Im Wirtschaftstal am Schuldenberg

30. Juli 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Bankhaus Rott 

Die Niederlande sind nicht für ihre Berge berühmt. Von alpinem Ausmaß sind an der Küste jedoch die enormen Schulden der privaten Haushalte. In der sich verschärfenden Rezession steigt der Druck auf die Bürger laufend, und die Wirtschaft des Landes wandelt bestenfalls noch am Rand der europäischen Kernzone…

Das erste Halbjahr 2013 hielt für die geschätzten Nachbarn an der Küste nicht viel Positives bereit. Immerhin gab es schöne Nachrichten für die vergessene Kaste der potenziellen Hauskäufer.

Während wie bei Aktien oder anderen Anlagen fast immer nur von den Träumen, Hoffnungen und Wünschen von Besitzern oder Eigentümern gesprochen wird, die sich immer ganz doll freuen, wenn die Preise steigen, geraten diejenigen, die auf adäquate Preise warten, aus dem Fokus.

Hier also die guten Nachrichten: Der Häusermarkt in den Niederlanden fällt weiter mit beeindruckenden Raten. Eine gute Dosis Geduld scheint angesichts der Dynamik, des teils immer noch grotesken Preisniveaus und der schwächelnden Rahmenbedingungen weiterhin angeraten. Häuserpreise sind auf Deleveraging in der Regel nicht gut zu sprechen.

Die weiteren Meldungen der holländischen Statistiker sind weniger erbaulich. So wurde in den ersten sechs Monaten ein neuer Rekordwert bei den Firmeninsolvenzen verzeichnet.

Vor allem die Bereiche Bau – wenig erstaunlich – und Handel hat es sehr hart erwischt. Beide Sektoren stehen für 40% aller Fälle. Gegenüber den schon schlechten Zahlen des Vorjahres stieg die Zahl der Pleiten um 14%. Insgesamt gingen 4983 Firmen den Weg in den Bankrott. An den niederländischen Ich-AGs hat es übrigens nicht gelegen. Bei den Ein-Personen-Firmen stiegen die Insolvenzen lediglich um ein Prozent an.

Ein Blick auf einige Arbeitsmarktindikatoren sorgt nicht eben für Erheiterung. Nach einer Erklärung, warum es mit den Realeinkommen nicht mehr so gut läuft, muss nicht lange gesucht werden.

 multichart

Von einer baldigen raschen Trendumkehr träumen nur wenige, die meisten davon dürften (Europa-) Parlamentarier sein. Wetten sollte man auf eine schnelle Gesundung nicht, denn die eigentlichen Probleme in den Niederlanden haben leider erst begonnen. Selbst den ersten Schritt, das Eingeständnis, mit den alten Mitteln nicht mehr weiterzukommen, haben bis dato nicht einmal Griechenland oder Spanien gemacht.

Mehr Kohle für alle, mehr Kredite, mehr Staat, mehr Schutz für die heimische Wirtschaft, mehr dies, mehr das. Vergessen Sie’s. Das funktioniert in Spanien ebensowenig wie in Griechenland oder anderswo. Bestenfalls im ugly contest kann man damit punkten… (Seite 2)

 

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4 Kommentare auf "Im Wirtschaftstal am Schuldenberg"

  1. Michael sagt:

    Der Konsumkredit wirkt nur lokal. Der Fluch bei den Immobilien ist, dass selbst gut funktionierende Kreditverhältnisse in Mitleidenschaft gezogen werden. Der Trend der Arbeitslosigkeit in den Niederlanden war ähnlich Österreich auch .de (Funktionsverlauf) Anfang Mai hat sich die Rate, verselbstständigt.

    Die Funktion folgt jetzt ehr der Entwicklung in U.K. Vermute deswegen ist das Konzept der Ich-AG möglw. etwas respektierter, vermutlich auch flexibler. Die Niederlande sind so der letzte Außenposten der Insel.

    Niederlande haben ca. so viele Einwohner wie Florida.

    Fragwürdige Änderungen mit der Einführung des EURO haben die Situation noch begünstigt. Verbraucherpreisindizies werden redefiniert und gleichzeitig die Alarmglocken abgeschaltet. Wenn man dann noch Geld in die Wirtschaft pumpt entsteht ein Blase – Mieten werden teurer, Immobilien steigen im Preis. Realwirtschaftsstrukturen werden angepasst. Mit Ziegeln und manueller Arbeit können sie kein Immobilienboom auslösen.

    Dann warten wir mal.

  2. Jochen sagt:

    Absurd sind auch die Übernachtungspreise an der Nordsee, unter 90 Euronen pro Nase gibt es kaum etwas.

    Vielleicht lohnt ja der Neuwagenkauf in Holland mehr als hierzulande, die Händler dürften noch mehr unter Druck stehen.

  3. Lickneeson sagt:

    Ein weiterer Stein für den kommenden „Domino Day“ in Europa.

    Überraschen dürften vor allem kollabierende Autoabsätze niemanden mehr.
    Das Negieren von grossen strukturellen Veränderungen im Guten wie im Schlechten hat für die Beteiligten meist eine Katastrophe bedeutet.

    Als Beispiele seien Nokia, Loewe, RIM etc. genannt.

    Aber die Autohersteller machen einfach weiter…noch grösser, teurer, protziger.Bezahlen will oder kann das bald kaum noch jemand.Das gerade bei uns hunderttausende Jobs an dem Markt hängen macht die Zukunft nicht lustiger.

    Das Rentner ihre Ersparnisse lieber für ein neues Auto ausgeben, anstatt es zinslos den Banken zur Verfügung zu stellen klingt doch plausibel.Der Rest fährt lieber alte Kisten oder mit dem Bus.

    Seit Jahren fällt mir auf, das bei uns viele Holländer alte Höfe aufkaufen, restaurieren und vermieten.Man sucht sich also vermeintlich sicherere Nebeneinkünfte im letzten Kernland der Sozialistischen Union Europas.Vielleicht auch aus Angst vor dem steigenden Meeresspiegel…Berge gibts hier auch mehr.

    Der Schuldenberg der Union stinkt zum Himmel – durch den Mund zu atmen ist leider keine Lösung.

    MfG

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