Inflation?!

13. Dezember 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Manfred Gburek

Das Thema Inflation schien lange aus den Schlagzeilen verbannt zu sein. Jetzt hat es sie wieder erobert. Jedenfalls hier und da, immerhin, und das vollkommen zu Recht: Denken Sie nur an die zum Teil schon recht stark aufgeblasenen Aktien- und Immobilien…

Gut, diese sogenannte Asset Inflation hat mit der von Ihnen vermutlich eher wahrgenommenen Inflation der Preise für Konsumgüter und Dienstleistungen nur mittelbar zu tun. Aber der Wirkungsmechanismus ähnelt sich in beiden Fällen: Die Geldmenge wächst, hervorgerufen durch die ultralockere Geldpolitik der Notenbanken, und das viele Geld sucht sich seinen Weg. Noch zu Aktien und Immobilien, bald auch in Richtung Konsum.

Bevor ich zu den Gründen komme, hier noch kurz ein paar Zahlenbeispiele, die belegen, wie verheerend sich die Inflation auf unser Geld auswirken kann. Nehmen wir an, sie betrage 2 Prozent, also die von der EZB nahezu und von der amerikanischen Notenbank Fed ganz angestrebte Höhe. Dann ist der Euro in zehn Jahren nur noch 82 Cent wert. Das scheint erträglich zu sein. Drehen wir den Spieß um, entspricht das Ergebnis unter umgekehrten Vorzeichen dem vorgenannten Beispiel: Nach zehn Jahren kostet ein repräsentativer Waren- und Dienstekorb 22 Prozent mehr als heute. Nun zu 5 Prozent Inflation. Da sieht es bereits dramatisch aus: Nach zehn Jahren ist der Euro nur noch 61,4 Cent wert. Oder anders herum: Der Korb kostet 63 Prozent mehr.

Junge Leute mögen in der Lage sein, die hier genannten Minderungen der Kaufkraft aufzufangen, indem sie ihr Geld rechtzeitig geschickt anlegen. Aber wer tut das? Sicher nur eine Minderheit, zumal bei den aktuellen Minizinsen. Was die ältere Generation angeht: Ihr fehlt mit zunehmendem Alter die Zeit, um noch die finanziellen Weichen für den Lebensabend zu stellen. Ergebnis: programmierte Armut von der unteren bis zur mittleren Schicht der Bevölkerung. Konsequenz: Den Gürtel enger schnallen, solange es geht, und wenn es nicht mehr geht, von der Sozialhilfe leben.

Halten Sie mein Beispiel mit 5 Prozent Inflation für übertrieben? Die gab es schon mal in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts, und sie kann wiederkommen. Damit sind wir nochmals bei der Geldpolitik. Um ein bekanntes Gleichnis zu zitieren: Der US-Ökonom Milton Friedman prägte einst das Beispiel mit dem Pfropfen im Flaschenhals: Kommt der Pfropfen da raus, passiert mit dem Inhalt dasselbe. Auf die Inflation übertragen: Wird sie aufgestaut, kann sie sich in relativ kurzer Zeit entladen und virulent werden, sobald eine Kette von Ereignissen eintritt, die sie dazu bringt.

Das in Europa bekannteste Beispiel einer aufgestauten Inflation ist die Entwertung der Reichsmark während und nach der Zeit des Nationalsozialismus. Damals bestand die Ursache in der Kriegswirtschaft. Nun findet derzeit zwar noch kein Krieg im Ausmaß des Zweiten Weltkriegs statt. Aber abgesehen davon, dass die Entwicklung im Nahen Osten, in der Ukraine und im südchinesischen Meer eskaliert (um nur drei markante Beispiele zu nennen), haben wir es immerhin mit weltweit stark steigenden Schulden zu tun, die nie und nimmer zurückgezahlt werden können. Der Unterschied zwischen Schulden, die für das Führen eines Kriegs gemacht werden, und den heutigen Schulden in der westlichen Welt für die Aufrechterhaltung der Sozialstaaten ist genaugenommen gar nicht so groß.

Früher ließen deutsche Unternehmen Bekleidung in Tunesien und Möbel in der DDR produzieren. Später verlagerten sie große Teile ihrer Produktion erst in die osteuropäischen Länder, dann nach China und Bangladesch. Dadurch konnten die Verbraucherpreise in Deutschland ausgebremst werden. Und heute? Preisdämpfende Effekte sind seltener geworden. Und alles rund ums Wohnen (in Deutschland über ein Drittel des Waren- und Dienstekorbs) wird immer teurer. Die Kommunen wollen nun auch noch die Grundsteuer erhöhen, die auf Mieter abwälzbar ist.

Zum Schluss ein paar ernste Worte zum Inflationsziel von 2 Prozent: Glaubt denn wirklich jemand unter den Notenbankern, 2 Prozent ließen sich nach Erreichen dieser Marke einfach stoppen? Wie naiv muss man sein, um so einen Quatsch zu glauben? Es kann nicht oft genug betont werden: Inflation ist ein dynamischer Prozess. Das heißt, nach Erreichen von 2 Prozent dürfte es zu einer allgemeinen Inflationsmentalität kommen. Geld zurück in die Flasche und Pfropfen drauf, das ginge dann nicht mehr.
Manfred Gburek – Homepage

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6 Kommentare auf "Inflation?!"

  1. Helmut Josef Weber sagt:

    —Wie naiv muss man sein, um so einen Quatsch zu glauben?—
    Ja Herr Gburek,
    ich schätze, dass etwa 70 bis 80% der Deutschen so naiv sind, und die Blödzeitung und das Regierungsfernsehen einen großen Beitrag dazu leisten, dass es auch so bleibt.
    Das sind dann auch wohl die 70 bis 80%, die keinen Test bestehen würden, die ein Ausländer bestehen muss, wenn er Deutscher werden will, aber wählen dürfen.
    So kommen auch nur repräsentative Umfragen zu Stande, in der 70% der Deutschen die Regierung schlecht, aber Merkel gut finden.
    Diese 70% begreifen gar nicht, dass unsere Bundeskanzlerin auch zur Regierung gehört, dürfen aber wählen.
    Und diese 70 bis 80% glauben dann auch, dass Inflation gut für sie ist.
    Das muss einem erst gelingen, den Menschen glaubhaft zu machen, dass die Enteignung über Inflation, gut für sie ist.
    Aber bei den Deutschen geht das, die haben sich auch noch den Endsieg einreden lassen, als der Kessel um Berlin so klein war, dass die Russen sich schon versehentlich durch den Kessel gegenseitig erschossen haben.
    Die anderen 20 bis 30% können an den Wahlausgängen auch nichts mehr ändern, bunkern ihr Geld in Sachwerte, vorzugsweise Gold, damit sie dann, wenn die 70 bis 80% gänzlich enteignet sind oder der Sozialhilfe zur Last fallen, sich das Land aussuchen können, in dem sie leben wollen, was ja auch mit ein paar Kilo private Altersvorsorge schnell zu machen ist.
    Niemand begreift auch, dass die Flüchtlinge nicht das Problem sind, sondern die gutausgebildeten jungen Menschen, die Europa z. B. in Richtung Australien verlassen, wo man ihnen den roten Teppich ausrollt.
    Zurück bleiben die Dummen, Kranken, Alten, und Empfänger von Sozialleistungen.

    Viele Grüße aus Andalusien
    H. L. Weber

  2. Schubidu sagt:

    Die Inflation auf 2 % zu begrenzen ist so lachhaft, wie die „angebliche Klimaerwärmung“ auf 2 Grad zu begrenzen!

  3. Hartmut Lau sagt:

    Die wenigsten von uns haben in der schulischen (Aus)bildung in der Tiefe den Zinseszins rechnerisch nachvollzogen.
    Heute ist mit der Excel Tabellen Kalkulation in wenigen Minuten fuer jeden nachvollziehbar, wie im Laufe der Zeit, bei verschiedenen Zinsannahmen, die „Zinskurven“ sich entwickeln.
    Wir wissen, ohne grossen technischen und zeitlichen Aufwand, dass bei 100 % Zins / Jahr sich der Wert verdoppelt.
    Aus 1 wird 2,4,8,16,32,64 u.s.w.
    Liegt der Zins bei 1 % pro Jahr, so ist jeweils nach 70 Jahren eine Verdoppelung zu verzeichnen,
    bei 5% Zins nach ca. 14 Jahre, eine Verdoppelung.
    Mit der Excell Tabelle auf der „X“ Achse die Zeitschiene, und auf der „Y“ Achse die % te.
    Die Formel im Zinseszins lautet:
    KEnd = K Anf x q^n

    KEnd = Endkapital
    KAnf = Anfangskapital
    n = Perioden, hier= Jahre
    q = Zinseszinsfaktor

    q = 1 + Zins/100

    Mit ein wenig Geduld koennt Ihr die Ergebnisse mit 2 Stellen hinter dem Komma auf mehrere Jahrzehnte oder auch Jahrhunderte euch sichtbar machen. Meine Empfehlung ist, die Werte der Verdoppelung farblich zu markieren, denn damit wird leicht sichtbar, dass unabhaengig der Zeitschiene, die Exponentialfunktion in den „Himmel“ schiesst, in der Realitaet des „Geldlebens“ ein Zusammenbruch erfolgen muss, denn mathematische Gesetze lassen sich nicht durch menschliche „Triebe“ aushebeln. Auch wird nunmehr deutlich, dass bei niedrigen Zinsen nach vielen Jahrzehnten die Exponentialfunktion ueber das Wirtschaftswachtum einer Volkwirtschaft hinausgeht, und auch die Lebensdauer der meisten Menschen ueberschreitet, und erst die „Enkelgeneration“ die negativen Wirkungen erleben muss.

    Legen wir auf diese Arbeit ein proportinales Wirtschaftswachstum von z.B. 3 % so zeigt uns der Schnittpunkt der Graphen, ab wann eine Volkswirtschaft die Zinsforderungen nicht mehr bedienen kann. Die Folge in der Realitaet, Verelendung der Menschen bis hin zum Krieg.

    Aus diesem mathematischen Ableitungen wird nunmehr absolut klar, dass unser Denkansatz mit Zinsen leistungsloses Einkommen zu erzielen, grundsaetzlich den Straftatbestand des Raubes erfuellt. Auch wird glasklar, dass mit Modifikationen in der Zinseszinsformel nur der Zeitpunkt des Zusammenbruches verschoben wird, jedoch kein Entrinnen aus diesem System geben kann.

    Haben wir diesen Sachverhalt auch geistig verinnerlicht, so wird absolut eine Abkehr von dem Zinseszins System notwendig sein.

    Aus dem vorgenannten ist zu erkennen, dass jedes Zinseszins Schuldgeld System ein genereller Systemfehler ist. Jede Volkswirtschaft, egal welche politischen Systeme die jeweiligen Voelker sich zugewendet haben, deren Staatsfuehrungen diese Kredite von dritten kaufen muessen, koennen nicht Souveraen sein.

  4. ZeroCool sagt:

    Die Zentralbank kann Inflation durchaus relativ einfach deckeln. Sehen konnten wir das in den 80er Jahren der Reagan Ära. Als die Inflation deutlich zulegte wurden die Basiszinsen auf ein Niveau angehoben das heute wie eine Traumrendite wirken würde.

    Die Lösung der Inflation liegt darin die Umlaufgeschwindigkeit des Gelds anzupassen. Denn Die Umlaufgeschwindigkeit bestimmt die Inflationsrate. Mit hohen Zinsen wird das erreicht.

    Welche anderen Effekte die hohen Zinsen u,a, auf die Wirtschaftstätigkeit, Anleihenmärkte oder Aktien haben werden ist dabei natürlich nicht berücksichtigt. Darüber hinaus müssen die Zinsen auch durch die kommerziellen Anbieter erwirtschaftet werden. Aber grundsätzlich sehe ich das schon dass eine Inflation auf technische Art wieder zurückgefahren werden kann – aber nur unter Akzeptanz der Zerstörung von Staaten und Wirtschaften.

  5. FDominicus sagt:

    Ich wiederspreche dem es gibt keinen Krieg, es gibt nicht einen sondern mindestens ein Dutzend und es gibt den permanennten Krieg der Herrschenden gegen die Beherrschten. Wenn das kein Krieg und Terror ist – was dann?

    • bluestar sagt:

      Absoluter Volltreffer !
      Und da die einen immer weniger und die anderen immer mehr werden, muss das ganze Arsenal der Beherrschungsinstrumente aufgefahren werden. Dem geistigen Terror in Form von Manipulation, Propaganda, Feindbilder, Diffamierung, Verblödung, Lethargie, Ablenkung, Angst-und Ohnmachtserzeugung folgen Kontrolle, Überwachung, Bevormundung, Gleichschaltung und Sanktionen.
      Im Einklang mit den geistigen Repressalien kommt der dauerhafte Ausnahmezustand als Grundbaustein des Totalitarismus, in dessen sorgfältiger Aufbauphase wir uns befinden.
      Als letztes Mittel zum Machterhalt bleibt noch ein angezettelter Krieg. Dazu wird es aber nicht kommen, da sich die deutschen Schlafschafe freiwillig in Sklaverei und Enteignung begeben und ihre Wächter lieben.

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