Irak-Krise treibt Öl- und Goldpreis

20. Juni 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Prof. Thorsten Polleit

Eine Verteuerung der Energiepreise könnte Spannungen in den inter-nationalen Finanzmärkten nach sich ziehen – und auch den Goldpreis weiter in die Höhe treiben...

Die Irak-Krise hat die Rohölpreise anziehen lassen. Die Notierung für West Texas Intermediate (WTI) liegt derzeit bei mehr als 106 US-Dollar pro Fass – und hat damit den höchsten Stand seit September 2013 erreicht.

oelgold1Der multi-ethnische Konflikt im Irak, in den Kurden, sunnitische Araber und schiitische Araber einbezogen sind, weckt nicht nur Befürchtungen vor einer dauerhaften Destabilisierung des Landes. Er verstärkt vor allem auch die Sorge vor den Folgewirkungen, die der Irak-Konflikt mit sich bringen könnte: Zum Beispiel könnten Syrien, die Türkei und die Golfstaaten in die Konfliktlage hineingezogen werden.

Die Folgen, die ein Eingreifen der Vereinigten Staaten von Amerika in den Krisenherd hätte – sie haben ein Interesse am Überleben der schiitischen Regierung des Irak –, lassen sich derzeit wohl nicht verlässlich abschätzen.

Versorgungssicherheit

Gemessen an der weltweiten Ölproduktion (Ende 2013) belief sich der irakische Anteil auf 3,7 Prozent, der des Irans auf 4,0 Prozent. Zum Vergleich: Saudi Arabiens Anteil belief sich auf 13,1 Prozent.

Die Ölversorgung aus dem Mittleren Osten beläuft sich auf etwa 32,2 Prozent der Weltproduktion. Ein Ausbreiten der Konflikte in dieser Region birgt daher zweifelsohne die Gefahr weltweiter Versorgungsengpässe mit Rohöl.

Eine Verknappung der Ölversorgung – und eine Verteuerung der Energieträger insgesamt – hätte weitreichende Effekte für die ölimportierenden Länder und damit für die Weltwirtschaft. Einige seien kurz angesprochen.

Die Verteuerung der Energie würde wachstumsdämpfend wirken: Ein wachsender Anteil der Einkommen müsste für Energie aufgewendet werden und stünde nicht mehr für Konsum und Investitionen zur Verfügung.

Steigende Energiepreise würden vermutlich das gesamte Preisgefüge in den von der Energieverteuerung betroffenen Volkswirtschaften anheben, sprich: für Inflation sorgen.

Ein Anziehen der Inflation wiederum könnte die Zinsmärkte in Turbulenzen versetzen – und Zentralbanken dazu bewegen, einem Ansteigen der Zinsen entgegenzuarbeiten, indem sie Staats- und Bankschulden kaufen.

Das Aufkaufen von Staats- und Bankanleihen müsste mit neu geschaffenem Geld bezahlt werden – und dies wiederum könnte die Inflationssorgen auf den Finanzmärkten erst richtig in Gang setzen.

Öl- und Goldpreis

In einer der vorangegangenen Ausgaben des Degussa Marktreports haben wir bereits eingehend den Zusammenhang von Ölpreis, Goldpreis und Geldmenge untersucht.

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Eine Erkenntnis ist, dass zwischen Öl- und Goldpreis in der langen Frist ein recht enger, positiver Verbund zu beobachten ist. Öl und Gold sind offensichtlich Inflations- und Krisenbarometer zugleich.

Ein „Energiepreisschock“ – also ein plötzliches, starkes Ansteigen der Energiepreise – hat, wie oben erwähnt, das Potenzial, die Preise auf breiter Front in die Höhe zu treiben – einschließlich des Goldpreises.

Ein Grund dafür ist die stark angestiegene „Überschussgeldmenge“ in vielen Ländern. In den Vereinigten Staaten von Amerika zum Beispiel befindet sie sich auf einem historischen Höchststand.

Seit dem Ende der 50er Jahre war der Geldmengenbestand in den Vereinigten Staaten von Amerika noch nie so groß im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung, wie es aktuell zu beobachten ist.

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Vereinfacht gesprochen reicht die Überschussgeldmenge aus, das nominale Volkseinkommen der Amerikaner um etwa 26 zu erhöhen – in Form von Güter- und/oder Preissteigerungen.

Ein Störfeuer aus dem Mittleren Osten (etwa durch Störungen der Produktions- und Transportsituation) könnte folglich weitreichende Konsequenzen haben, auch und vor allem für den Geldwert. Das Halten von Gold ist in diesem Umfeld eine verlässliche Versicherung, zumal der aktuelle Preis des gelben Metalls niedrig zu sein scheint.

© Prof. Dr. Thorsten Polleit – Marktreport Degussa Goldhandel GmbH



 

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