Inflation auf dem Vormarsch?

24. Juni 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Manfred Gburek

Es dauerte nicht mal ein halbes Jahr, und die Inflationsrate der Eurozone wechselte im Mai auf plus 0,3 Prozent, nachdem sie zuvor bis auf minus 0,6 Prozent ins Negative gefallen war. Nur eine Marginalie? Von wegen!

Es handelt sich um nichts weniger als um die zweite Aufwärtswende der Inflationsrate innerhalb von sechs Jahren; 2009 hatte es eine ähnliche Wende gegeben. Dieses Mal wird der Anstieg – anders als 2011 – nicht bei 3 Prozent halt machen. Das hat mannigfache Gründe. Konzentrieren wir uns auf die entscheidenden unter ihnen:

Auch wenn Sie das Thema Griechenland leid sind, nenne ich es hier an erster Stelle, weil es sich um einen Infektionsherd handelt. Denn wie auch immer der Kompromiss zwischen der griechischen Regierung einerseits und ihren Verhandlungspartnern unter deutscher und EU-Führung einschließlich EZB und IWF andererseits ausgehen mag: Am Ende werden Franzosen, Italiener, Spanier, Portugiesen usw. darauf pochen, dass ihnen ebenso wie den Griechen erlaubt wird, über ihre Verhältnisse zu leben. Allein schon von daher wird es zum Auftrieb der Inflationsrate kommen.

Nicht zu unterschätzen ist auch das, was sich gerade in den USA abspielt, weil die dortige Konjunktur erheblichen Einfluss auf die europäische hat. Wenn also die Wachstumsaussichten drüben, wie gerade von offizieller Seite aus geschehen, massiv auf 1,8 bis 2 Prozent für dieses Jahr zurückgenommen werden, deutet das auf eine Flaute hin, die letzten Endes nicht nur die US-Notenbank Fed, sondern auch die EZB veranlassen wird, weiter kräftig Geld in die Märkte zu pumpen. Eine entscheidende Frage, die sich dann stellt, ist die nach der Art der Inflation. Das heißt, kommt das viele Geld weiterhin primär Immobilien und – nach dem aktuellen Kurseinbruch in Deutschland – auch wieder Aktien zugute (Asset Inflation), oder zieht es mehr den Verbraucherpreisindex in die Höhe?

Widmen wir uns nun den Immobilien, hier speziell den deutschen Wohnimmobilien gemäß Analyse von ImmobilienScout24. Was besonders auffällt: Die Wohnungspreise ziehen den Mieten weiter davon. Und weil die Deutschen nach wie vor ein Volk von Mietern sind, könnte man meinen, das sei auch gut so. Doch die Kosten rund ums Wohnen machen im deutschen Inflationsindex nahezu ein Drittel aus, und dieser schlägt sich zu rund 30 Prozent im Index der Eurozone nieder.

Wie auch immer man das Ganze dreht und wendet, es ist einen weiteren Blick auf die Preise der deutschen Wohnimmobilien wert. Nur zwei Beispiele: Unter den Metropolen ragt aktuell Frankfurt heraus. Hier sind die Preise für neue Wohnhäuser innerhalb Jahresfrist (!) um 12,1 Prozent gestiegen, für Wohnhäuser aus dem Bestand sogar um 15,1 Prozent. Eigentumswohnungen: plus 14,1 Prozent Neubau, plus 15,8 Prozent Bestand. Mieten: plus 4,4 Prozent. Erst an zweiter Stelle kommt Berlin, wobei dort einzig Eigentumswohnungen aus dem Bestand mit plus 17,3 Prozent und Mieten mit plus 6,4 Prozent noch vor Frankfurt rangieren. Wer glaubt, diese Entwicklung schlage sich über kurz oder lang nicht in höheren Inflationsraten nieder, ist ein Träumer. Im Übrigen kann die Mietpreisbremse vielfach elegant umgangen werden.

Wie sind Aktien im Zuge der Asset Inflation zu beurteilen? Anders als Immobilien haben sie unterjährig stark schwankende Kurse. Bisher war der Trend aufwärts gerichtet, doch zuletzt ist es zum Trendbruch gekommen, unter anderem ausgelöst durch die Zinswende. Diese wurde bekanntlich nicht durch die EZB bewirkt, sondern durch die Marktkräfte, indem zum Beispiel die Renditen langlaufender Bundesanleihen aufwärts tendierten und deren Kurse abwärts. Darin kamen vor allem Inflationserwartungen zum Ausdruck. Aus diesem Zusammenhang lässt sich schließen, dass Börsianer Aktien derzeit nicht so sehr als Teil der Asset Inflation betrachten, sondern eher als Spekulationspapiere, denen die Zinswende ordentlich etwas auf die Mütze gegeben hat.

Was die Inflationserwartungen betrifft, dürfte die Rolle des Goldes als Schutz vor Geldentwertung schon bald in den Vordergrund rücken. Seine Preiseskapaden während der abgelaufenen Woche deuten jedenfalls darauf hin. Dazu braucht man sich nur klar zu machen, dass der Goldpreis immer dann nach oben dreht, wenn die realen Zinsen, vorrangig die der amerikanischen und deutschen Staatsanleihen, ins Minus rutschen, wenn also deren Renditen abzüglich der – erst erwarteten, danach tatsächlichen – Inflation negativ werden. Das wird in diesem Jahr noch sehr spannend.

Manfred Gburek – Homepage



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