Ist der Preis heiß?

17. März 2018 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Nein, es gibt ja keine Inflation und Teuerung erst recht nicht. Zumindest nicht in der Statistik, sondern nur im normalen Leben. Es gibt auch keine Zinsen mehr. Das aber zählt heute im postfaktischen Zeitalter alternativer Wahrheiten nicht mehr. Man sollte doch sein Geld eher ausgeben, raten führende Meinungsexperten. Aber wofür?

Neulich saß ich in einem Frankfurter Restaurant. Ich weiß gar nicht, wie ich da rein gekommen war. Sie wissen ja, ist Frankfurt nicht die billigste Stadt in diesem Land, in dem wir so gut und gerne leben – zumindest wenn man nicht auf die Tafel angewiesen ist wie anderthalb Millionen Menschen.

Wo war ich stehengeblieben? Ach ja… Auf dem Teller vor mir lag ein Schnitzel. Kostenpunkt: 18 Euro. Ein kleiner Salat war noch dabei und eine Portion Bratkartoffeln. Nein, ich saß nicht in einem Nobel-Restaurant. Das sind in Frankfurt „normale“ Preise. Eine Unze Silber kostet derzeit also weniger als ein Frankfurter Schnitzel. Wahnsinn. Ist Silber zu billig oder Schnitzel zu teuer? Wird Silber teurer oder Schnitzel billiger? Wir werden sehen.

Wenn man sich gerade an den Börsen umschaut, wackelt der DAX wie Espenlaub. Es heißt, Aktien wären teuer. Mir erscheint Silber im Vergleich zu anderen Anlagen recht preiswert. Über Gold spricht man öfters, auch wenn es meist Unsinn ist. Gold ist derzeit rund 80 Mal so teuer wie Silber und damit historisch ziemlich teuer. Oder Silber relativ billig. Im Vergleich zu den Aktienmärkten ist Gold wiederum ziemlich billig. Für einen DAX bekommt man derzeit rund 11,4 Unzen oder 355 Gramm Gold bzw. 786 Unzen bzw. 24 Kilogramm Silber. Das muss man erst mal schleppen bzw. verstauen können.

Seit vier Jahren schon bewegt sich der Silberpreis seitwärts und bildet einen breiten Boden aus, sagen Charttechniker. Sein Preis pendelte in dieser Zeit zwischen 13 und 18 Euro pro Unze. Und weil Silber so langweilig geworden ist, redet man wenig darüber im Gegensatz zu DAX, Bitcoin & Co. Die Preise machen eben die Nachrichten und nicht der Wert. Was sich nicht bewegt, wird irgendwann wie ein Verstorbener vergessen. Im Gegensatz dazu steht Silber immer wieder auf. Manchmal genügt dazu eine kleine, aber überraschende Nachricht.

Und was passiert hier? J.P. Morgan kauft seit dem Hoch von 50 US-Dollar pro Feinunze Silber im Jahr 2011 beharrlich das Metall auf. Die US-Investmentbank sitzt inzwischen auf einem Silberberg von 135 Millionen Unzen für einen Gegenwert von 2,2 Milliarden US-Dollar bzw. 1,8 Milliarden Euro – also Peanuts für eine solch große Bank. Warum nur sammelt J.P. Morgan Silber ein? Um es später teurer wieder zu verkaufen? Das würde Sinn machen. Da Silber relativ selten ist, könnte man vermuten, es handelt sich um ein strategisches Investment oder eine strategische Reserve. Wenn J.P. Morgan das macht, warum man nicht auch selbst?

Silber ist wie Gold eine Art von Ersatz für Papiergeld und dessen schwindender Kaufkraft – das weiße Metall dazu ein knapper Rohstoff. Knapp 60 Prozent des geförderten Silbers werden in der Industrie verbraucht. Wenn Experten schon raten, sein Geld auszugeben, kann man es einfach so aus dem Fenster werfen oder ein paar Scheine davon in Gold und Silber tauschen. Während Geld beim Verschwenden weg ist, könnte man später für eine Unze Silber unter Umständen sogar zwei oder drei Schnitzel bekommen, wenn sich das Silber-Schnitzel-Preisverhältnis wieder auf ein Normalmaß eingependelt hat – und wenn sich breitere Kreise fragen, aus welchem Grund J.P. Morgan so viel Silber kauft. Weil es billig ist?

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