Inflation schmerzlichst vermisst?

16. Mai 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Was für ein Schmerz! Leiden Sie nicht auch darunter, dass die Preise ständig sinken? Jedenfalls offiziell. Nein? Wenn man genau hinschaut, dann ist der Spargeldpreis das einzige, was nach oben zeigt…

Mit über 6,70 Euro pro Kilogramm klettert Spargel in diesem Jahr wohl auf ein frisches Zehnjahreshoch und ist damit ungefähr soviel wert wie eine Commerzbank-Aktie an der Börse. Bei Spargel weiß man wenigstens, was man hat. Selbst der „Geruch danach“ ist weniger verdrießlich als das, was die Kopfschmerz-Bank für Schlagzeilen macht.

Der DAX schaut mit seinem Minus von neun Prozent ganz neidisch auf den Spargel…

Amtlich ist auch: Die deutsche Wirtschaft wuchs im ersten Quartal wegen der „Flüchtlingskrise“. Wieso eigentlich „Krise“, wenn sich dadurch der Aufschwung selbst überholt und sich die Ökonomen dort freuen, wo sie mit Flüchtlingen erst einmal nichts zu tun haben.Und warum will man jetzt nur diesen ökonomisch pulsierenden Flüchtlingsstrom mit Zäunen und Abschiebungen abwürgen? Ökonomen würden doch gerade jetzt empfehlen, die Einwanderung noch zu verstärken. Das sagen ihre Formeln. Wie Recht sie haben zeigen ihre Prognosen aus der Vergangenheit. Verrückte Welt!

Apropos verrückt: In Frankfurt schießen jetzt die Eis-Preise über die Ein-Euro-Marke. Neulich trank ich ein Bier für mehr als zehn D-Mark. Oops! Das war politisch aber unkorrekt!

Aber mal im Ernst: Das braucht man doch alles nicht wie Strom für 57 Pfennige pro Kilowattstunde mitten im Sommer. Dann stimmt es auch mit der Inflation, die von den Zentralbanken schmerzlich vermisst wird. Offiziell sind im April die Preise sogar gesunken. Wir wissen nur nicht, wo diese gemessen wurden. Auf dem Schrottplatz für Schrottaktien? Gut möglich!

Weil es so schön verwirrend ist, gibt es neben der Teuerungsrate auch eine Kernrate. Dort fehlen die Nahrungs- und Energiepreise. Essen, Tanken und Heizen brauchte ja eh keiner. Diese Zahl aus Statistiknebel dient Zentralbanken als Handlungsbasis. Das ist so wie mit zugeklebter Autoscheiben durch die Gegend zu fahren und sich am Geräusch zu orientieren. Wenn dann etwas kracht, hoffen sie, das es nur eine Schaufensterpuppe war.

Wie nur soll man die US-Notenbankchefin Janet Yellen verstehen, die die Zinsen anheben möchte und sich sogar Negativ-Zinsen vorstellen kann. Auf dem Parkett vermuten wir, dass sie noch ganz andere Dinge kann wie im Rückwärtsgang vorwärts fahren oder die Erde wieder zu einer Scheibe zu verbiegen. Was haben wir wieder gelacht – mit einem Hauch von Mitleid.
© Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten

 

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Ein Kommentar auf "Inflation schmerzlichst vermisst?"

  1. JayJay sagt:

    Wieder unschlagbar, dieser Kommentar. 🙂
    Weiter so.

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