Immobilität hat ihren Preis!

23. März 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Wo bekommt man noch heute noch ein paar Prozente außer bei alkoholischen Getränken? Sparen macht ja inzwischen so viel Spaß wie Mückenstiche. Schulden sind da viel spannender…

Die künstlich niedrig gehaltenen Zinsen haben erste Folgen. Statt zu sparen, geben die Leute Geld aus bzw. leisten sich etwas aus der Zukunft, indem sie auf billige Kredite zurück greifen. Da die Kreditvergabe auch hierzulande rückläufig ist, sieht es eher so aus, als würden die Schulden zurück gezahlt. Dennoch ist ein Phänomen zu beobachten. Je niedriger die Zinsen, desto heißer der Appetit auch auf Immobilienkredite.

Betongold gilt als sicher, solange der Kredit bedienbar bleibt. Zudem zahlt man hierzulande ein Drittel seines Lohns für Miete. Durch die Finanzierung einer Immobilie lässt sich doch die Miete sparen, heißt es witzigerweise. Als ob das nichts kosten würde. Wie wär’s?

Die Zinsen sind mickrig und Banken spendabel, so dass mancher Wunsch zu groß gerät. Immobilienkredite haben für Banken den Vorteil, dass sie bei Scheitern der Rückzahlungen auf die Immobilie zurückgreifen können.

Die Einladungen für Immo-Kredite liegen aus und sind verführerisch. Sie fordern sogar zu einer Spekulation heraus – dass man später wirklich zum Eigentümer der Immobilie wird, wenn auch erst in ein paar Jahrzehnten, wenn der Kredit dann endlich abbezahlt ist. Dazwischen kommen darf allerdings nichts – weder Scheidung, Krankheit oder Arbeitslosigkeit.

Und bedenken Sie den künftige Mindestlohn. Der schafft doch Planbarkeit, wenn wir ihn (fast) alle erhalten werden, während die Mietpreisbremse leise quietscht.

Eine Immobilie ist genauer betrachtet ein Verbrauchsgegenstand und verbunden mit allerhand Kosten, gar nicht eingerechnet künftig auch höhere Steuern, Abgaben und heiße Herzen der EU-Planer, denen die Vorschläge zur Verbesserung der Welt niemals ausgehen. Ist das Häuschen eines Tages endlich abgezahlt, laufen längst schon die Kosten für Instandhaltung. Schönes Hamsterrad!

Und wenn man Glück hat, wohnen nebenan mehr schreckliche als nette Familien. Was soll`s? Dafür hat man etwas Eigenes, während die Bank im Grundbuch steht. Und Immobilität hat doch auch was Erheiterndes. Heiße Sache! So ein Kredit ist heute die einfachste Form, sich schlagartig für die kommenden Jahrzehnte von den Resten seiner noch vorhandenen Freiheit zu trennen.

© Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten (Langfassung)


 

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