In Frankreich platzt ne Bank

4. September 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Frank Meyer) Götter haben einen feinen Humor und böse Waffen. Kürzlich tauchte im EU-Parlament ein Riss in der Decke auf. Es regnete durch. Ein Dachschaden – nicht nur dort. Dachschäden haben Frankreich in den letzten Jahren berühmt gemacht. Das EU-Parlament ist dabei nur ein Beispiel…

Es ist übrigens der zweite Dachschaden innerhalb von vier Jahren im Parlament, wo 754 Parlamentarier die Interessen der EU-Bürger vertreten sollen. Damals waren Teile der Deckenverkleidung in den Straßburger Plenarsaal gestürzt. Die armen Balken. Was sie sich so alles haben anhören müssen. Das scheint uner-träglich geworden zu sein.

Schaut man etwas weiter, sind Risse jetzt auch in den französischen Staatsfinanzen sichtbarer geworden. CIF, ein auf Hauskredite für Familien mit kleinem Einkommen spezialiserter Hypothekenfinanzierer ist am Montag geplatzt. Die Bank hat 33 Milliarden Euro ausgereicht und benötigt jetzt 20 Milliarden Euro an Staatshilfe. Dabei hat Frankreichs neuer Präsident Hollande seine Wahl unter anderem damit gewonnen, indem er Staatshilfen für Banken strikt ablehnte. So schnell geht`s!

Kaum im Amt, entschloss er sich dann, den Sozialismus einzuführen.

Frankreichs Chefs sind oft erstaunlich… Sonnenkönige, Bonapartes, Sarkozys – und jetzt Hollande. Letzterer zimmert gerade an einer Sonne, in deren Schein er vielleicht sogar in die Geschichtsbücher gestrahlt wird. Warten wir es ab. Vielleicht ist Frankreichs Weg ja der, den auch wir später beschreiten – aus Not heraus: Mehr Sozialismus – weniger Markt. Schließlich muss Deutschland immer als Letzter zu seinem Glück gezwungen werden.

Wer sich etwas mit französichen Banken beschäftigt, stolpert schnell über die Crédit Immobilier de France (CIF) – eine Bank, hundert Jahre alt, und mit 300 Fillialen. Sie muss Anfang Oktober eine Anleihe in Höhe von 1,75 Milliarden Euro umschulden. „Na, warten wir`s ab“, sagten Rentenhändler schon vor einigen Wochen. Und jetzt ist es passiert. Das Problem von Krediten ist heute nicht deren Abzahlung, sondern deren Refinanzierung. Wo sind die Nachschuldner?

Dass wieder eine Bank in Schieflage gekommen ist, hat auch eine erhellende Seite. Die Kommentatoren in den Zeitungen schreiben, das wäre eine Hiobsbotschaft für Frankreichs Präsident. Vielleicht ist ja Hollande selbst die Hiobsbotschaft für die Franzosen.

Freiheit, Gleichheit, Gleichgültigkeit

2011 musste die belgisch-französische Dexia, ein Kommunalfinanzierer, mit Steuergeld gerettet werden. In eine Bad Bank wurden dann 90 Milliarden Euro Bond-Müll verschoben. Das alles war teuer – und bleibt es. Frankreich konnte das leichter stemmen als die anderen „Retter“ wie Luxemburg und Belgien. Vielleicht war das auch einer der vielenGründe, Sarkozy abzuwählen und die Stimme Hollande zu geben, bzw. wie hierzulande, die Stimme für ihn in eine Urne zu werfen. Gewählt wurde er vor allem wegen seiner Versprechen, die ohnehin nie erfüllbar gewesen waren. Doch wen juckt das schon, wenn es überall so funktioniert. Von daher ist auch Wahlkampf ein Hort der Heiterkeit und gleichzeitig Sorge vor dem dann Eigentlichen.

Ja, das französische Finanzsystem sei „insgesamt solide, betonte gestern der französische Ministerpräsident Jean-Marc Ayrault in einem Radiointerview mit France Inter. Da darf man beruhigt sein. Und wenn nicht? Dann ist Solidarität gefordert. Die Drei von der Pommesbude aus der SPD würden das sicherlich sofort unterstützen, so wie sie im Sommer der Vergemeinschaftung europäischer Schulden zugestimmt haben. Unter Genossen wurde Solidarität immer schon groß geschrieben. Vielleicht war die Forderung nach einer europäischen Bankenunuion am Wochenende von EU-Kommissar Michel Barnier nicht zufällig. Er ist selbst Franzose.

Wer weiß, welche der französischen Großbanken noch in Schieflage hängt. Von daher wäre eine Bankenunion eine prima Sache. Ihre Hilferufe können dann ganz bürokratielos an ESM und EZB weitergereicht werden, sollte dem nicht das Bundesverfassungsgericht einen Riegel vorschieben – wovon aber nicht auszugehen sei, wenn ich Herrn Schäuble richtig verstanden habe.

Bis dahin und bis in alle Ewigkeit hinaus wird es heißen, es wären ja nur Garantien. Und später, unter der nächsten Regierung, kommen die Rechnungen, bis auch diese nicht mehr refinanzierbar sind. Deshalb kommt der ESM und das Mandat der EZB kippt, wenn auch nicht offiziell.

Und wie geht des dem Haushaltsloch Frankreichs, welches durch Steuererleichterungen für Tankende, Hilfsprogrammen für die heimsiche Autoindustrie und andere Sonderformen sozialistischen Wirtschaftens weiter leck schlägt? Die Schuldenquote liegt per Ende 2011 bei 85,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (Deutschland 81,2 Prozent) Mähhh-strich hatte 60 Prozent vorgesehen. Frankreich hatte zum 31.12.2011 nach offizieller Berechnung 1.717 Milliarden Euro Schulden – oder 26.400 Euro pro Staatsbürger. Deutschland im Vergleich – 25.056 Euro. Statistisch gesehen.

Einmal wird der Tag kommen, da der Bürger erfahren muss, dass er die Schulden zu bezahlen habe, die der Staat macht und uns zum Wohle des Volkes deklariert. (Ludwig Erhard, deutscher Politiker)

Auch in Sachen französischer Staatsfinanzen hat sich einiges getan. So ist der Anteil der französischer Anleihen in ausländischen Händen von 70 Prozent im Jahr 2010 auf inzwischen 64 Prozent gesunken.

Die CIF wird wohl bald abgewickelt. Bis dahin wird es oft heißen, dass es keine Verluste für Steuerzahler mit sich bringt. Es wird ohnehin niemanden interessieren. Diejenigen, die die Politiker wählen, tun dies aus Gründen, die ihre eigene Position betreffen und auch den Geldbeutel. Und sie vergessen schnell, zumal alte nicht haltbare Versprechen mit neuen gut klingenden Sätzen übermalt werden. Bankenrettungen? Das Geld ist eben weg. Schwamm drüber. Das Thema HRE oder WestLB ist hierzulande längst durch, übertüncht durch Fußball, Olympiade oder andere aufregende Lückenfüller. Viel zu unspannend, um es in der Öffentlichkeit weiter zu verfolgen.

Alles nicht so schlimm?

Warum die Nachrichten aus Frankreich wichtig sind? Ganz einfach. Dort, wo etwas an Schulden ausfällt oder anderswo an neuen Schulden neu gemacht wird, zahlen die verbliebenen Steuerzahler – künftig in ganz Europa. Je mehr ein Land Steuerzahler hat, desto teurer wird die Sache für sie. Und wenn diese Steuerbürger nicht mehr dazu in der Lage sind, durch ihre Steuern die Ausgaben eines Staates zu begleichen, werden die Staaten direkt über die Zauberkraft der Notenbank finanziert. Der eine früher – der andere später.

Ja, die Musketiere würden wie das EU-Parlamant mit dem aktuellen Dachschaden rufen: Einer für alle und alle für einen. Dafür braucht es Stärke. Und Popeye wird sofort einwenden: Euer Spinat ist schlecht. Mahlzeit!

P.S. Französische und deutsche Staatsschulden liegen in etwa gleich auf. Deutschland liegt derzeit (noch) etwas besser. Frankreich rutscht ab. Hierzulande steigen die Schulden laut Bund der Steuerzahler pro Sekunde um 1335 Euro. Während Erstellens des Beitragses wuchs der deutsche Schuldenberg um 10.4 Millionen Euro. Nicht das Abtragen der Schulden ist das Problem, da ohnehin nicht vorgesehen und zu stemmen – die Refinanzierung!


 

Schlagworte: , , , , , ,

3 Kommentare auf "In Frankreich platzt ne Bank"

  1. stephan sagt:

    Herr Meyer schreibt: „Frankreichs Chefs sind oft erstaunlich… Sonnenkönige, Bonapartes, Sarkozys – und jetzt Hollande. Letzterer zimmert gerade an einer Sonne, in deren Schein er vielleicht sogar in die Geschichtsbücher gestrahlt wird.“

    Es bleibt anzumerken: Für Hollande wird es wohl bestenfalls ein dunkler Schatten im Geschichtsbuch werden. Getreu dem alten Sprichwort: Auch Zwerge werfern lange Schatten,…wenn die Sonne tief steht. Und sie steht ziemlich tief.

  2. Otschi sagt:

    Nur gute zwei Stunden für einen solchen Aufsatz, Herr Meyer, wenn ich das richtig geschätzt habe. Chapeau! Keine schlechte Zeit.

    Herzliche Grüße

    Otschi

  3. katzbuckel sagt:

    Eingefleischte Kommunisten verbreiten gerne die Legende, der Sozialismus hätte schon geklappt, hätte man sich nur konsequent genug an dessen „reine“ Lehre gehalten.

    Der „real existierende Kapitalismus“ ist inzwischen ebenfalls dabei, gleichfalls grandios zu scheitern. Und auch dessen Exegeten stricken schon beflissen an ganz analogen Mythen.

    All diese Abgesänge und Botschaften aus dem Hause Hiob, viele sind inzwischen ihrer müde…..

    Sämtlich abzulegen unter:

    „Danke, bekannt.“

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.