Internet-Hype 2.0: Aus der letzten Blase nichts gelernt?

25. September 2014 | Kategorie: RottMeyer

vom Smart Investor

Mit Alibaba gab es in der letzten Woche ein fast historisches Ereignis – den größten Börsengang in der Geschichte. 25 Mrd. USD konnte der chinesische Internet-Konzern bei Anlegern einsammeln. Das Unternehmen mit rund 8 Mrd. USD Umsatz und rund 4 Mrd. USD Gewinn ist an der Börse nun 230 Mrd. USD wert…

Natürlich sind die Wachstumszahlen von Alibaba beeindruckend, ein KGV von mehr als 60 (basierend auf 2013) scheint jedoch trotzdem reichlich überzogen. Ganz so neu am Kapitalmarkt ist Alibaba im Übrigen auch nicht, selbst wenn dieser Fakt in vielen Medien angesichts der Alibaba-Euphorie komplett untergegangen ist – mehr dazu im Smart Investor 10/2014, der zum Wochenende erscheint.

Unendlich skalierbare Quasi-Monopole?

Doch auch andere Unternehmen aus der Biotech- und High-Tech-Branche scheinen aktuell bei den Investoren ganz oben auf der Liste zu stehen. Extrem wird es, wenn man auf die Stars der Internet-Branche blickt: Facebook, Twitter, LinkedIn oder Netflix werden mit einem Vielfachen der Umsätze bepreist. Doch was bewegt die Investoren zu solchen, augenscheinlich riskanten Wetten?

Auffallend ist die Kombination aus monopolartigen Strukturen in den jeweiligen Marktsegmenten der Web-Giganten und extrem leicht skalierbaren Geschäftsmodellen. Nur damit lässt sich begründen, wie ein 2004 gegründetes Unternehmen wie Facebook nur zehn Jahre später an die 8 Mrd. USD Umsatz erzielen kann.

Investoren scheinen derzeit die Historie der ehemaligen Start-Ups in die Zukunft zu extrapolieren und kommen so auf gigantische Erlöse je Nutzer. Wenn prinzipiell die Umwälzung eines ganzen Marktsegmentes als Basisszenario verwendet wird, lässt sich schließlich fast jede Bewertung rechnerisch rechtfertigen. Daher verwundert es kaum, dass die Nutzerzahl die Währung schlechthin ist im Onlinegeschäft 2.0. Alibaba, Facebook und Twitter verweisen mit Begeisterung auf die Zahl ihrer Mitglieder und Kunden, für Investoren scheint diese Basis wertvoller zu sein als Gewinne in naher Zukunft.

Auch Zalando (mehr auch hierzu im Smart Investor 10/2014) und Rocket Internet – zwei für den Oktober angesetzte Internet-Börsengänge in Deutschland – dürften diese Karte ganz offensiv ausspielen. Dabei sind die Gründer beider Unternehmen selbst in Start-Up Kreisen alles andere als unumstritten.

Schottland nachgehakt

Mit 55,7% „Nein“-Stimmen zu 44,3% „Ja“-Stimmen fiel das Votum vom vergangenen Donnerstag deutlicher gegen eine Unabhängigkeit Schottlands aus als dies die Umfragen oder Quoten der Wettbüros im Vorfeld hatten erwarten lassen. Noch in der Wahlnacht wurden daher Zweifel laut, ob beim Referendum wirklich alles fair und mit rechten Dingen zugegangen war.

Es war von britischen Agenten die Rede, die ins Land geströmt waren und Wahlhelfern, die nicht neutral, sondern „im Dienste Ihrer Majestät“ zählten. Nun könnte man es sich leicht machen. Vielleicht sind die „Yes“-Schotten ja einfach nur schlechte Verlierer. Oder bei den Bedenken handelt es sich um jene „kruden Verschwörungstheorien“, als die inzwischen schon routinemäßig die von der offiziellen Sichtweise abweichenden Meinungen gebrandmarkt werden.

Bei faz.net machte man es sich jedenfalls nicht so einfach und präsentierte sogar Videomaterial – etwa das von einer Wahlhelferin, die sich sichtlich schwer tat, zwischen einem „Yes“ und einem „No“ zu unterscheiden. Auch mancher bereits abgelegte „Yes“-Stimmzettel, erschien ihr auf den zweiten Blick dann doch eher ein „No“ zu sein.

Wir wissen nichts über die Voraussetzungen für Wahlhelfer in Schottland, Fragen wirft aber nicht nur dieses Video auf. Damit blieb das Referendum dann doch nicht ganz folgenlos. Immerhin erzielten die nach Unabhängigkeit strebenden Schotten einen Achtungserfolg und das Abspaltungsthema bleibt – sehr zum Missfallen der Zentralregierungen – europaweit auf der Tagesordnung.

Per Saldo positiv erscheint zudem ein anderer Prozess: Die Bürger werden gegenüber ihren Regierungen misstrauischer. Wachsame Bürger sind genau das, was eine ernsthafte Demokratie am nötigsten braucht. Oder wie es der Hauptautor der US-Unabhängigkeitserklärung und spätere dritte Präsident der USA, Thomas Jefferson, auf den Punkt brachte: „Wenn sich die Regierung vor dem Volk fürchtet, herrscht Freiheit, wenn sich das Volk vor der Regierung fürchtet, Unfreiheit.“ (Seite 2)

 

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