Im Zeichen des Draghi: Heute Kinder, wirds was geben!

5. Juni 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Haben Sie auch so große Angst vor fallenden Preisen? Notenbanken, Medien und Experten leisten schließlich ganze Arbeit, um Sie in Panik zu versetzen.Vermutlich werden die Leute dann wieder das Richtige lassen und das Falsche tun – in Zeiten der Zinslosigkeit…

Was für Otto Normal eigentlich eine gute Nachricht wäre, ist für die Zentralbanker der blanke Horror. Ihr Geldsystem benötigt steigende Preise und keine fallenden. Deshalb fahren Sie jetzt auch die entsprechenden Geschütze auf, dass bald wieder am Ende des Jahres von 100 Euro Kaufkraft nur noch 98 Euro bleiben. Sind sie nicht zauberhaft? Wenn sie gut sind, haben sie am Jahresende zwei Euro zerschreddert. Das ist Preisstabilität.

Nach neuesten Zahlen aus dem Statistikamt stiegen die Preise hierzulande im Mai nur noch um 0,9 Prozent und wächst nur noch so stark wie 2010. Was machen die Agenturen daraus? Sie schreiben, die Inflation in Deutschland fällt auf ein Vierjahrestief. Das wäre doch fein, wenn dem so wäre. Schantalle war in Höchstform oder ein Schelm, der dahinter steckt. Absicht? Googlen Sie mal diese Überschrift… Staunen Sie über den allgegenwärtigen Einheiz-Journalismus…

Ach ja, unter anderem gab es ja einen Crash bei Eiern – und Gemüsepreisen. Tanken wurde auch billiger und das Heizen im Mai ebenso. Wo ist das Problem? Ich weiß nicht ob das stimmt, was da gemeldet wird, denn ich mache andere Erfahrungen. In Europa stiegen die Preise nur noch um 0,5 Prozent..

Gleichzeitig stiegen die Anlagepreise für Anleihen, Immobilien und auch Aktien weiter an. Unter der DAX-Tafel sitzen seit Tagen schon die Fotoreporter und warten auf das Bild der 10.000. Dabei steht der DAX jetzt noch real 22 Prozent unter seinem Hoch aus dem Jahr 2000. Wer aber sieht den feinen Unterschied? Diese Zahl beruht darauf, dass trotz der viel gepriesenen Preisstabilität seit der Jahrtausendwende wirklich „nur“ 27 Prozent Kaufkraft in Luft aufgegangen sind. Das steht auf einem anderen Blatt. In vielen Bereichen haben sich die Preise schlichtweg verdoppelt. Und wer kauft schon jeden Tag einen Flachbildschirm, um der offiziellen Statistik gerecht zu werden?

Fallende Preise sind ganz schlecht, denn dann könnte es ja sein, dass man Anschaffungen erst dann tätigt, wenn die Preise noch weiter gefallen sind. Unser Geldsystem ist auf steigende Geldmengen und steigende Preise aufgebaut. Die Märkte haben dem zu gehorchen. Früher durften sie ein – und ausatmen. Märkte, Preise und bald auch zunehmend Kredite werden am Reißtisch geplant von wichtigen Leuten.

Deshalb, so heißt es, ist „Supermario“ als oberster „Währungshüter einer “Währungsbehörde“ (Die Worte stammen nicht von mir), mit seinen Zinsgenossen auf Werbetour und bereiten die „Märkte“ darauf vor, etwas aus ihrer „Wundertüte“ zu „spendieren“, das jeden glücklich machen wird. Null Zinsen! Dabei steht die nächste Manipulation eines Marktes an, der sich längst schon bereinigt hätte. Aber Zombies kosten eben…

KIKA für Erwachsene

Wenn Schantalle und Schakira in ihrer Redaktionsstube Texte umschreiben, dann hat das oft nichts mehr mit Wissen oder Journalismus zu tun. Die Zentralagenturen des Nachrichtenfunks liefern die Texte heute. Das Dumme am Journalismus ist zudem, dass er aus Gründen der Verständlichkeit Ersatzworte finden muss, um nicht immer EZB benutzen zu müssen. Ganz nebenbei wird den Manipulatoren der Zinsmärkte und Giftmüllpapiere ein Heiligenschein aufgesetzt. So entstehen die Begriffe „Geldhüter“, „Währungsbehörde“ und auch „Super-Mario“. Die Texte müssen frisch rüberkommen und einfach verständlich – auch für Dumpfbacken. Es entsteht eine Art von Kindersprache…

Oh! DAX oben. Gut für Dich! Super Zinsen! Super Kredite! Kauf! Nix mehr zahlen. Alles billig! Mario gut! Banken böse! Zinsen runter. Super Sache! Echt krass, das EZB. Mussu kaufen! Nix teuer. DAX kaufen. Reich werden. Ab in die Leitung! Heute billig! Morgen teuer. Mussu haben. 

Und dennoch bleibt es dabei, jeder hört nur das, was er hören möchte. Die Kompliziertheit unseres Geldsystems führte dazu, dass das Interesse mit steigender Komplexität schrumpfte, obwohl sich die Redakteure bemühen, diesen Trend umzukehren. An dieser Stelle wird die gewollt-gewachsene und gesellschaftlich inzwischen anerkannte Dummheit ausgenutzt. Am Ende der Stillen Post kommt irgendetwas an, nur nicht das Richtige…

Dabei ist es gar nicht so schwierig, die richtigen Antworten zu finden, wenn man nur die richtigen Fragen stellt. Der reale Blick ins eigene Portemonnaie und vor die Haustüre würde einen auf die richtige Fährte locken. Sowohl Fragen und auch Antworten kommen heute aus den Medien. So bekommt man dann seine tägliche Dosis an Fragen und gleich die Antworten geliefert. Wenn Fragen, Antworten und Begriffe oft genug wiederholt werden, brennen sie sich ins Hirn ein wie eine Überdosis Sonne… (Seite 2)


 

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11 Kommentare auf "Im Zeichen des Draghi: Heute Kinder, wirds was geben!"

  1. bluestar sagt:

    Also ich bin der Meinung, dass der Putin an der bösen Inflation schuld ist.
    Durch seinen aggressiven Kurs hat er der friedliebenden USA direkt vor deren Haustür,
    also der Ukraine, riesige Probleme verursacht. Das wiederum hat die mit Gottes eigenem Land verbündeten EU-Staaten und deren Bevölkerung so verunsichert, dass Kaufzurückhaltung und Preisverfall eingetreten ist.
    Also mein Vorschlag wären scharfe Wirtschaftssanktionen gegen diesen Kriegstreiber und sofortige Aufnahme der wirtschaftlich starken und politisch stabilen Ukraine in die EU.
    Es muss endlich zusammenfinden was zusammen gehört !!!

  2. bluestar sagt:

    Natürlich hat der hirnlose Rüde Putin die böse DEFLATION verursacht.
    Aber Gott sei Dank haben wir unseren Friedensnobelpreisträger, Mario und Mutti.

  3. m. sastre sagt:

    Sehr geehrter Herr Meyer,

    es gelingt ihnen wieder mal auf kurzweilige Art, den Wahnsinn unseres derzeitigen Finanz- und Wirtschaftssystems darzustellen. Kurzweilig, allerdings nur für Außenstehende, wird auch der Zeitpunkt sein, an dem sich diese Situation irgendwann von selber „bereinigt“. Vielleicht können sie mal ihre Glaskugel befragen und uns sagen, 1. wann das sein wird und 2. wie unsere Welt danach aussehen wird? Was den Zeitpunkt des Crash angeht, schlage ich eine gegenseitige Finanzmarktwette vor, gegen deren Folgen wir uns erst versichern um dann wiederum gegen uns selber zu wetten. Notfalls verpacken wir das ganze neu und verkaufen es einfach weiter…

    Leider waren sie wohl nun länger nicht mehr auf Mallorca, den ich vermisse die von ihnen in loser Reihenfolge geschriebenen Beiträge a la “ Mallorca-wie es sinkt und kracht“. Laufen die Geschäft derzeit nicht so gut, so daß sie sich den exklusiven Urlaub an der Playa de Palma noch leisten können oder sind sie still und heimlich in die Toskana-Fraktion übergewechselt?

    Mit freundlichen Grüßen von der Insel der Widersprüche

  4. lowabras sagt:

    Herr Mayer, wieso schreiben sie das Geldsystem sei kompliziert?
    Es ist fuer jemanden der fehlerfrei auf Drei zaehlen kann absolut nicht kompliziert!
    Man muss sich nur mal ein wenig damit beschaeftigen, dann kommt auch ein weniger intelligenter Mensch darauf, dass die gesamte Menschheit seit Jahrhunderten nichts als verarscht wurde!
    Es gibt in unserer technisch komplexen Welt kaun was einfacheres als unser Geldsystem! Na, unseres ist es nicht, es wurde uns nur so verkauft

  5. MFK sagt:

    Hallo Herr Meyer,
    Destatis lesen! Da steht:

    „Die Inflationsrate lässt sich nicht direkt auf die eigene Situation übertragen, da sie sich auf die Konsumausgaben aller privaten Haushalte in Deutschland bezieht. „… „Wie stark ein einzelner Haushalt von der Inflation betroffen ist, hängt von seinem individuellen Konsumverhalten ab, das heißt, wie viel Geld er für welche Güter ausgibt.“

    Und besonders interessant: „Um den Einfluss der Gewichtung auf einfache Weise zu veranschaulichen, können Sie Ihre persönlichen Verbrauchsgewohnheiten mit unserem Persönlicher Inflationsrechner abbilden. Beispielhaft können Sie hier mit Hilfe von Schiebereglern einige Gewichte des Wägungsschemas verändern. In einer Grafik sehen Sie dann, wie sich die Änderung des Gewichtes auf die Teuerungsrate auswirkt.“

    • c3po sagt:

      Interessant waere auch ein Schieberegler Wohnimmobilienpreise (am besten noch unterteilt nach gefragten, durchschnittlichen und unterdurchschnittlichen Lagen). Gefuehlt liegt da die Inflation fuer die durchschnittlichen eher bei 30% fuer die letzten 3 Jahren (also ca. 10% pro Jahr).

  6. 4fairconomy sagt:

    Null Zinsen sind teuer, wenn die Wirtschaft schrumpft. Null Zinsen sind bei stagnierender Wirtschaft angepasst, so wie 3% Zinsen bei entsprechend wachsender Wirtschaft usw. Hinzu kommt das Sparen. Null Zinsen sind teuer, wenn die Wirtschaft nur wenig wächst und mehr gespart wird, als zu null Zinsen investiert werden kann.

    „Unterm Strich kommt der gleiche Gewinn heraus, wenn man mit einer Billion und einem Prozent spielt oder mit zwei Billionen und einem halben Prozent –“. So ist es auch mit dem Referenzzinssatz im Verhältnis zu Wachstum und Sparquote. Teuer und billig ist relativ.

    Entsprechend ist die Angst ungerechtfertigt, ein tiefer Zinssatz würde zu Fehlinvestitionen führen. Der Zinssatz muss einfach passen: Wachstum, Geldangebot und -nachfrage müssen im Gleichgwicht sein.

    Etwas anderes ist die inflationäre Ausweitung der Geldmenge! Dies führt zu Blasenbildungen und Fehlinvestitionen. Das Problem heute ist, dass nur mit einer zu hohen Geldmenge konjunkturell passende Zinsen entstehen, sobald die Wirtschaft nicht genügend wächst.

    So lange die Wirtschaft genügend wächst, geht alles auf: Geldmenge, Zinsen und Konjunktur passen zusammen. Sobald das Wachstum unter einer gewissen Grenze fällt, können die Zinsen nicht folgen. Das Desaster beginnt. Die Wahl ist dann einfach: entweder Deflation, Staatskonsum auf Pump (Keynesianismus) oder bei staatlicher Überschuldung: Inflationierung der Geldmenge. Alle drei Optionen sind abzulehnen, führen früher oder später in die Sackgasse. Was dann? Rahmenbedingungen schaffen, dass die Zinsen der Konjunktur und der Sparquote auch dann mühelos (!) Folgen, wenn die Wirtschaft nicht wächst oder sogar schrumpft.

  7. Michael sagt:

    Lang hat es gedauert bis die Wirtschaft wurde dermaßen ruiniert, sodass die geplanten Maßnahmen können umgesetzt werden. Denke das kommt der Realität nahe.

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