Imperium, neu definiert

22. Februar 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Slideshow, Zeitlos

Auf hoher See begründete sich einst der Ruf des britischen Empires. Das ist lange her. In der jüngeren Vergangenheit wurde die Insel dann gern als Muster einer konkurrenzfähigen Ökonomie gepriesen. Diese wunderbaren Wirtschaftsträume hatten eine Substanz, die offenbar ebenso marode war, wie so manch britische Immobilie.

vom Bankhaus Rott

Die Leistungsfähigkeit wurde – keine Seltenheit in den oft unerträglichen TV-Sprechkreisen – anhand von irgendwelchen Wachstumszahlen und Bildern glänzender Hochhäuser in der Londoner City gemessen. Wer einmal mit der Bahn vom Flughafen Heathrow in die Innenstadt gefahren ist, weiß, wie wenig diese Glas- und Stahlbauten mit der normalen oft sehr traurig anzuschauenden Bebauung der Stadt zu tun haben. Ohnehin gehören die Großbauten in der Regel Anlagefonds und nicht den Firmen, die ihre Namensschilder an die Fassade kleben. Das ist in Deutschland übrigens nicht anders.

Die vergangenen Jahre haben gezeigt, wie sehr der vermeintliche Aufschwung ein alleiniges Produkt des ausufernden Bankwesens in Großbritannien war. Mehr Schulden und aufgepumpte Bilanzen aber sind kein Ausdruck wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit. Vielmehr handelt es sich eher um eine ökonomische Scheinwelt, was diejenigen, deren Bezahlung sich an kurzfristigen Daten orientiert, wenig stören dürfte.

An den ökonomischen Realitäten aber kommt eine Volkswirtschaft bestenfalls für eine bestimmte Dauer vorbei. Neben dem Finanzsektor hatte es den deutschen Fernsehgästen die Haushaltspolitik der Insel angetan. Gerne wurde auf die ehemalige Premierministerin Thatcher hingewiesen. Der für die Dame glückliche Umstand eines Wandels vom Energieimporteur zum Nettoexporteur auf Grund der Ölfunde in der Nordsee wurde gerne unterschlagen.

Heute stellt sich die Lage wieder genau anders herum dar. Die Insel ist im Bereich Energie Nettoimporteur geworden, dummerweise bei deutlich höheren Preisen als noch vor einigen Jahren. Ein teurer Spaß und eine enorme Belastung, wenn man selbst nicht viel zu exportieren hat. Die Situation beim Gas sieht übrigens nicht besser aus.

Angesichts der Energieabhängigkeit kann man fast froh sein, dass auf der Insel nicht mehr wirklich viel produziert wird, was die Versorgung noch kritischer gestalten würde. Die besten Exportartikel der vergangenen Jahre – Finanzprodukte – werden auf absehbare Zeit nicht mehr die Rolle spielen, die sie innehatten. Kein Wunder, an den Folgen zahlreicher so genannter Finanzinnovationen laborieren mittlerweile durch die allgemeine Bankenstützung auch die Staatsfinanzen zahlreicher Länder. Seinen Kunden Giftpilze zu verkaufen ist und bleibt keine sonderlich nachhaltige Marketingstrategie. —> Auf die Stimmung der Konsumenten, die jahrelang ihre Käufe durch Zweithypotheken auf die Immobilien finanzierten, schlägt das Zurückfahren der Kredite voll durch. Das Vertrauen der Briten nähert sich mit großen Schritten dem bisherigen Krisentief. Schön zu sehen ist die rein temporäre Erholung in den letzten Jahren nach dem ersten raschen Einbruch. Zur Erläuterung in dem aktuellen, recht trostlosen Bericht von Nationwide heißt es:

 

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4 Kommentare auf "Imperium, neu definiert"

  1. fuchsie sagt:

    Also ganz so schlecht scheint es den Briten ja nicht zu gehen.
    Laut: http://www.treasury.gov/resource-center/data-chart-center/tic/Documents/mfh.txt
    haben sie in den letzten 12 Monaten ihre Trashury-Bestände von 180Mrd. auf (ich lach mich tot) 540 Mrd. $ erhöht.
    Wie machen die das nur?

    • Schörner sagt:

      Dafür kaufen andere Pleitiers die Anleihen der Inselaffen.

      Da es sich um ein so gigantisches Pyramidensystem/Ponzi-Schema handelt, kann es sich kaum jemand vorstellen.

      Außerdem: wo kommen wir denn da hin, wenn die gelobte westliche Dmeokratie ein einziges Betrugssystem darstellt. Da brechen ja unsere mit viel Umerziehung mühsam errichteten potemkinschen Propagandadörfer zusammen. Nein, also da glaubt man dann doch lieber den Politikern und ihren „Experten“, wenn die Wahrheit dermaßen schmerzhaft ist.

      Aber macht nix: dem unausweichlichen Zusammenbruch eines kreditbasierten Geldsystems entkommt der Vogel Strauß auch nicht…

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