In den Aufschwung gekokst?

16. November 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Halleluja! Deutschlands Wirtschaft wuchs im letzten Quartal um 0,1 Prozent, vor allem durch Statistik. Zum BIP zählen jetzt auch teurer weißer Staub, in Linie gekehrt und in Nasen verteilt…

Drogenhandel und Zigarettenschmuggel sind ebenfalls Bestandteil der Wirtschaftsleistung und werden statistisch erfasst. Hoch geschlafen haben wir uns auch, da illegaler Beischlaf ebenfalls das BIP beflügelt. All diese „illegale Tätigkeiten“ machen nach offizieller Lesart 0,1 Prozent der deutschen Wirtschaftsleistung aus, meldet das Statistikamt DESTATIS. Ich nenne es ab sofort DASTAUBTES.

Wegen dieser statistischen Neuerungen hat Deutschland um Nasenbreite eine Rezession um(k)schifft. Sonst würde es jetzt heißen, Deutschland stagniert. Und das vor Weihnachten, wo kein Stäubchen den Kaufsinn der Konsumenten trüben soll. Vielleicht kommt nach Weihnachten wie alle Jahre wieder der Kater, wennn es heißt, lief doch nicht so dolle, trotz aller Werbung. Wie sollte es auch…

Vielleicht finden wir später auch Schwarzarbeit und private Verrichtungen im Alltag im BIP wieder. Einmal der Oma in der Nachbarschaft den Rasen gemäht und vier Hemden gebügelt… macht 35 Euro. So werden wir nie wieder eine Rezession erleben – dank Statistik.

Wie diese Zahlen alle ermittelt werden, weiß ich nicht. Es zählt eben, was hinten rauskommt, egal, was oben reinkommt – und seien es Selbstgedrehte, Selbstgebrannter, Puffiges und Koks. Selbst wenn es in der Nase juckt, ist`s gut für`s Bruttosozialprodukt.

Offiziell hieß es ja, Export und Konsum hätten die Wirtschaft gestützt. Bitte? Beim Export wird das wohl stimmen, auch wegen des jetzt viel schwächeren Euros. Aber die deutschen Einzelhandelsumsätze allein können es nie und nimmer gewesen sein, die das BIP nach oben geschoben haben. Aber Verbrauch ist eben Verbrauch und Handel eben Handel – ob offiziell und illegal. Jetzt wissen Sie, was am Wochenende zu tun ist, damit die Wirtschaft auch im laufenden 4. Quartal heller strahlt als der Weihnachtsbaum vorm Kanzleramt und Statistikbehörde.

Wenn also Koks und Prostituierte Deutschland vor einer Rezession bewahrt haben, sollten man sich doch eigentlich bei den Bankern mal bedanken. Darauf eine Tüte!

©Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten



 

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5 Kommentare auf "In den Aufschwung gekokst?"

  1. Steiner sagt:

    Lieber Herr Meyer, Kompliment, ich liebe es Ihre Kommentare zu lesen und ich finde Sie müssten eigentlich irgendeine Auszeichnung/ Preis dafür bekommen. In Gegensatz zu Herrn Gernot Hassknecht. Da fehlt mir offensichtlich der nötige Humor. m.f.G.

  2. Andres Müller sagt:

    Ein sehr gelungener Kommentar Herr Meyer, man kann hier gar nicht zu sehr ins zynische abgleiten, da die Realität Korruption und Kriminalität wiederspiegelt.

    Das betrifft bestimmt auch die Statistik, denn diese erhält durch den Einbezug der Schwarzmärkte ein noch schwieriger überprüfbares Profil. Die Statistiker können nun halt alles behaupten, es gibt keine Transparenz, es sei denn man würde selber für die führende Mafia arbeiten.

    Der Einbezug von Verbrechen in die BIP -Berechnungen der Nationen geschieht vor dem Hintergrund des ethnisch- moralischen Niedergangs des Westens und wiederkehrender sozialer Verwerfungen. So haben die mit Verbrechern spekulierenden Statistiker genügend Möglichkeiten das BIP noch weiter aufzustocken.

  3. Infoliner sagt:

    Wer sagt denn, daß die Statistiker nicht von staatlicher Seite sehr genaue Zahlen über Schattenwirtschaft und Korruption usw. erhalten können? Oder glaubt jemand, es gäbe hier anderswo ähnlich wirksame mafiöse Strukturen?

  4. roland Leuschel sagt:

    Lieber Frank Meyer,
    …“ und private Errichtungen im Alltag im BIP…“ sind da auch der ehelicher Beischlaf oder das tägliche Produzieren von Fäkalien mit einbegriffen? Ein fÜrwahr enormes Potential von Wachstum liegt da vor uns! Zudem könnte man dies auch noch besteuern(Mehrwertsteuer, Vergnügungssteuer etc )
    Guter Kommentar
    Mit besten Grüssen

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