Irrsinn: Inzwischen völlig normal

7. August 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Kennen Sie Boštjan Jazbec? Wahrscheinlich wie ich bislang nicht. Jazbec ist der slowenischer Zentralbankchef. Schon deshalb scheint er wichtig zu sein. Und er sitzt auch im EZB-Rat – hat also etwas zu sagen, auch wenn sich vieles davon später als Unsinn herausstellen könnte…

Herr Jazbec behauptete neulich, die EZB sei auf dem richtigen Weg. Das hört man von dort öfters. Wir wissen zwar nicht, wohin dieser Weg führen wird, dafür aber ist er schon jetzt sehr erfolgreich. Selbstmörder sagen übrigens auch, dass sie auf dem richtigen Weg wären, bevor sie von der Brücke springen oder Bergsteiger am Felsen abrutschen. In Sachen EZB-Geldpolitik stehen wir alle am Geländer der Brücke oder kleben an der Felswand. Es ist ja erklärtes Ziel der „Geldhüter“, die Kaufkraft des Euro jährlich um zwei Prozent zu schreddern – bis am Ende nicht mehr viel übrig sein wird. Lasst uns allein schon deshalb in die Hände klatschen! Diese Definition umsichtiger Geldpolitik und Stabilität nach Maß und Plan feiern wir. Nur hält sich die Realität selten an die Pläne von Planwirtschaftlern, vor allem nicht Wirtschaft und Geld.

Man könnte ja auch behaupten, die Leute der EZB drücken ein paar Knöpfe in einem Auto, bewegen Hebel, betätigen Gaspedale und Bremsen und schalten Scheibenwischer und Beleuchtung ein und aus. An Regeln müssen sie sich nicht halten. Die Finanz-Rowdys meinen trotzdem, damit die Spur halten zu können. Zwischendurch strecken sie ihre Köpfe aus dem Fenster und erzählen der Öffentlichkeit Dinge, die eigentlich als Werbung gekennzeichnet werden müssten. Die braven Presseleute verteilen dann jedes einzelne ihrer vielen Worte.

Ich habe durchaus Verständnis dafür, dass ein EZB-Mitglied mitten im Sommerloch auftaucht wie Nessie am Loch Ness und die Dürre an Nachrichten nutzt, um auch mal eine Schlagzeile zu bekommen. Um Aufmerksamkeit zu erhalten, musste man immer schon Verrücktes tun oder zumindest Verrücktes sagen zu einem geeigneten Zeitpunkt.

Unlängst hat der Vorsteher der slowenischen Geldpolitik gefordert, die Eurozone zu erweitern und dass griechische Banken in keiner brisanten Situation wären. Man kann das auch anders sehen. Schließlich halten nur EZB-Notkredite die Banken dort über Wasser und von den Banken ist ohnehin kaum noch etwas übrig – außer ihre Schulden. Wo nochmal arbeitet Herr Jazbec? Ahhh. Das ist der Punkt. Scheitern die griechischen Banken, scheitert auch die EZB. Auch Herr Jazbec aber dürfte daran wenig Interesse haben.

„Ich bin überzeugt, dass die griechischen Banken und die Zentralbank alles tun werden, um Gefahren für das Finanzsystem abzuwenden.“

Nach Ansicht von Jazbec kann es dennoch solche Situationen geben, wo das nicht mehr kontrollierbar ist.

„Aber das ist weit weg von dem, was wir im Moment in den Daten sehen.“

Ich weiß nicht, welche Daten man in einer Zentralbank schaut und ob sie etwas über die Zukunft aussagen. Oder ob man das Papier, auf dem sie stehen, besser rauchen sollte, um klarer sehen zu können, dass sich Prognosen für die Zukunft meistens als Mumpitz herausstellen. Schließlich muss man konstatieren, dass die EZB in Sachen Inflationierung meilenweit von ihrem Weg abgekommen ist, trotz der vielen Hebel, Schalter, Pedale, Scheibenwischer und Tachometeranzeigen. Sie hat ja offiziell nicht mal zwei Prozent Teuerung geschafft. Macht der „Markt“ etwa doch, was er will?

Wir wissen nicht, ob Herr Jazbec solche Papiere geraucht oder zu lange in der Sonne gesessen hat. Vermutlich aber hat er die falschen Lehrbücher gelesen und diese auch noch verstanden – die Bedienungsanleitung für ein Geldsystem, aufgebaut auf Kredit. Zudem agiert er mit seinen Sonderstatus als EZB-Mitglied ziemlich gefahrlos. Will heißen: Er und seine Kollegen werden nie die Folgen ihres Tuns in der Zukunft tragen müssen – im Gegensatz zu Otto Normal. Dabei hat die Zukunft längst schon begonnen.

Erfolgreich bedeutet im Sinne der EZB, dass die Kreditvergabe in Gang kommt, also noch höhere Schulden gemacht werden und eine durchaus nötige Bereinigung auf einen späteren Termin verschoben wird. Zu diesem Zeitpunkt werden die Protagonisten ihrer eigenen Politik ihre Pensionen genießen.



Warum der Euro schwach bleiben wird

Ja, man kann Unmengen Geld schaffen, indem eine Zentralbank Dinge aufkauft mit aus dünner Luft erzeugtem Geld. Die EZB tut das mit großem Erfolg. Ich wette, es gibt noch genug Papiere die sie gegen frisches Geld aufkaufen kann. Nur, wo bleiben diese Euronen? Zunächst einmal bekommen es diejenigen, die ihre Anlagen der EZB verkauft haben und sitzen auf Bergen neuer Euros. Diese müssen gar nicht in Umlauf kommen. Wer für das Halten von Euros aber Strafzinsen bezahlt und die Renditen woanders etwas höher liegen, dann verkauft man diese Euros bzw. tauscht sie um in eine andere Währungen. In den USA gibt es etwas mehr Rendite, was den Anstieg des US-Dollars erklärt.

Damit hat die EZB die perfekte Grundlage für einen permanent schwachen Euro geschaffen aufgrund der permanenten Flucht vor Minuszinsen. Das war wohl der Plan. Selbst der japanische Yen scheint stabiler. Früher war der Yen die Carry-Währung, in der man sich verschuldete und mit schlechter gewordenen Verrechnungseinheiten zurückzahlte. Jetzt ist es der Euro. Das erklärt auch, warum der DAX bei einem schwächeren Euro steigt.

Offiziell heißt es, ein schwacher Euro sei wundervoll. Schauen Sie auf die DAX-Bilanzen der Unternehmen, die vom schwachen Euro aufgeplustert werden, wenn die AGs Dinge im Ausland verkaufen. Das kesselt richtig! Ich weiß bloß nicht, ob das Geld für diejenigen, für die es offiziell gemacht wurde, auch davon profitieren. Oder sollte man als Privater ebenfalls seine Euros verkaufen bzw. tauschen… Doch in was? Ein Dollar Konto? Oder es für eine Immobilie ausgeben, solange man für seinen Euro noch etwas Immobilie bekommt? Vergessen Sie bitte das Gold! Die Gründe dafür standen in dieser Woche vollumfänglich in den Zeitungen.

Herr Jazbec erledigt nur seine Arbeit und verteidigt sie wie ein Förster das Fällen von Bäumen als ökologischen Akt mitten im Sommerloch. Momentan bastelt die EZB und diejenigen, die lügen, wenn es ernst wird, an einem weiteren „Rettungspaket“ für Griechenland: Davon wird kein Grieche auch nur einen Cent sehen. Nach allem, was man hören kann, sind vorerst 20 Milliarden für die Kapitalisierung der Banken vorgesehen. Das ist mehr, als die griechischen Banken derzeit an der Börse kosten. Das Geld landet also dort wo es immer schon gelandet ist: In der Finanzindustrie. Schließlich sitzen griechische Banken auf 120 Milliarden Euro fauler Kredite. Machen Sie sich keine Sorgen! Herr Jazbec weiß, was er vertritt. Damit es in Zukunft besser laufen wird, für die Richtigen.

 

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9 Kommentare auf "Irrsinn: Inzwischen völlig normal"

  1. waltomax sagt:

    Ich raff’s einfach nicht mehr.

    Jeder Art von Wertschöpfung geht doch ein völlig immatrieller Akt der Kreativität voraus. Eine Idee, die dann in einen Plan einfließt, der schließlich konkret umgesetzt werden muss. Das alles läuft ab, bevor Kredite sinnvoll gewährt und genommen also Renditen erzielt sowie Schuldversprechen aller Art erfüllt werden können.

    Wenn eine Notenbank wie irre Geld druckt und mit dieser Geldflut die obig genannte Ebene gar nicht erreicht, indem kreative Menschen, die „etwas unternehmen können und wollen“, unterstützt werden, welche Macht hat sie dann wirklich?

    Eigentlich keine, zumindest keine Konstruktive. Eine solche ZB setzt sich dem Verdacht aus, Geld für „bestimmte“ Kreise auszureichen, die sich dann -ziemlich leistungslos- noch möglichst viele reale Werte einsacken, bevor der Hammer herniedersaust.

    Es gibt also nur dann Verständnisprobleme, wenn man ZBs unterstellt, ihrer eigentlichen Aufgabe nachzukommen. Und dabei glaubt, der ganz nackte Betrug, der einem da so keck vor Augen steht, könne doch nicht wahr sein…

    Das ernüchternde Fazit: „Das System“ hat sich wohl selber schon abgeschrieben und holt lediglich noch heraus, was herauszuholen ist.

    Da gibt’s also -zumindest im intellektuellen Sinne- nicht sehr viel zu raffen. Das Spiel heißt wieder einmal: „Den letzten beißen die Hunde!“

    Und unsereiner kauft -solange es noch geht- mit seinen paar Groschen EM, um „diesmal“ wenigstens zu den vorletzten zu gehören.

    • Argonautiker sagt:

      So ist es.

      Zuerst hat man die Geld Werte Deckung aufgehoben. Dann hat man hat seine realen Werte beliehen, und mit dem Geld, Geld gemacht. Viel Geld. Als die Zinsströme versiegten, weil die Realwirtschaft die Zinsen durch die immer größer werdende Geldmenge nicht mehr bedienen konnte, hat man den ESM geschaffen um Zeit für die erneute Umschichtung, beziehungsweise Rückschichtung in Reale Werte zu gewinnen.

      Damit man das verheimlichen kann, druckt man nun Unmengen von Geld, das, wie Herr Meyer schon sagte, nie in der Realwirtschaft ankommt, um einerseits die Umschichtung in die realen Werte zu finanzieren, denn wenn man die eigenen investierten Gelder von der Börse abziehen würde, um das zu tun, würde ein Vorgang in dieser Größenordnung auffallen, und einen Bankenrun und vorzeitigen Crash nach sich ziehen, und andererseits um die Börsen zu stützen, damit sie als Makulatur für die Allgemeinheit weiter vorhanden bleibt.

      Wann der Sack nun zu gemacht wird, ist schwer zu sagen. Ein Anzeichen könnte das wieder Anheben der Leitzinsen sein. Ich denke also, daß man es einfach so lange weitertreibt, wie es geht, also so lange, wie es die Allgemeinheit schluckt, denn billiger kann man doch nicht zu Werten kommen. Man druckt Geld von dem man weiß, das es bald nichts mehr wert sein wird, rafft damit zusammen was man kriegen kann, um dann in die Währungsreform zu gehen. Die Anderen haben dann das wertlose Geld und die Manipulatoren die echten Werte.

      Wenn das Blut in den Strassen fliest, kauf so viel du kannst, ist doch so ein Leitspruch einer der Hochfinanz Oberpriester Familien.

      Wie sagt man doch so schön, gefickt eingeschädelt.

      Das schlimme daran ist jedoch, daß unser Erkennen dieser Dinge mit dazu beiträgt, daß man uns in einen großen Krieg führen wird. Der Krieg wird nicht kommen weil es so große Unstimmigkeiten zwischen den Volkern gibt, damit kämen die Völker bis auf normale Reibereien schon klar. Sondern man wird die Unstimmigkeiten nutzen und schüren, um in den Krieg zu lenken, weil Krieg und Wiederaufbau Erstens den Besten Anschub für ein neues Geldsystem darstellt, und Zweitens, weil man in den Trümmern und Tragödien des Krieges alles so schön vertuschen kann. Man mag es gar nicht, wenn man ihr Tun entlarvt. Es gibt für einen Virus nichts schlimmeres als erkannt zu werden. Ein Krieg führt wieder ins Vergessen, sodaß man danach dazu neigt, den gleichen Blödsinn wieder zu machen.

      Oooch du sitzt auf einem Trümmerhaufen, komm, ich geb dir einen Kredit. Echt günstig.

      Durchbrechen könnte man das, wenn man nach dem Krieg eben nicht nur auf einer Währungsreform, sondern auch einer Güter Reform bestünde, also einem wirklichen Reset. Das würde DENEN mal ihre ganze Saat verderben, die sie sich gerade zusammen raffen.

      Ich bin mir sicher, die wirklich Erschaffenden, würden dem zustimmen, die, die jedoch Andere wieder benutzen wollen, um mittels Manipulation der Anderen ihr Brot zu verdienen, weniger.

      Schönen Gruß

  2. asisi1 sagt:

    ich habe schon über jahre das gefühl, dass sich Politiker und bänker nur noch nach dem Prinzip, auf teufel komm raus, bedienen. da sie wissen es geht so nicht mehr lange weiter.

    • B. Ziegler sagt:

      Genau dieser Meinung bin ich auch.
      Die dümmlichen Werbeaussagen von Altkanzler Kohl , Theo Waigel und „das Kinkel
      (FDP)“ zur Einführung des EUROs sind mir damals schon völlig unglaubwürdig er-
      schienen.
      Wenn es für alle Kritiker ersichtlich war, daß das Ganze nicht funktioniert, war es
      das für alle Befürworter auch.
      Warum fallen mir nur immer wieder die Worte von George W. Bush ein:
      „When we can bring them all to justice!!!“
      Dies wird nicht geschehen, denn die Marionetten der1 % (Gründerfamilien der A
      privaten Notenbank US FED) arbeiten daran, daß Alles “ auf gutem Weg „ist.

  3. W.Distler sagt:

    Ja, wir leben gerade in einer Realsatire-Blase:

    „Jazbec“ bedeutet im Slowenischen übrigens Dachs/Dackel.

  4. bluestar sagt:

    Es ist doch immer das Gleiche. Solche Leuten wie der Jazbez wissen genau das sie lügen. Sie passen in jedes untergehende System. Der Mann hätte auch in des CSSR Karriere gemacht. Ohne Rückgrat, Anstand und Gewissen, aber mit Intellekt und Geltungsdrang ausgestattet, unterwerfen sie sich jedem System der Macht bedingungslos. Deshalb müssen sie nicht das Schicksal eines Kennedys oder Palmes fürchten.
    Die Namen der Besitzer der Finanzindustrie sind interessanter als solche Lakaien wie dieser Slowake.

    • T.Gerwin sagt:

      Entschuldigung

      Aber dieser Herr von der EZB ist Slowene und kein Slowake.
      Aber davon mal abgesehen, diese Leute sind alle soweit von der Realität entfernt das sie gar nicht merken, was für einen Blödsinn sie da erzählen.

      • bluestar sagt:

        @T.Gerwin
        Das ist absolut korrekt, vielen Dank für die Richtigstellung.
        Armes Slowenien, Typen wie aus Titos Zeiten eben.
        Bezüglich Realitätsentfernung dieser Leute bin ich mittlerweile zu einer anderen Einschätzung gekommen. Sie wissen genau welche Storys sie erzählen, das ist nun einmal deren Rolle.
        Natürlich glaubt ein Teil der Lügner irgendwann seine eigenen Geschichten, wie Psychologen behaupten und die Realität auch bestätigt.
        VG und schönes WE

  5. Bobo sagt:

    Es müssen nicht die Inteligentesten sein, die an der Spitze eines Systhems stehen. Um so weniger jemand von seinem Bereich versteht, um so besserzu bearbeiten für die Lobbys. Viele Deppen machen so Karriere. Zum Taschen voll stopfen braucht es keine jahrelange Ausbildung.oder Erfahrung, Raffgier reicht völlig aus. Ein X.beliebiger Langzeitarbeitsloser könnte so in Lohn und Brot versetzt werden und vermutlich bessere arbeit machen.

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