Inflation: Der Sprit ist immer schuld

14. Januar 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

Das Leben in Deutschland ist im letzten Jahr kaum teurer geworden, sagen Statistiker – nur um 1,1 Prozent. Soweit die offizielle Zahl. Im Eurogebiet zogen die Preise stärker an, um 1,6 Prozent, meldet die Statistikbehörde Eurostat. Der Einzelne wird das vielleicht etwas anders empfunden haben…

Sind das nicht gute Nachrichten? Nachrichten, nach denen man sich richten kann? Ich weiß nicht. Vielleicht hatte der offizielle Warenkorb ein Loch. Vielleicht ist ein billiger gewordener Plasmabildschirm auf ihn gefallen? Wer weiß?

Doch zunächst ein Wort des Trost für ein Wort, das inflationär oft missbraucht wird: Inflation. Welch bedauernswertes Wort… Es wird immer benutzt, wenn es um steigende Preise geht. Dabei ist es so falsch, wie das Benutzen einer Klobürste für das Hinterteil. Inflation ist ein Begriff aus der Wissenschaft des Geldes und bedeutet Aufblähen einer Geldmenge. (lat: inflare), und nicht steigende Preise. Meldungen mit „Inflation“ in Überschriften müssten eigentlich alle auf „Teuerung“ abgeändert werden. Doch wer soll das tun, wenn kaum ein Schreiber von Überschriften den Unterschied zwischen dem einen und dem anderen kennt. Selbst Experten haben mit den Begriffen so ihre Schwierigkeiten, sogar die Zentralbanker, das aber vielleicht sogar bewusst. Abriss wird heute ja auch als Rückbau bezeichnet.

Interessant scheint die Sache mit der „Inflation“ schon zu sein, sonst würden nicht so viele Leute im Internet danach suchen. Interessant ist auch, dass vor allem die Anfragen aus Asien stammen. Wo sitzt nur die Quelle für offenbar zuviel Geld im System, das derzeit die asiatischen Preise wie in Indien in den Himmel schickt? Eines muss man der US-FED lassen: Sie ist clever.

In welchen Regionen sucht man am meisten nach dem Wort? Google Trends gibt Auskunft.

Auch in Deutschland tippt man in den letzten Wochen öfters dieses „Inflation“ in die Suchmaske bei Google ein.


Inflation? Teuerung? Wenn man den Gesprächen der Leute zuhört, schimpfen sie über steigende Preise, höhere Abgaben, also über Teuerung. Was ist in den letzten Jahren nicht alles teurer geworden? Seit der Einführung des Euro sind die Preise um rund ein Viertel gestiegen. Entweder stimmt etwas nicht mit der Statistik oder nicht mit den Leuten. Ich habe eine da eine Vermutung.

Nach den letzten Zahlen aus dem Dezember stiegen die Verbraucherpreise in Deutschland um 1,7 Prozent. Schuld daran waren Rauchen, Tanken und Heizen, sagen die Statistiker. Wenn man also nicht geraucht und nicht getankt und mit selbst gesammeltem Holz die Öfen geheizt hätte, wäre das Thema Teuerung doch irrelevant. Schön wär’s! Und es wird noch besser.

Teure Rohstoffe haben die Preise im Großhandel so stark steigen lassen wie seit fast drei Jahrzehnten nicht mehr. Auf Jahresbasis stiegen die Preise um 5,9 Prozent. Im Dezember 2010 standen die Verkaufspreise 9,5 Prozent höher als im Dezember 2009. Großhandelspreise gelten als Indikator für die  Entwicklung der Verbraucherpreise.

Als Grund für höhere Preise wird die Verteuerung bei Erzen, Metallen, Metallhalbzeug sowie bei festen Brennstoffen und Mineralölerzeugnissen gesehen, die um 14 Prozent zulegten. Auch bei den Nahrungsmittelpreisen glaubt man schnell die Ursachen gefunden zu haben: Waldbrände in Russland und Überschwemmungen in Pakistan. Die Getreidepreise stiegen um mehr als 20 Prozent. Obst, Gemüse und Kartoffeln waren 2010 im Großhandel knapp 9 Prozent teurer. Vergleicht man aber die Rohstoffpreise auf Jahressicht, wundert man sich doch etwas – denn die Preise stiegen stärker in US-Dollar, während der Euro auch noch fiel. In Euro gerechnet liegen sie also noch höher. Der CRB-Rohstoffindex stieg in den letzten Tagen auf ein Allzeithoch. Interessant auch der Verlauf bis 1971, als der USD noch fast so gut war wie Gold.


Der Sieg der Kernrate

Es waren Statistiker, Notenbanker und Politiker, die auf die Idee kamen, Energie – und Nahrungsmittelpreise aus den Zahlenwerken zu tilgen. Schließlich muss man ja nicht essen und heizen – der Statistik zuliebe. Man könnte auch alles streichen, was teurer geworden ist. In den USA orientiert sich die FED seit Jahren schon am Pfad der Kernrate – ein Weg, den Europa inzwischen auch eingeschlagen hat. Er wirkt geradlinig, nur weiß man nicht, wohin er führt. Statistischen Gerüchten zufolge ins Himmelreich. Kernraten bieten der US-Notenbank jede erdenkliche Möglichkeit, ihre Zinspolitik damit zu begründen Null-Zinsen brauchen eben Null-Inflation. Liegt es nicht auch im Interesse von Regierungen, mit Sozialleistungen sorgsam umzugehen?

Die EZB ist in diesem Zusammenhang etwas wacher. Sie betont es wie ein geldmonopolitisches Mantra. Jetzt, da im Dezember die „Inflation“ im Euroraum seit mehr als zwei Jahren offiziell wieder über die vermeintlich wichtige Marke von zwei Prozent gestiegen ist, hat bei EZB-Chef Jean-Claude Trichet und seinen Kollegen der Wecker geklingelt. Seit Donnerstag soll es nach einer Zinserhöhung aussehen, was den Euro über 1,34 USD katapultierte, gerade als er sich in den Keller machen wollte. Die Preisentwicklung in Deutschland 2010 steht im Einklang mit den Zielen der EZB steht, heißt es. Fein.

Und dann noch dieses…

Haushaltsenergie wurde nur unwesentlich um 0,3 Prozent teurer. Der enorme Preisanstieg für leichtes Heizöl (+ 22,6 % gegenüber 2009) wurde durch die günstige Preisentwicklung der anderen Haushaltsenergien wie Gas (- 8,6%) stark gedämpft. Nahrungsmittel verteuerten sich im vergangenen Jahr um 1,6 Prozent.

Sie sollten jetzt wirklich aufhören, das als Spaß zu verstehen und vielleicht sogar das Lachen einstellen. Seltsam ist nur, dass urplötzlich das Thema „Inflation“ auftaucht, wie damals die Deflation urplötzlich aus der Kiste sprang. Urplötzliches taucht immer häufiger urplötzlich auf. Man sollte sich daran gewöhnen.

In der EZB ist das Thema Inflation angekommen.  Die EZB-Zentrale residiert in Frankfurt unweit des Mains in einem recht hohen Turm. Von dieser stattlichen Höhe könnte aus kann man durchaus etwas erkennen – vielleicht sogar Sachen wie Inflation und Deflation – Dinge, für die die Währungshüter in erster Linie verantwortlich sind, wenn es um das Ausweiten oder Schrumpfen von Geldmengen geht. (inflare) Doch man sollte sich trösten: Die EZB`ler werden in einigen Jahren in einen noch höheren Turm umziehen und dort wachsam Ausschau halten. Zudem wird das neue Gebäude aus Glas sein – vielleicht aus Gründen der Transparenz.

Frank Meyer, 14. Januar 2011

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11 Kommentare auf "Inflation: Der Sprit ist immer schuld"

  1. Johannes sagt:

    Das mit der Teuerung (nicht Inflation) sehe ich etwas anders als der Autor.

    Ich bin der Meinung, dass die Lohn/Einkommensentwicklung einfach nicht Schritt gehalten hat mit der allg. Teuerung, sei es aufgrund von Steuern, Abgaben oder allg. Preissteigerungen.

    Vor mittlerweile fast 20 Jahren haben Freunde von mir, die als Handwerker auf Montage waren, mir ihre Lohnzettel gezeigt. Ein Verdienst von 30.000 Schilling war durchaus normal. In Euro umgerechnet waren das ca. 2180.- ! Nachdem ich heute selbst Leute für solche Arbeiten einstelle, weiß ich, dass nach 20 Jahren auch nicht mehr gezahlt wird. Evt. die Nächtigungskosten sind angestiegen.

    Nehmen wir mal als weiteres Beispiel die aktuellen Kollektivvertragserhöhungen in Österreich! So im Schnitt ist die Erhöhung um die 2,4 %! Ich habe das für einen meiner Dienstnehmer ausgerechnet, was er jetzt netto mehr bekommt. Dieser hat 2010 ca. 1450 netto verdient und wird dank der Kollektivvertragserhöhung nun 1480 netto verdienen, also 30 Euro mehr im Monat.

    Jetzt wurden/werden aber alleine von Staatsseite diverse Förderungen gestrichen, Abgaben erhöht etc., wobei bei uns in Österreich besonders Familien belastet werden. Schon alleine aus diesem Posten werden die 30 Euro Erhöhung schon nicht mehr reichen. Im Grunde wird es so sein, dass dieser Dienstnehmer netto sogar weniger haben wird, als im Jahr zuvor.

    Da rede ich noch gar nicht von Benzin/Dieselpreisen, Heizölpreisen etc., die dann natürlich als Teuerung wahrgenommen werden, weil Geld einfach fehlt.

    Noch dazu kommt, dass immer weniger Dienstnehmer eine langjährige Stelle, in der kontinuierlich der Lohn steigt, ihr Eigen nennen können.

    Immer wieder von vorne zu beginnen heißt auch, immer wieder mit dem geringen Einstiegslohn zu beginnen.

    Sollte ich mal gekündigt werden, muss auch ich anfangs mit mindestens 30% Lohnverlust rechnen, weil niemand bereit sein wird, mir meinen derzeitigen Lohn zu bezahlen. So realistisch muss man wohl sein.

    Und dieses Spiel geht nun schon über Jahre und jeder regt sich über Teuerung auf.

    Dabei ist es meines Erachtens nach die unterdurchschnittliche Lohnentwicklung, die dieses Teuerungsphänomen hervorbringt, samt immer höher werdender Abgaben/Steuern von Seiten des Staates/Länder/Gemeinden.

    Die Konzerne haben die Arbeitnehmer über Jahre, an sich kann man mittlerweile schon fast von Jahrzehnten sprechen, erpresst, indem mit Abwanderung gedroht wurde.

    So lang genug für heute. 😉

    Vielen Dank an den Blogwart, toll geworden die Seite! 🙂

  2. holger sagt:

    Ah ja… ich sehe schon mein Lieblingsthema. (nun gut, Au und andere Mitwisser lassen wir mal weg). Inflare—Deflare.
    Also Luft reinblasen oder ablassen. Bitte. Es wird doch jedem Menschen als Erleuchtung eingehen können, dass es nur eine Inflation geben kann, wenn der allgemeine homo modernikus irgendwann mal, mit einem einzigen Schein einkaufen gehen kann, wo die Zahl 20 Millionen oder so aufgedruckt ist.

    Erstaunlich bei einer Inflation ist, dass ganz schnell, ganz große Zahlen in kleine Waren umgesetzt werden. Man hat eben keine Zeit zur Demut und zum Sparen und Goldbestände uuupsss (sorry) sich anzulegen. Ist so. Das ist der Charakter einer „Inflation“. Man geht mit Schubkarren voller Geld in den Discounter und kommt hungrig wieder raus. Weil an der Kasse die Zahlen wild rotieren. Sollte man sich einfach nur mal vorstellen… können.

    Bei einer Deflation oder eben Deflare, geht man in den Discounter mit wenig Geld. Und kommt satt raus. Gleichzeitig stimmt das KGV nicht mehr, und die an der Kasse, wird weniger Lohn erhalten. Bei dem nächsten Aufschwung, versteht sich. Womit sie ihre Bude heizen soll ist durchaus fraglich. Aber nicht systemrelevant.

    • Frank Meyer sagt:

      Was will Holger mit diesen drei mehr oder mehr weniger Absätzen sagen?

      • holger sagt:

        Ganz einfach: Wie du schon richtig gesagt hast, gibt es eben eine Teuerungsrate. Ob das nach einem System gerade zB im Energiebereich erfolgt. Keine Ahnung. Das ist keine Inflation. Meine Meinung. Ich glaube erst an eine Inflation im Sinne der Inflation, wenn eben die Masse über Geld verfügt, was sie Panikartig sofort wieder loswerden will. Ich habe keine andere Beschreibung dafür. Durch dieses Verhalten wird dann, dass Angebot an Gütern knapp. Ich würde es mir sonst nicht anders erklären können.

        Oder anders gesagt: Wenn sich die umlaufende Geldmenge im Volk oder in der Masse nicht erhöht (frei-verfügbares Einkommen). Die Umlaufgeschwindigkeit dessen sich nicht wesentlich beschleunigt, die Leute keine Panik-Einkäufe machen im Herdentrieb. Dann kann es physisch und psycholgisch keine “Inflation” geben. Das Wunderkind hat gesagt, dass die Spareinlagen eines jeden sicher sind, oder so. Erst wenn die aufgelöst werden wollen im Großen, und dann auch noch in Waren (Assets) umgesetzt werden, dann haben wir aber Inflare.

        • Laterne sagt:

          Ihr mit eurer akademischen Wortklauberei.
          Zumindest Umgangsprachlich bedeutet Inflation Geldentwertung. Hintergrund ist immer der Staat oder das System. Dort wird mit der Geldentwertung Vermögen geschaffen und Schulden getilgt. Hyperinflation ist dann, wenn ich mit dem Schubkarren des Geld transportieren muss. Das ist jedoch nur der krönende Abschluss. Die schleichende Geldentwertung ist zwar perfide, für die Initiatoren aber einträglicher, für die Leistungserbringer weniger durchschaubar. In jedem Fall bleibt es Diebstahl der Leistung

          • holger sagt:

            @ Laterne

            —>>>Ihr mit eurer akademischen Wortklauberei.“

            Na, wie soll man es denn anders machen? Wenn jedes Dingen… Stuhl sich nennt, und trotzdem ein Schuh ist, wäre es ja auch langweilig. Eine Inflation kann nur dann bestehen, wenn sich etwas aufbläht. Entweder die Gütermenge oder die Geldmenge. Beides zusammen scheint nicht möglich zu sein. Was im Volksmund „Inflation“ genannt wird, ist schlicht weg, dass ich mit meinem Geld nicht mehr die Güter kaufen kann, die zur Verfügung stehen. Schau dir den Artikel vom Gburek an. 4.880 Milliarden Sparguthaben. Die werden verzinst nehme ich mal an. Zu wieviel Prozent? wollen wir unterirdisch 3 annehmen? OK. Das wären Zinsen in Höhe von ca. 146 Milliarden/anno. Irgendwer, muss die Netto erwirtschaften. Und zwar mit realen Produkten. Wieviel Kapital muss dafür eingesetzt werden? Die Institutionen sind ja die Sammelstellen für den Spargroschen für Riester und Rürup und wie sie nicht alle sich nennen.

            Das Problem liegt darin: Wohin mit der ganzen Kohle? Die Frage stellen sich jeden Tag die Guthabenhalter oder die Verwalter dessen. Nicht die Schuldner.

  3. holger sagt:

    Oder man kann es auch noch anders ausdrücken.

    Nach der herkömmlichen Schulbuch-Meinung, soll die Inflation mit der Aufblähung der Geldmenge zu tun haben. Nun hantiert man mit den Zinsen dagegen. So habe ich das in groben Zügen verstanden.

    Das ist in den Zeiten, wo die Löhne regelmäßig steigen, evtl. richtig. Nur zur Inflation oder der Deflation bedarf es immer zweier Dinge. Das Angebot an Waren und das Angebot diese für Geld erwerben zu wollen.

    Nicht die herkömmliche Nachfrage ist mMn entscheidend. Es ist die Frage: Wie ist die „vorhandene“ Geldmenge verteilt? Wie soll eine Inflation funktionieren, wenn das Volumen sich in wenigen Händen befindet und das Volumen in Volkes Hand, sich ständig verringert?

    Nehmen wir das Beispiel Tunesien. Mal wieder ein trauriger Zustand. Die Lebensmittelpreise sind explodiert. Die Waren sind ohne große Anstregungen vorhanden, sprich das Angebot an Waren ist da, aber nur zu teuer gegenüber dem verfügbaren Einkommen. Wäre das nun der Zustand einer „Inflation“? Ich meine, nein.

    Jetzt kann doch nur eines passieren: Entweder wird das Angebot an waren verbilligt, dadurch sinkt aber der Gewinn der Händler, oder das Angebot an Geld in der Bevölkerung wird angehoben. D.h. das Angebot an Geld in der Masse, wird erweitert. Ich weiss nicht mehr so genau ob es Simbabwe war, da sind sie mit Schubkarren voller Geld einkaufen gegangen. Das war eine Inflation.

    Es sind also mehrere Dinge die für eine Infla oder Defla ausschlaggebend sind.

    a) das Angebot an Waren b) das Angebot an Geld c) die „Verteilung“ des Geldes d) der physische und psychologische Zustand der Masse

    Nehmen wir an, dass in Tunesien die Menschen (wie auch immer) an Geld gelangen. Diese Menschen werden aus der nun gemachten Erfahrung heraus, Hamsterkäufe sofort tätigen. Sofern die Läden noch nicht geplündert sind. Das Angebot an Waren kann nicht so schnell nachgeliefert werden, wie das Angebot an Geld auf den Markt kommt.

    Das Angebot an Waren, dazu bedarf es einen längeren Zeitraum diese zu produzieren. Das Angebot an Geld nur kurze Momente. Es ist kein Unterschied in der Zeit, ob ich auf den Geldschein drei Nullen oder vier Nullen drucke. Es kommt nur auf die Druckmachine an.

    Der Zustand in Tunesien, ist der Zustand der „Deflation“. Obwohl die Preise steigen. Was nutzt es aber einem Händler, wenn er seine Waren nicht verkaufen kann? Er hat ein Angebot an teuren Waren und eine Nachfrage nach Geld. Seine Nachfrage nach Geld kann aber nicht befriedigt werden. Weil nicht ausreichend vorhanden und nur bei einzelnen auf dem Konto. Aber diese wenigen brauchen nicht soviel Waren, wie der Händler im Angebot hat. Der Gewinn des Händlers schrumpft, bis hin zur Insolvenz.

    Da die Geldmenge aber noch vorhanden ist, (bei wenigen) und man ja das Geld arbeiten lässt, was man persönlich nicht dem Händler durch Erwerb einer Sache geben kann/möchte, fließt dieses Geld als Anlage zB in Rohstoffe. Dies verteuert dem Händler (sofern noch am röcheln) aber wieder seinen Einkaufspreis. Und das Spiel geht wieder von vorne los.

    Das alles, ist aber keine „Inflation“ im Sinne des Schulbuches VWL. Ausschlaggebend ist die Geldmenge in der Masse und das gegenüberstehende Angebot an Waren. Die Geldmenge wurde aber beständig durch alle möglichen Dinge abgesaugt. In DE läuft das schon seit rund 20 Jahren so. Und nun kommen noch die Sparpakete in der Eurozone hinzu. Es wurden die Banken gerettet. Nur vor was? Vor der Zeit?

    Kurz um: nur meine Meinung mehr nicht.

    Deflation ist: wenn die Läden voll mit Waren stehen, und der Geldbeutel am heulen ist.

    Inflation ist: wenn im Geldbeutel eine Million ist, und ich bekomme dafür Heute zwei Brötchen und Morgen nur noch eines.

    Alles andere, ob die Preise nun hoch oder runter gehen, ist nur das Ergebnis der Verteilung des Geldes. Das ganze Spiel kann man nur aufrecht erhalten, wenn man die Pyramide des Geldes, als ganzes stehen lässt. Steht sogar auf dem ein Dollarschein drauf. Diese hatte am Anfang 13 Stufen. Vielleicht sind es jetzt nur noch 9. 4 Stufen verfügen über nicht ausreichendem Einkommen. Und das sind mindestens 70% der Bevölkerung. Da eine Inflation zu erwarten, scheint recht hypotetisch. Das alles teurer wird, kein Thema. Und das die Menschen sich immer weniger Leisten können auch kein Thema. Ganz salopp gesagt, hängst es daran, dass die wenigen, nicht wissen wohin mit ihrer Kohle.

    Und dann kommen die „Anlageberater“ in das Spiel, die ständig auf der Jagd sind, im Auftrag des Kunden, maximale Rendite machen zu müssen. Und wenn es selbst zum guten Schluss nur ist, im Lebensmittelbereich zu zocken. Tun sie es nicht, werden sie Arbeitslos. Es ist eine feine Welt und die modernste der Modernen, in der wir Leben.

    Fazit: Alles wird teuerer, aber eine Inflation ist es nicht.

  4. bigpuster sagt:

    Ich muss auch mal!
    Ich teile die Ansichten von „Holger“ nahezu. Leider wirst Du zum Ende selber wieder schwammig mit den Begriffen Inflation und Teuerung sowie Deflation und Rezession.
    Inflation ist ganz einfach zu bewerkstelligen auch in dem Szenario das Du zu Recht als derzeit vorliegend beschreibst. Es muss nur die Geldmenge erhöht werden und schon haben wir Inflation. Im Radio/ Fernsehen hören wir wohl gemerkt etwas zur Teuerung, die uns als Inflation verkaut wird. So dumm uns die Inflationsrate zu nennen, wären sie nicht.
    Verschulden sich die Staaten/ Bürger/ Unternehmen mit FIAT-Money, haben wir eine Inflation. Wird diese Verschuldung abgebaut – wie auch immer, muss ja nicht immer getilgt werden, es reicht auch die Finger in die Luft zu heben und zu sagen ätschbätsch *hihi* – sollte eine Deflation vorliegen.
    Meiner unwissentschaftlichen Meinung nach haben wir beides zugleich. Eine Inflation der Geldmenge im Besitz einer sehr kleinen Anzahl an Menschen und eine starke Deflation beim Rest.
    Anstatt mit dem Geld einzukaufen oder seine Angestellten anständig zu entlohnen wird das Geld neben ein paar kleiner Statussymbole nur gegen hohe Rendite herausgegeben. Solange an Märkten gezockt wurde, die die normale Bevölkerung nicht interessiert, spielen die dort steigenden Preise keine Rolle. Zuletzt am Immobilienmarkt ind den USA. Hätten die Banken nicht plötzlich jedem Altpapiersammler zugerufen „Yes you can!“, wäre das ganze für die normale Bevölkerung glimpflich ausgegangen. Irgendwann wäre die Blase geplatzt und aus ein paar Milliardären wären wieder läppische Millionäre geworden. Wie peinlich!
    Ohne die wirklichen Probleme Tunesiens zu kennen, ist das beschriebene Szenario genauso richtig. Es sind Waren mehr als genug da. Wir könnten uns ohne großen Aufwand zum Überleben versorgen. Es fehlt auch nicht an Arbeit. Es fehlt an Geld um diese so zu bezahlen, dass man sich davon versorgen kann. Vielfach liegt es auch nicht am Unternehmen, dass es so geringe Löhne zahlt. Es ist vielfach die schiere Not, die es gar nicht ermglicht mehr zu zahlen. Auch den tunesischen Einzelhändler drücken Miete, Strom und seine persönlichen Lebenskosten. Da er gleichzeitig weniger Ware absetzt, kann er entweder die Preise erhöhen oder seine Angestellten entlassen oder geringer entlohnen. Preise erhöhen geht nicht, also was bleibt. Und schon dreht sich die Rezessionsspirale.

    Die Lösung : Das dem Wirtschaftskreislauf entzogene Geld muss wieder zurück dahin wo es hingehört. In die Hände derer die es zum Konsum brauchen. Wie? Durch anständige Löhne, die ein würdevolles Leben ermöglichen und uns nicht alle zu Zinssklaven des Systems machen. Wir vergeuden die besten 40 Jahre unseres Lebens mit Arbeit für Größtenteils andere. In der Zeit, in der unsere Kinder aufwachsen und wir eigentlich für sie da sein sollten stehen wir mindestens 40 Stunden die Woche + An-/Abfahrt den großen Kapitalbesitzern zur Verfügung und können uns glücklich schätzen, wenn uns nach Abzug aller Abgaben und Miete/ Zinsen noch 20% des Gehaltes bleibt. Überlegt euch mal, wie viel weniger Ihr ohne Zinssystem arbeiten könntet und die Zeit mit Eurer Familie, Literatur und auch mal für Euch verbringen könntet. DAS IST PERVERS!

    • holger sagt:

      —>Es muss nur die Geldmenge erhöht werden und schon haben wir Inflation.“

      Ich weiss nun nicht, was ich tun soll. Durch Marxes G‘ der war es natürlich nicht, erhöht sich die Geldmenge stetig. Ergo haben wir immer eine Inflation. Ich habe auch keine Lust mehr, mit Schumpeter, Smith, Keynes, Hayek oder wem auch immer anzufangen. Das sollen die großen Ökgnomen machen. Das ist ihr Job.

      Fakt ist: Die Masse kann über das „Kapital“ nicht verfügen. Es ist nicht mehr dort. Eine Inflation ist ständig gegeben. Egal wo. Und wenn es nur die Winde im Darm sind.

      Fakt ist: Das die Kaufkraft zurück geht. (Warum auch immer)

      Fakt ist: Das es keine Schulbuchmäßige Inflation ist. Mehr nicht.

      Fakt ist: Das Bier im Gebinde 0,5 Liter kostet nun mehr 3,80 Euronen. Und nicht mehr 3,80 DM. Das war eine Inflation. Die Einführung des Euros.

      • bigpuster sagt:

        Fakt ist: Die Masse kann über das “Kapital” nicht verfügen. Es ist nicht mehr dort. Eine Inflation ist ständig gegeben. Egal wo. Und wenn es nur die Winde im Darm sind.
        ———————————————————————–
        Ds unterschreibe ich sofort!

        Fakt ist: Das die Kaufkraft zurück geht. (Warum auch immer)
        ———————————————————————–
        Stagnierende Löhne und erhöhte Ausgaben
        ———————————————————————–
        Fakt ist: Das es keine Schulbuchmäßige Inflation ist. Mehr nicht.
        Doch ist es. Die Geldmenge steigt –> Inflation. Diese führt zur Teuerung in verschiedenen Bereichen. Was nicht „schulbuchmäßig“ in meinen Augen ist, ist die Tatsache, dass die Teuerung nicht durch erhöhte Nachfrage im konsumtiven Sinne durch erhöhte Kafkraft der Massen ausgelöst wird, sondern durch Spekulationen mit dem stillgelegten Geld. Es kann mir doch keiner erzählen, dass die Preise für Weizen, Roggen, Kupfer etc. erst seit einigen Jahren derart verrückt spielen, weil die Menschen das eine Jahr tonnenweise Brötchen essen und im darauffolgenden Jahr keinen Appetit mehr auf Weizen haben, sondern zu Roggen wechseln. Die Märkte bei den Grundnahrungsmitteln sind seit Jahrzehnten gesättigt und Preisschwankungen wird es eher durch mehr oder weniger verfügbare Rohstoffe geben ( Mißernten etc. ) . Wenn man sich allerdings vor Augen hält, dass die EU tonnenweise Lebensmittel vernichtet und um die Preise zu stabilisieren…tja, wer soll dann noch an echte Knappheit glauben. Erst wenn die Milliarden an Asiaten und Afrikanern wirklich anfangen durch höhere Kaufkraft zu konsumieren, glaube ich an eine schulbuchmäßige Teuerung durch eine höhere Nachfrage als Angebot. Das was wir zur Zeit erleben ist Spekulation auf Kosten der Ärmsten und der Mittelschicht.
        Meine Meinung.

  5. […] This post was mentioned on Twitter by CONTRACOMA. CONTRACOMA said: NetNewsGlobal: Inflation: Der Sprit ist immer schuld: Das Leben in Deutschland ist im letzten Jahr kaum teurer g… http://bit.ly/f8FsXi […]

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