In memoriam: Dr. Kurt Richebächer

12. Juli 2012 | Kategorie: Gäste, Kommentare

(von Bill Bonner) Mit Freude erinnere ich mich an meinen alten Freund Kurt Richebächer: Ja…ich weiß nicht, was mit den Angelsachsen schief gelaufen ist.“, würde er sagen, während er seinen Spazierstock mit dem silbernen Griff auf den Boden klopft. Wie es scheint, sind sie verrückt geworden…Es scheint, als hätten sie alles vergessen, was sie über Wirtschaft gelernt haben – dass man eine stabile Währung braucht, die Wichtigkeit von Kapitalbildung und den Unsinn von zentraler Planung. Und jetzt sind sie bereit, alles zu glauben.“…

Als Kurt vor einigen Jahren starb, hat er mir seinen Lieblingssessel vererbt. Es ist ein dunkler Ledersessel mit einem gebogenen Sitz mit der Optik von transatlantischen Liegestühlen. Wenn man einmal drin sitzt, ist es schwer wieder raus zu kommen.

Am letzten Wochenende saß ich in dem Sessel und versuchte daran zu denken, was Kurt wohl denken würde. Was würde er wohl denken über den Absturz…die Bail-Outs…die QEs…die Wendungen…? Ich überlegte…trank…und plötzlich, wie aus dem Nichts, hörte ich seine teutonische Stimme.

Ja…es ist genauso, wie ich dachte, dass es kommen würde. Sie tun, was ich erwartet hatte, was sie tun würden. Und es ist unglaublich. Es ist als würden sie gar nichts tun…als hätten sie niemals ein Wirtschaftsbuch aufgeschlagen oder auch nur mal zwei Minuten darüber nachtgedacht, wie Wirtschaft funktioniert.

Das ist das Problem mit euch Angelsachsen. Eure Hirne sind von diesem keynesianischen Schwachsinn übernommen worden. Es war Quatsch und unsinnig, als es in den 1930ern aufkam und es ist immer noch Unsinn. Und doch zieht ihr Angelsachsen dort mit.“

Uh…Kurt“, protestierte ich. Ich mag es nicht, einen Schatten zu kritisieren, aber ich dachte ich sollte die Sache richtig stellen: Ich bin kein Angelsachse…ich bin irisch.“

Kurt: „Okay… ich meinte nicht dich persönlich. Ich meine die englisch-sprechende Welt. Die Welt der englisch-sprechenden Ökonomen. Das sind alles Scharlatane. Hochstapler. Marktschreier.

Sehen sie denn nicht, dass man keine Schuldendeflation heilen kann, indem man noch mehr Schulden macht? Natürlich sehen sie das. Aber das zuzugeben würde bedeuten, dass sie ihren Ruf, ihre Nobelpreise und ihre akademischen und staatlichen Stellen ins Klo werfen würden. Und dieser Ben Bernanke! Der hat die Nerven sich einen Ökonomen zu nennen! Er ist nicht mehr als ein Trickbetrüger… wie die Leute, die Shell-Spiele leiten oder idiotische Vergnügungsparks.“.

„Es ist so offensichtlich, was falsch läuft. Die Lösung ist auch so offensichtlich. Wieso können die das nicht sehen? Es gibt zu viele Schulden. Und zu viele Vermögenswerte… und zu viele Unternehmen…und zu viele Karrieren und Familienbudgets sind nun abhängig von diesen schlechten Schulden. Es ist nichts Gutes, den Schuldnern noch mehr Geld zu leihen und so zu tun, als ob es gute Schulden wären. Es gibt nichts anderes zu tun, als sie loszuwerden… je früher desto besser. Das ist es, was Baisse und Korrekturen tun sollten. Also lassen sie es passieren. Lassen sie die Leute Pleite gehen. Aber was soll’s? Die Menschen sind bereits pleite. Sie wissen es nur noch nicht.“

„Und dann, wenn man eine echte Erholung möchte, muss man den Leuten, die das bewirken können, noch mehr Geld in die Hände geben – Familien, Unternehmern und Geschäftsleuten. Nicht der Regierung! Guter Gott, die Regierung verbraucht Reichtum, und produziert ihn nicht!

Wenn man eine echte Erholung will und nicht die falsche, von der Regierung erstellte, muss man die zulassen, dass die Leute ihr Geld behalten, so dass sie ihre Rechnungen bezahlen können, sparen, investieren und es ausgeben können für was auch immer sie möchten.

Man kann es ihnen nicht weiterhin wegnehmen und es für die Geldverschwendung der Regierung rauswerfen. Das schlechteste, was man machen kann, ist die Steuern zu erhöhen…und die Regierung mehr Geld verschwenden lassen. Das macht einen nur ärmer.

Ist das nicht offensichtlich? Entweder man schafft Wohlstand mit Kapitalbildung, Investitionen oder Produktion. Oder man verbraucht ihn. Die Regierung ist immer ein Verbraucher und kein Produzent. Was man tun sollte, ist Steuern zu senken und Regierungsausgaben zu kürzen, einschließlich aller Rettungspakete, Verträgen und Subventionen der privaten Industrie – sogar noch mehr.

Dann hat man einen ausgeglichenen Staatshaushalt und mehr Geld in privaten Händen. Das ist die wirkliche Lösung. Aber keiner von euch angelsächsischen Volkswirten wird das auch nur in Erwägung ziehen… stattdessen habt ihr euer unechtes Wachstum – was nur mehr Staatsausgaben bedeutet. Und eure unechten Sparmaßnahmen, was nur heißt, dass die Steuern in die Höhe schießen und private Ausgaben weniger werden.“

„Ja, es ist unglaublich.“


Quelle: Kapitalschutz Akte
In memoriam: Dr. Kurt Richebächer (von Bill Bonner)
Weitere Informationen: Investor Verlag

Print Friendly, PDF & Email

 

Schlagworte: , ,

2 Kommentare auf "In memoriam: Dr. Kurt Richebächer"

  1. John Doe sagt:

    Lieber Bill,

    das mit dem Traum in Mentors Sessel ist eine schöne Geschichte. Ich kann mir nicht helfen, Sie müssen ein bisschen verkrampft gesessen haben.

    Ich meine die Geschichte mit den Steuern runter, dann hat die Wirtschaft was in der Hand und kann sich gen Paradies auf machen, für Alle natürlich.

    Das klingt verflixt nach R. Reagan und seiner trickle-down- economy, erfunden von Laffer und dem seinerzeitigen, ehemaligen Goldman-Sachs-Offizier, Finanzminister, und das schon vor Jahrzehnten. Ich habe mir, um im Bild zu bleiben, angewöhnt, diese Sichtweise mit Sickerwasser Ökonomie zu übersetzen. Es soll nur Sickerwasser unten ankommen. Ein Damm, der Sickerwasser durchlässt, ist hochgradig gefährdet. Es ist bekannt, wenn er sich mit Sickerwasser vollgesogen hat, dann macht sich das durchfeuchtete Erdreich selbstständig. Wasser hat nun mal diese physikalische Eigenheit. Sollte er aus Beton sein, dann ist schon Gefahr im Verzuge, der Dammbruch steht kurz bevor!

    Ronnie hat doch die Steuern gesenkt, Bush I + II, Clinton, Obama und deren jeweilige Finanzminister, alles ehemalige Goldman-Sachs-Offiziere, haben diese Steuersenkung mit einer Ewigkeitsgarantie ausgestattet. Der Satz liegt so bei 30 % für realwirtschaftliche Taten, für Taten der Finanzwirtschaft liegt der Satz bei 15 %. Lücken genützt, absichtliche und unabsichtliche eingebaut, und schon gibt es eine satte Steuerrückzahlung. Da wurde doch tatsächlich zusätzlich die Trennung Geschäftsbanken – Finanzbanken zum erklärten Wohle der Prosperität, jetzt waren Eigenhandel und Insidergeschäfte möglich, abgeschafft. Im selben Atemzug wurde die Möglichkeit erweitert die Finanzgeschäfte Off-Shore abwickeln zu lassen, zum Wohle der Prosperität versteht sich, mit Steuerpflicht gegen Null. Es wurde dereguliert, liberalisiert, geFriedmant, geHayekt, geWalrasst, geParetot, geEichegreent, geleveraget, was gerade noch auf die Kuhhaut drauf passte. Es wurde geinnovated, CDS, CDO, CMBS und wie der ganze neumodische Kram auch heißen mag. Da wurde gehandelt, gesichert, die Sicherung mit der Sicherung abgesichert, und damit wieder gehandelt, dass es ein reine Freude war dabei zu sein. Da wurde gemischelt, gemauschelt, getrickst um ja den Mythos des vollkommenen Marktes, auf dem ja bekanntlich Jeder über Jeden und Bescheid über Alles weiß, zu realem Leben zu verhelfen. LIBOR, WIBOR, MIBOR mal kurz oder lang manipuliert, dem Mythos die lange Nase gezeigt,und das schon seit Jahren und mit Wissen der Aufpasser, ebenfalls ehemalige G+S-, u. JPM-Offiziere. Dem gutgläubigem spanischen Muttchen Preferentes auf geschwatzt. Das BIZ in Basel hat mal gezählt und kam auf das Volumen von $ 70 Trillion für die Leistung der Realwirtschaft, $ 60 Trillion für die Leistung im lizenzsierten Finanzbereich und auf $ 702 Trillion Leistung im unlizenzsierten Finanzmarkt. Die Frage, wie denn sowas zu Stande kommen kann, wird mit dem Schulterzucken beantwortet, der Markt wollte es so. Die Ausrede par excellence: Ich habe nur den Marktgesetzen gehorcht, mich von Gott inspirieren lassen! Fragt man den Marktteilnehmer, wie er denn an die Anweisung gekommen sei, die Inspiration, die Gesetze der unsichtbaren Hand kenne, per Post, Telegramm, email, über Mobilfunk gar, oder per Seance, wieso er sein Ich abgegeben hat und nur noch auf Befehl reagiert, zieht man sich den heiligen Zorn wegen Gotteslästerung zu. Die Chinesen und der deutsche Michel seien noch die einzigen Gläubigen auf der Welt, die noch an den Segnungen des Marktes hängen, wurde in den USA gepollt. Ab und an gibt dann einer zu, dass es die unsichtbare Hand des Marktes gewesen sei, die da zu geschlagen hat. So genau wisse er es auch nicht, denn es könne auch der Fuß gewesen sein, der getreten hat. So was käme ja bei unsichtbaren Dingen ab und an mal vor. Das sei doch Allgemeinwissen!

    Darf man die umher ziehenden Nachrichtenerzähler, gemein hin Journalisten genannt, WiWi´s, ifo-isten, IW-ler, NSM-ler oder auch im Sessel eingeschlafene Blogbetreiber, mit der Frage belästigen: Du, du hast doch gar keine Kleider an?

    Alles, wohlgemerkt, alleinig nur zum Wohle der Prosperität, zum Vorteil der Wirtschaft eben!

    Bill, ich habe den erhärteten Verdacht, dass Sie nicht mit Richebächer gesprochen haben. Erinnern Sie sich noch an sein Aussehen? Hatte sie vielleicht rote Hörner, einen Pferdefuß, stank nicht nach Weihwasser, trug die Schmonzette „Atlas Shrugged“ unterm Arm und war mit dem Namenszug Ayn Rand tätowiert? Oder war es nur der dressierte Zocker, wie der Nachspann des Alptraums vermuten lässt!

  2. Adept sagt:

    „Kreditpyramide führt zu Illiquidität “
    sagte Richebächer.
    Mises sagte einfach, daß Geldmangel Hyperinflation erzeugt.

    Warum jagt ein sogenanntes Rettungspaket das Nächste ?

    Es ist der Geldmangel der machtgierigen Eliten. Sie begreifen nicht, dass sie selber diesen Wahnsinn bezahlen müssen aus ihrer aus Gier entstandenen Finanzpyramide. Es hat ja außer ihnen KEINER mehr cash.

    Letztlich ist Geldmangel und Inflation Ein- und Dasselbe.

    http://www.miprox.de/Wirtschaft_allgemein/richebacher.htm

    Kürzere Erklärungen für den gegenwärtigen Wahnsinn gibt es nicht.

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.