer zusammen arbeiten, um sich selbst zu schützen – und nicht Sie.


Quelle: Kapitalschutz Akte
Ist Ihr Geld sicher? (von Bill Bonner)
Showdown in Europa (von Bill Bonner)
Weitere Informationen: Investor Verlag

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