In die Falle „getapert“. Wenn aus Liebe Frust wird

22. August 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

vom Smart Investor  Etliche Jahre währte die Vernarrtheit der Märkte in die Lenker der Notenbanken. Denn Bernanke, Draghi & Co. versorgten sie mit dem, was diese Beziehung so innig und tragfähig machte – Geld. Nun scheint es, als sollte am Fundament der Liebschaft gekratzt werden. Es droht gar Liebes-, also Geldentzug…

Die anspringende Konjunktur ist es, die die traute Zweisamkeit stört. Zahlreiche Beobachter erwarten ein Auslaufen der ultralockeren Geldpolitik („Tapering“). So zu denken, hieße aber im Wesentlichen auf die Propaganda hereinzufallen. Denn dieser „Aufschwung“ wäre ohne die ultralockere Geldpolitik gar nicht denkbar gewesen.

Zudem nehmen sich die realen Wachstumsraten angesichts der Massen an Frischgedrucktem, die in den Kreislauf gepumpt wurden, eher bescheiden aus. Der „selbsttragende Aufschwung“ dürfte in dieser Situation so real sein, wie eine regierungsamtliche Konjunktur- oder Preisstatistik nur eben sein kann.

Nebenkriegsschauplatz

Dabei ist die konjunkturelle Situation ohnehin eher ein Nebenkriegsschauplatz. Die Käufe von Staatsanleihen durch die Notenbanken hatten doch vor allem den Sinn, den ins Stocken geratenen Absatz dieser Papiere zu gewährleisten. In Zeiten der Finanziellen Repression gibt es für Marktteilnehmer ohne gesetzliche Restriktionen oder politische Motivation keinen Anreiz in diese Papiere zu investieren.

Die staatlichen Schuldner haben allesamt gezeigt, dass sie mit Geld nicht umgehen können und der gebotene Zins ist angesichts der herrschenden Geldentwertung eigentlich eine Beleidigung für jeden denkenden Anleger. Die eigentliche Frage lautet, wie hoch müssten die Zinsen steigen, damit halbwegs rational agierende Investoren wieder an den Markt für Staatsanleihen zurückkehren? Die Antwort: In jedem Fall höher, als es sich die meisten, schon jetzt unter ihrer Schuldenlast ächzenden Staaten leisten könnten.

Die bewusste Herbeiführung einer solchen Game-Over-Situation würde aber allem widersprechen, was Politik und Notenbanken in dieser Hinsicht bislang „geleistet“ haben. Ein solches reinigendes Gewitter hätte man zudem vor wenigen Jahren noch geradezu zum Schnäppchenpreis haben können – zumindest verglichen mit der heutigen Situation. Eine Rückkehr des Marktes würde bei der Staatsfinanzierung zudem die kurzfristigen (!) Handlungsspielräume der Politik drastisch einschränken. Genau das aber scheut die Kaste der Volksbeglücker wie der Teufel das sprichwörtliche Weihwasser… 

Zu den Märkten

Dennoch verfehlt die neue Verunsicherung ihre Wirkung auf die Märkte nicht. Es ist ja nicht nur die Aussicht auf eine etwas weniger expansive Geldpolitik. Ungemach droht erneut aus Griechenland, obwohl die bundesdeutschen Wahlkämpfer außerhalb des winzigen, dezidiert „rettungskritischen“ Lagers alles versuchen, um das Thema flach zu halten.

Auch die Eintrübung der Situation in etlichen Schwellenländern (Brasilien, Indien, Türkei, etc.), die über viele Jahre als Stützen der Weltwirtschaft galten, löst bei den Marktteilnehmern nicht gerade Freude aus… (Seite 2)

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