China & USA: Im selben Boot

25. März 2009 | Kategorie: Kommentare

Wer kontrolliert eigentlich wen? Die Chinesen mit ihren Dollarreserven die Amerikaner? Oder die Amerikaner mit ihrer momentanen Leitwährung die Chinesen? Zumindest scheint China zu merken, dass es zu viele Dollar angehäuft hat und diese auch noch wertloser werden könnten, wenn es immer mehr davon gibt. Heute forderte China eine neue Weltwährung. Börsenhändler verstehen das als Kriegserklärung an die USA…

China sitzt auf einem Dollarberg, mit dem man ganze Kraftwerke betreiben könnte. Doch Moment! Es sind zum großen Teil amerikanische Staatsanleihen, was aber aufs selbe hinausläuft. Da hat das Reich der Mitte nun Papier und Versprechen, und die USA fahren jetzt offiziell einen Kurs der Inflationierung/Reflationierung, der sich schon jetzt in der Aufweichung amerikanischen Währung bemerkbar macht. Jede neue Billion aus den Rohren der Gelddrucker wirkt sich zersetzend auf chinesische Ersparnisse aus. Es besteht Grund zur Sorge.

Der Chinese wird den Schwindel sicherlich schon entdeckt haben dass er für Dollar arbeitete, Waren produzierte und diese geliefert hat. Dafür bekam er Geld, das Amerika aus dem Nichts zauberte. Die Täuschung mag beiderseitig bestehen, doch Gläubiger können eher Forderungen stellen als Schuldner. Außer man ist das Empire. Doch jetzt scheinen die strategischen Vorteile zu verschwinden. Früher ging es China um Geld und gestern noch um Macht durch Geld. Der Chinese hat den Amerikanern die Arbeit abgenommen und ihnen Krimskrams geschickt, bis sie verrückt wurden. Bis zur letzten US-Notenbanksitzung war China noch in der Lage, die tägliche Dosis an Drogen zu bestimmen und zu verabreichen. Heute aber, inmitten einer Zeitenwende, beginnt Amerika die Druckerpresse anzuwerfen und ärgert den Rest der Schuldner weltweit.

Die Einlassungen des chinesischen Notenbankgouverneurs mögen im Vorfeld des G-20 Gipfeltreffens auch politisch motiviert gewesen sein. Geht es wirklich um eine neue Weltwährung? Und wie soll die dann aussehen? Bernanke und Geithner unterstützen den Vorschlag Chinas nicht, kam als Reaktion über die Ticker. Alles andere würde auch an ein Wunder grenzen. Amerika hat den Dollar immer wieder verteidigt, sei es mit Krieg, mit Kampf gegen Terror oder Funden von nicht vorhandenen biologischen Waffen. Sie werden davon nicht lassen, um ihren Dollar zu schützen, außer sie bekommen die Macht über eine neue Währung.

Von Sonderziehungsrechten des Internationalen Währungsfonds (IWF) war heute die Rede. Diese SZR sind eine künstliche Währungseinheit, die es schon seit 40 Jahren gibt, bislang aber keine große Rolle spielten. Dieser Währungskorb besteht aus 44% USD, 34% Euro sowie je 11% japanische Yen und britische Pfund. Wer würde dem Dollar ein gewichtigeres Maß einräumen? Amerika hat im IWF 16,77% der Stimmen, Japan 6,02%, Deutschland 5,88%, Frankreich 4,86% , Großbritannien 4,86% und China 3,66% . Da Beschlüsse mit einer Mehrheit von 85% geschlossen werden müssen, sieht es für die USA auf diese Weise schlecht aus.

Wer würde den Amerikanern mehr Stimmrechte einräumen? Russland? China? Europa? Sie würden sich nicht freiwillig auf die Schlachtbank legen, kommentiert ein Börsenhändler.

Im Vorfeld des G-20 Gipfels hört man immer wieder von „Bretton Woods II“. Mich würde es nicht wundern, wenn es nicht schon Pläne für eine Weltwährung und eine Weltregierung geben würde. Horst Köhler heute in seiner Berliner Rede dazu:

„Ich bleibe bei meinem Vorschlag, ein Bretton Woods II unter dem Dach der Vereinten Nationen zu organisieren, um eine grundsätzliche Reform der internationalen Wirtschafts- und Finanzordnung voranzutreiben. Wir brauchen ein neues, durchdachtes Weltwährungssystem und ein politisches Verfahren für den Umgang mit globalen Ungleichgewichten.“

Zufällig war Köhler früher Chef des Internationalen Währungsfonds. Der IWF verlieh Geld nur unter Auflagen und könnte dafür in die jeweiligen Landessysteme eingreifen. Ja, er hat ganze Kontinente abhängig gemacht. Vielleicht springt demnächst eine Idee des IWF wie Kai aus der Kiste. Vielleicht kann der IWF auch noch Geld drucken? Oder ein GLOBO erblickt an einem Wochenende das Licht der Welt? Doch darauf würde ich nicht spekulieren. Auch nicht darauf, dass es dann echtes Geld ist.

Am Montag nach dem Gipfel wird man wahrscheinlich wieder melden, dass man die Kuh erfolgreich und einstimmig vom Eis gezogen hat, dabei aber verschweigen, dass sie schon tot war, und am Ufer leider keine Milch mehr geben konnte.

Zwischen China und Amerika knistert es. Es ist nicht das Knistern eines Lagerfeuers oder das im Herzen, wenn man tief und lange in ein anderes Gesicht geschaut hat. Es ist das Ausloten von Positionen in einem Krieg der Währungen, das Ausscheren aus abgesprochenen „koordinierten Anpassungen“. Anders gesagt: China sitzt in der Klemme und warnt Amerika, mit dem Zündeln aufzuhören.

weiterer Link: Obama gegen globale Währung

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