In vino veritas

18. Mai 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Slideshow

Was ist eigentlich aus meiner Wein-Spekulation geworden? Vor zwei Jahren in der Wirtschaftskrise wurden die Preise der Bordeaux-Weine nieder geknüppelt. Doch es war damals eine der seltenen Gelegenheiten, richtige Schnäppchen zu machen…

 

 

von Frank Meyer

Innerhalb von zwei Jahren haben sich die Preise wieder erholt und haben mindestens so zugelegt wie Gold. Wein – das bessere Gold? Keine Ahnung. Da ich von der Sache wenig verstehe, habe ich lieber etwas Gold gekauft. Notfalls kann ich es ja auch in solchen Wein umtauschen, sollte mir danach sein.

Warum schreibt der Autor dieser Zeilen ausgerechnet über Wein? Ich war neulich zu einer Weinprobe eingeladen. Das passiert nicht so oft, wahrscheinlich gibt es auch Gründe dafür. Unser sich in Weinen gut auskenndener Gastgeber hatte Altweine bereit gehalten, also Weine, die mindestens so alt waren wie ich oder noch älter als meine Mutter. Es ist schon erstaunlich, welchen Respekt man vor so einer alten Flasche entwickelt – womit hier ein 1947er Rotwein gemeint ist, dessen Name schon meine Zunge verknotet hätte – was ungünstig gewesen wäre, denn ich brauchte diese ja noch.

Los geht`s !

Plopp! Es war ein Feuerwerk aus gespeicherter Sonnenkraft, Heublumen, Malz, Honig und wahrscheinlich 300 anderen Aromen, die unter dem Einfluss von Luft minütlich ihre Komposition wechselten – und sich nach 64 Jahren endlich austoben konnten wie lebenslang Eingesperrte, die dann doch noch in Freiheit kamen.

Altweine sind schwere Weine. Auf welche Gedanken man doch so kommt, wenn die Flasche schon halb leer ist. Wie wäre es damit? Alte Weinflaschen werden wahrscheinlich ein ödes, von Jahreszeiten unberührtes und eher langweiliges Dasein fristen. Weinflaschen, die in Frankreich vor der Besetzung durch die Deutschen im Keller eingemauert worden waren, und dann auch noch vergessen wurden, könnten Bücher über den Tratsch im Keller schreiben – wenn man sie denn wieder fände. Wer weiß, worüber die Flaschen die ganze Zeit im Keller alles so tuscheln? Von alten Zeiten? Vielleicht beobachten sie auch hin und wieder Dinge, die niemals an die Öffentlichkeit gelangen dürfen? Gelüste? Affären? Mord?

Wie dem auch sei, mein Gastgeber ist ein begnadeter Kenner und Sammler edler Tropfen. Wenn ich irgendwann als Kellermaus wieder geboren werde, weiß ich jetzt schon, wo ich mich einnisten sollte. Der Käse zum Wein war vorzüglich – ebenso die Gastfreundschaft und die Gespräche. Es stimmt schon, dass das Leben zu kurz ist, um schlechten Wein zu trinken. Doch das Leben ist auch lang genug, um mit Weinen etwas zu verdienen, wenn man es klug anstellt. Fragen Sie mich nicht weiter. Ich kann Ihnen nur von Heublumen erzählen.

Wein als Investment?

Die Gegend um Bordeaux ist mit 3.000 Weingütern weltweit das größte zusammenhängende Gebiet, in dem Qualitätsweine hergestellt werden. Vor zwei Jahren klagten die Weinbauer dort über Absatzschwierigkeiten und einbrechende Preise. Umso erstaunlicher ist es, wie schnell sich die Preise dank der Geldschöpfung in den Zentralbanken erholen konnten, was aber auch auch am inzwischen gestiegenen Interesse der Chinesen liegt. Sie kaufen Jahrgang um Jahrgang weg. Wein ist im Reich der Mitte in Mode gekommen – auch Champagner.

2009 stellte ich mir die Frage, ob ich lieber 98 Euro in eine Aktie der Münchener Rück investieren sollte, oder besser den Betrag in eine Flasche Bordeaux-Wein tauschen. Bei der Münchener Rück, die inzwischen ganz modern „Munich Re“ heißt, hat sich trotz eines international klingenden Namens recht wenig getan. Eine Flasche Bordeaux-Wein könnte ich heute in zwei Munich-Re-Papiere umtauschen. Doch wer will das schon.

Das mit den Aktien ist schon eine nette Sache, vor allem, wenn sie Dividenden ausschütten. Doch auch Wein zahlt aus, vor allem, wenn er Zunge und Gaumen umspült. In einem netten Beieinander in entspannter Atmosphäre fragt man sich, was angenehmer ist. Sechs Euro Dividende mit dem Aktienkürzel „MUV2“ oder entsprechende Atmosphäre bei einem guten alten Bordeaux? Ich hatte verstanden… (—> Seite 2)

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10 Kommentare auf "In vino veritas"

  1. samy sagt:

    „… Vielleicht sollten Politiker tagsüber öfters mal einen guten Tropfen zu sich nehmen und nicht immer erst am Abend, wenn keiner mehr zusieht und zuhört. …“

    Na ja, dann würde der Brüderle mitten im Wahlkampf ja nur noch die Wahrheit sagen…

    Huch?

    🙂

    PS: Übrigens, guter Whisky hat ebenfalls Potential, was die Preise angeht.
    Außerdem ist er einfacher zu lagern.

    • Gerrnzfg sagt:

      Das mit dem Whisky kann ich bestätigen. Ich habe ein paar Flaschen im Regal, die eine bessere Performance als Gold haben.

      Beispiel: 1964er Malt gekauft 1999 für 120 DM, hab ich vor einiger Zeit für 1350 EUR gesehen…

      Will ihn jemand haben? 🙂

      • samy sagt:

        Hi,

        haben ist ein dehnbarer Begriff, fällt da auch das Trinken drunter?

        🙂

        Aber ist schon witzig. Nimm mal den Scapa 14Years, als er raus kam kostete der um die 20-25€. Nur weil er aus dem Programm genommen wurde stiegen die Preise recht zackig auf ca. 60-70€. Der Whisky ist ja jetzt nicht besser oder schlechter, er ist schlicht „exklusiver“ und sofort schwärmen die Experten.

        Mein Tip sind Standardabfüllungen die aus dem Programm genommen werden. Der Laphroaig 15Y wird durch den 18Y ersetzt. Der dürfte in 1-3 Jahren das dreifache kosten.

        sláinte!

        • Gerrnzfg sagt:

          Lukrativer sind Abfüllungen von Distillerien, die mittlerweile dichtgemacht haben. Da steigt der Preis enorm an, wenn sich dann die Lagerbestände langsam dem Ende zuneigen…

  2. kranich05 sagt:

    Die Weingeschichte trifft voll, mein Herz, Bauch Zunge, wie auch immer.
    Die Lagerprobleme alter Weine, daß sie zu Essig werden können, waren mir auch bekannt.
    Andererseits ist mir noch in Erinnerung (vom Erzählen, nicht vom selber Handeln), daß nach 45 EINE Währung immer ging: Schnaps! (neben Zigaretten).
    Kurzum, ich hab‘ mir ein kleines Lagerchen edelster hochprozentiger Tropfen eingerichtet.
    Welche? z. B. armenischer Brandy (Schon zu DDR-Zeiten eine Legende!)

    • Frank Meyer sagt:

      Danke, kranich,
      Da kenne ich mich nicht so aus. Vieleicht ein paar Flaschen „Bitterfelder Bretterknaller“? Meine Großeltern haben mir das auch immer erzählt, dass das heiß begehrte Ware im Tausch gegen Lebensmittel war. Aber sie hatten den Keller auch nicht voll davon. Vielleicht eine Unze Gold weniger und ein paar Flaschen mehr? Krisenvorsorge sollte ja umfassend sein 🙂

  3. Goldfinger sagt:

    Also ich halte es wie der alte Kosto:

    Unter Alkohol trifft man meistens die richtigen Entscheidungen.
    Die Angst verfliegt…

  4. el-grande sagt:

    ich halte alkohol auch als investment sehr interessant –

    im übrigen wenn man bilder von krisenherden rund um die welt im fernsehen sieht – entweder die kippe im mund oder ne pulle in der hand (außer muslimische länder)

    sind sie auch noch so arm , geraucht wird immer bzw die kippe in der hand fehlt nie …

    tabak & alkohol waren in den großen krisen begehrte tauschgüter und sogar in vielen fällen besser als gold oder silber

    ich beziehe mein wild-fleisch vom jäger schon heute in der währung alkohol

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