Inflation ist immer und überall ein monetäres Phänomen

4. September 2013 | Kategorie: Gäste

Nach Einschätzung vieler Ökonomen sei die von den Notenbanken insbesondere seit 2008 angeschobene Geldschwemme mit keinerlei nennenswerten nachteiligen Konsequenzen für die Preisstabilität verbunden. Allerdings genügt bereits ein Blick auf die aktuellen offiziellen Inflationsstatistiken in vielen Staaten der Welt, um diese These als reines Märchen zu entlarven…

von Volker Schnabel 

Insbesondere in Asien, wo rund 60% der Weltbevölkerung lebt, sind die Auswirkungen des größten Geldexperiments unübersehbar, ziehen doch dort die Teuerungsraten schon seit Monaten deutlich an. So meldete jetzt beispielsweise die chinesische Sonderverwaltungszone Hongkong im Juli einen rasanten Anstieg der jährlichen Teuerungsrate auf 6,9%, nach noch 4,1% in Juni!

Auch im viertbevölkerungsreichsten Staat der Welt Indonesien beschleunigt sich die Teuerungsrate mittlerweile von 5,9% im ersten auf 8,6% im zweiten Quartal, während die Behörden in Indien mit 9,64% sogar schon fast zweistellige Raten meldeten.

Aber auch hierzulande spüren die Verbraucher inzwischen starke Preisanstiege. So verteuerten sich Lebensmittel um über 11%, wobei die Preise für Äpfel (+22%), Kartoffeln (+44%) und Butter (31%) geradezu dramatisch anzogen. Zum Glück für die Verbraucher sind jedoch parallel PCs (-14%) und Software (-23%) deutlich preiswerter geworden, was die kreativen Mathematiker des Statistischen Bundesamtes via eines (lebensfremdem) statistischen Warenkorbs zu einer harmlos anmutenden Teuerungsrate von nur 1,9% (Juli) vermengten. Diese „Preisstabilität“ kann jedoch offenkundig nur derjenige genießen, der es versteht, teure Nahrungsmittel durch billige Computerspiele zu ersetzen. Na dann … „Guten Appetit!“

Angesichts der realen Inflationserfahrungen – Kaufkraftentwertung des Geldes – verwundert es daher kaum, dass die globale physische Goldnachfrage im ersten Halbjahr 2013 neue Rekordwerte erreichte. Weltweit summierten sich nach Angaben des World Gold Council die Schmuckverkäufe auf 1.127 Tonnen, und die von Münzen und Barren auf 913 Tonnen (siehe Grafik)!

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Allein in Indien, wo die Regierung Gold-Importe inzwischen sogar mit einer Strafsteuer von 10% erschwert, stieg die physische Gesamt-Nachfrage gegenüber dem ersten Halbjahr 2012 um 48% auf 567 Tonnen. Im Nachbarland China erreichte die Goldnachfrage sogar 570 Tonnen (+45%), so dass China im Jahr 2013 Indien als den bisher weltgrößten Goldmarkt ablösen dürfte. Doch worauf konzentrieren sich die Wirtschaftsmedien in ihren Kommentaren zu den gesehenen Turbulenzen am Goldmarkt? (Seite 2)

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