In der Schuldenschlinge

7. März 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Bankhaus Rott

Eine Besonderheit im Vorlauf der aktuellen Krise war die massivste Anhäufung von Schulden in der Geschichte der USA. Umso erstaunlicher ist die Einfallslosigkeit oder schlichte Naivität, die sich in der Hoffnung zeigt, mit neuen Schulden dauerhaft etwas bewirken zu können.

Dabei sind faule Kredite, zu geringes Eigenkapital im Bankensektor und die massive Ausweitung des Kredithebels in weiten Teilen der Volkswirtschaft offensichtlich nicht dauerhaft durchzuhalten. Bei dem Hebel, den viele Bankbilanzen aufweisen, reichen schon vergleichsweise geringe Kreditausfallraten, um das Eigenkapital vollständig aufzuzehren. Durch die laxe Handhabung von Bilanzregeln und die vertrauensselige Reduktion des Blickwinkels auf die unseligen risikogewichteten Assets werden derartige Probleme nicht gelöst. Sie werden lediglich ausgeweitet, die Lösung dabei in die Zukunft verschoben.

Der Blick auf die historische Entwicklung der Verschuldung in den Vereinigten Staaten zeigt einen traurigen Wandel. Allein in den Jahren zwischen 2000 und 2007 stieg das Verhältnis von Schulden zu Einkommen stärker an, als es in den 45 Jahren davor insgesamt der Fall war. Diese Schulden sind die Ursache eines Scheinaufschwungs, der in deutschsprachigen Talkshows gerne als Ausdruck einer überlegenen amerikanischen Leistungsfähigkeit gefeiert und beworben wurde.

Das ist ungefähr so, als wenn der Nachbarsjunge an seinem 18. Geburtstag einen Kredit aufnimmt, sich einen teuren Wagen auf Pump kauft und die Leute staunend sagen, der hätte es ja nun wohl geschafft. Dabei hat er ein Auto, dass täglich im Wert sinkt mit Geld gekauft, das ihm nicht gehört und für das der Junge auch noch Zinsen zahlen muss. Nicht gerade vorbildhaft, auch wenn sich die Vorstellung, was vorbildhaft zu nennen ist, ja derzeit in einem überraschenden Wandel befindet.

Der steile Anstieg in den beiden Kurven resultiert übrigens größtenteils aus Hypotheken und Konsumkrediten.

Der Grad der Verschuldung ist in den Vereinigten Staaten je nach Bundesstaat und Kommune sehr unterschiedlich. Wenig überraschend sind die Zentren des Immobilienbooms und des folgenden Kollapses eben die Landstriche mit der stärksten Schuldenbelastung. Interessant ist nun, wie die wirtschaftliche Erholung nach dem ersten harten ökonomischen Schlag in den vergangenen Jahren voran kam.

Die Ergebnisse sind deutlich. Die bestehende Verschuldung erweist sich als bleischwerer Klotz am Bein. Landstriche, in denen die Menschen bereits bis zum Hals in Schulden stecken, kommen ökonomisch nicht von der Stelle. Viele Indikatoren in diesen Gegenden sind in der Nähe der bisherigen Krisentiefs… —>


 

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Ein Kommentar auf "In der Schuldenschlinge"

  1. Kleine Presseschau vom 7. März 2011 | Die Börsenblogger sagt:

    […] Rott & Meyer: In der Schuldenschlinge […]