In nomine Patris. Im Namen des Herrn

25. September 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Frank Meyer

Schade eigentlich, so die Börsianer in Frankfurt, dass der Papst keinen Abstecher an die Börse gemacht hat, denn auch der DAX übte den Kniefall. Die Götter waren mal wieder gegen ihn. Götter? Gemeint sind die Geldgötter der US-Notenbank, die falsche Oblaten verteilten…

Oberhirte Ben Bernanke begann einen „Twist“ und begann, mit der Hüfte zu wackeln. Dann wurde allen schlecht. „Twist“ bedeutet ein Fummeln an den Zinsen, aber (noch) kein neues Geld für den Markt. Mist! In Frankfurts Heiligen Hallen sollte es eigentlich ein fest werden wie die Messe im Berliner Olympiastadion. Dort brannten wenigstens Kerzen und die Weihrauch-Handtaschen von Priestern. Am Markt verbrannte nur Geld.

Oh Gott! Die Korrektur ging weiter – eine Reaktion auf eine Täuschung mit umgekehrten Vorzeichen, sagt Bill Bonner. Der Unsinn mit dem billigen Geld soll weiter gehen, wenn die FED versucht, die Zinsen zu drücken und den Schuldnern noch mehr Schulden schmackhaft zu machen. Diese sollen nicht nur die Wirtschaft ankurbeln, sondern ihre alten Fehler wiederholen.

Beliebtester Pilgerort der Banken war in dieser Woche wieder mal die EZB. Dort können sich die einst so ehrwürdigen Finanzinstitute Absolution in Form von Liquidität besorgen, indem sie Sünden-Ramschpapiere als Sicherheit hinterlegen.„Sicherheiten“ dürfen jetzt auch übel riechen. Habe ich nicht auch noch Müll im Keller? Mist! Ich bin keine Bank.

Für Rettungen sämtlicher Art ist heute alles möglich – im Namen des Herrn. Ein so durchgedrehtes Geldsystem wie das unsere hätte der liebe Gott wohl selbst auch dann nicht hinbekommen, wenn er die Pause am siebten Tag weggelassen hätte. Wahrscheinlich bricht er bei diesem Anblick jedes Mal in Tränen aus und fällt auf die Knie – genau wie der DAX in dieser Woche. Amen.

©Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten

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Ein Kommentar auf "In nomine Patris. Im Namen des Herrn"

  1. auroria sagt:

    Schön dass ihr wieder online seid.
    Danke an alle Beteiligten, die am Sonntag zu solchen Zeitem am Server schrauben.

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