Ist das jetzt viel? Oder nur wenig?

5. November 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

In München fand in dieser Woche am Donnerstag und Freitag wieder die jährliche Edelmetallmesse statt. Die Stimmung war eher getrübt. Bitcoins sind in… Gold eher out. Derzeit…

Gold braucht man ja nur, wenn es am Finanzmarkt scheppert. Aber das kann ohnehin nicht mehr passieren, schon gar nicht zu unseren Lebzeiten, wo der DAX über 13.000 Punkten notiert. „Nicht zu unseren Lebzeiten“, um die noch amtierende FED-Chefin Janet Yellen zu zitieren.

Wenn aber in einem See voller Liquidität jedes Boot steigt, müsste auch Gold noch Auftrieb bekommen. Vielleicht ist der Bitcoin auch das neue Gold, also statt Feinunze regieren künftig Stromunzen?

Dennoch sprechen Experten schon von einer Blase. Das taten sie aber auch schon bei 100 und 1.000 US-Dollar. Was werden sie bei 10.000 oder 100.000 US-Dollar pro Strom-Unze sagen? Der Bitcoin kam aus dem Nichts und steht nun bei über 7.000 US-Dollar. War das reiner Zufall? Kennen Sie jemanden, der Bitcoins besitzt? Sehen Sie!

Für einen Bitcoin könnte man derzeit fast 200 Gramm echtes Gold kaufen. Doch wer macht das schon? Kennen Sie jemanden mit Gold? Kaum, nur statistisch gesehen. Laut dem World Gold Council, dem Lobbyverband der Goldindustrie haben die Deutschen im letzten Jahr 187,6 Tonnen Gold gekauft, davon 76,8 Tonnen in angeblich goldgedeckten und börsengehandelten Wertpapieren.

Mancher Experte schrieb in diesem Zusammenhang von einem mysteriösen Goldboom. Wirklich? Umgerechnet hat jeder Bundesbürger statistisch 43 Euro für Gold ausgegeben bzw. drei Euro im Monat. Ist das viel? Es ist zumindest weniger als für Butter und Dosengemüse. Die Deutschen lieben ja Bares, ihre Sparbücher und die zinslosen Versicherungen.

Hola, die Goldfee! Anderen frischen Zahlen von GFMS zufolge haben die Deutschen im vergangenen dritten Quartal 22 Tonnen Gold gekauft, also 22.000 Kilogramm oder 22 Millionen Gramm. Das sind pro Nase sagenhafte 265 Milligramm und viel weniger, als in einen Zahn passen würde. Und ich wundere mich, dass mancher Experte angesichts der weltweiten Geldschwemme beim Gold immer noch von einer Blase spricht – und auch, warum der Goldpreis so in Vergessenheit gerät und durch Bitcoin überstrahlt wird. Bis jemand das Licht ausmacht?

© Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten (Langfassung)

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3 Kommentare auf "Ist das jetzt viel? Oder nur wenig?"

  1. FDominicus sagt:

    „Kennen Sie jemanden mit Gold?“

    Ja, sogar mindestens 3. Bitcoins zur Spekulation? Warum nicht? Bitcoins statt Gold? Nicht für mich.

  2. DonSarkasmo sagt:

    Also meine Goldspeicher sind seit langem auf größere Krisensituationen vorbereitet. Jetzt habe ich vor einiger Zeit Bitcoin (in wesentlich geringerem Umfang) dazu genommen und was soll ich sagen. Passt schon. Ich will damit sagen: Nicht immer so dogmatisch bitte, man kann ja das eine tun und das andere nicht lassen. Ich denke auch gerade über bestimmte überlebensfähige Aktien mit Dividende nach, aber …. immer mit der Ruhe. Bloß keine Hektik.

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