Im Schatten des Schattens

13. Februar 2014 | Kategorie: RottMeyer

vom Smart Investor

Gewöhnlich werden Großsportereignisse ja gerne genutzt, um in deren Schatten die eine oder andere kleine Schweinerei durchzuwinken, von der das Volk so wenig wie möglich mitbekommen soll. Da nun dieses Jahr die Olympischen Winterspiele ausgerechnet in Sotschi stattfinden und man den finsteren Fürsten Putin in den westlichen Massenmedien nicht weiter aufwerten will, bedarf es allerlei Zerstreuung, um die Spiele selbst wiederum in den medialen Schatten zu stellen…

Marius ist tot. Der ebenso süße wie kleine Giraffenbulle wurde gerade einmal anderthalbjährig „den Löwen zum Fraß vorgeworfen“. Dem „herzlosen“ Direktor des Kopenhagener Zoos trug der Vorfall unmittelbar ein „Verhör“ durch BILD-Redakteure ein – Wohlfühl-Hetze für die Guten und Gerechten.

Treten wir einen Schritt zurück, dann stellen wir fest, dass wir offenbar manipuliert werden, obwohl das bei vielen gar nicht nötig wäre, da sie ohnehin in einer Traumwelt leben. Manipuliert? Alleine schon, dass die Giraffe einen Namen hat, während ihre Verwerter als namenlose und gefräßige Bestien durch den Blätterwald geistern, ist Manipulation. Traumwelt?

Bei etlichen scheint das Bild über die Tierwelt im Wesentlichen von Walt-Disney-Zeichentrickfilmen geprägt zu sein, wie insbesondere auch viele Leserkommentare nahezulegen scheinen. Das naive Bild der Natur ist freundlich, sanft und schutzbedürftig. Zudem sind Giraffen – ebenso wie Elefanten und Panda-Bären – echte Sympathieträger. Und Sympathieträger isst man nicht – auch nicht als Löwe.

„Der König der Löwen“ aus der gleichnamigen Disney-Produktion hätte beispielsweise nie und nimmer, nicht einmal ein bisschen geknabbert hätte er. Beim zugehörigen Musical-Poster posieren Simba, der süße Leu und namenlose Giraffen – wir sprachen bereits über Manipulation – gar Seite an Seite. Es ist leider so, dass sich viele real existierende Löwen mit einer veganen Lebensweise und der artübergreifenden Freundschaft im Tierreich noch einigermaßen schwer tun – oder wie das in Kreisen unserer Umerziehungsberechtigten dann heißt: „Die sind einfach noch nicht soweit.“


Eigener Diätplan

Verlassen wir den bedauernswerten Marius und bewegen uns vorbei an den dunklen Spielen im blutigen Schnee von Sotschi – eine Formulierung mit der wir der Selbstverpflichtung des deutschen Journalismus zur Putin-Kritik für heute wohl genügt haben dürften – zu den Dingen, die sonst noch passiert sind: Die Spitzen der Großen Koalition berieten gestern beispielsweise über die wirklich wichtigen Dinge – die Erhöhung der Diäten. Und die folgt einem ganz eigenen Diätplan:

In zwei Schritten von jeweils 415 EUR sollen die Diäten demnach im Juli 2014 und im Juli 2015 auf dann 9.082 EUR pro Monat steigen. Nach der Erhöhung von 3,7% im vergangenen Jahr sind das Aufschläge um 5% in 2014 bzw. 4,8% in 2015. Danach sollen sich die Diäten jährlich an der Entwicklung der Bruttolöhne orientieren. Ein solcher Automatismus ist vor allem deshalb praktisch, weil er geräuschlos ist.

Die „nachweisfreie Kostenpauschale“ von 4.123 EUR pro Monat soll übrigens unverändert bleiben – vorerst einmal. Bei den üppigen Ruhebezügen müssen die Parlamentarier dagegen sogar leichte Abstriche hinnehmen. Im Ergebnis werden alleine die Diäten auch des letzten Hinterbänklers ab 2015 der Besoldungsstufe eines Bundesrichters entsprechen. Hinsichtlich wahrgenommener Verantwortung und sichtbarer Kompetenz sind das kaum vergleichbare Tätigkeiten, wie die Abstimmung über den ESM besonders deutlich gezeigt hatte. Solche „Abstimmungen“ lassen die Diäten ohnehin eher als eine Entschädigung für Selbstverleugnung und bedingungslose Unterordnung unter die Fraktionsführung erscheinen – der Abgeordnete als Statist vor demokratischer Fassade. Im Normalfall sind Bundesrichter schon aus einem anderen Holz geschnitzt, es sei denn, sie schieben unbequeme Entscheidungen der Einfachheit halber auf einen anderen Schreibtisch, wie es die Bundesverfassungsrichter mit der Klage gegen das Anleihekaufprogramm der EZB gerade taten – nach rund zweijähriger Bedenkzeit.

Bitcoin unter Attacke

Aber auch in Russland ließ man die Spiele nicht ungenutzt. Die russische Generalstaatsanwaltschaft erklärte die Verwendung von „Geheimwährungen“ für illegal. Vor der Benutzung von Bitcoin & Co. wird ausdrücklich gewarnt. Unter der Mitwirkung der Notenbank(!) würden nun strengere Regeln ausgearbeitet, hieß es. Die „Argumente“ der Behörden sind dort wie überall die gleichen: Kriminelle Geschäfte, Geldwäsche und Terrorfinanzierung. Damit schwenkt nach China die nächste Großmacht auf eine harte Linie gegen die Kryptogelder ein.

Ob es gelingen wird, diese Geld-Freiheitsbewegung zu brechen, ist derzeit offen. Erwartbar waren solche Maßnahmen allemal, da die Kryptogelder alles angreifen, was den Staatsapparaten lieb und teuer ist: Nicht nur das Geldmonopol der Notenbanken, das diesen eine beliebige Vermehrung und Manipulation der Geldmenge erlaubt, steht unter Beschuss. Auch das immer feiner gesponnene Netz der Transaktionsüberwachungen und Bürgerbespitzelung wird durch die Kryptos unterlaufen. Bitcoin & Co. stellen die Machtfrage und die Mächtigen nehmen den Fehdehandschuh auf. In unserer Titelgeschichte „Bitcoin vs. Gold“ des aktuellen Smart Investor 2/2014 haben wir uns intensiv mit den beiden Alternativen zum staatlichen Papiergeld beschäftigt. Die aktuellen Entwicklungen halten wir vor diesem Hintergrund daher auch nicht für überraschend… (Seite 2)


 

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5 Kommentare auf "Im Schatten des Schattens"

  1. Michael sagt:

    Kann sein dass dem Zoo das Geld ausging? Man könnte auch die Wärter verfüttern. Wie sieht es dann aus?

    So einfach ist die Sache nicht. Zoo ist Zoo und freie Wildbahn ist frei Wildbahn. Wenn jetzt so mancher denkt- Hallo leben wir eigentlich alle im Zoo … Das Beispiel Marius ist lehrreich. So funktioniert Deutschland.

    • Lickneeson sagt:

      Die Giraffe wurde in einem dänischen Zoo erlegt und verfüttert. Aber das ist das gängige Prinzip in allen Zoos, überwiegend männliche Jungtiere zu verfüttern. Tigerfleisch geht meist nach China(Potenzmittel).

      So etwas macht sich medial immer gut, während Berichte von EU-Tiertransporten und Rahmenbedingungen an Schlachthöfen im Allgemeinen eher niemand sehen will.

      Zu den Diätenerhöhungen fällt mir nur die allseits angemahnte moderate Löhnerhöhung in anderen Bereichen ein. Tschaa, wir leben in einer Zweiklassengesellschaft. Der „drohende“ Mindestlohn wirkt im Vergleich eher wie eine Verhöhnung der Arbeitskraft.

      MfG

      • Michael sagt:

        Ich weiß. Es war weniger das Verfütteren, als dass sich so mancher Gutmensch Sorgen machte bei den armen Kindern wäre keine psychiatrische Betreuung dabei gewesen …

        Das ist ja der Irrsinn. Man könnte sagen. Ok, das könnte man den Kindern ersparen. Sehr lehrreich ist das auch nicht.

        Hat mich erinnert an eine Diskussion in einer Talkrunde in .de. Da hat sich eine Gutfrau, eine Arbeitpsychologin hervorgetan – man müsste die Mitarbeiter psychologisch betreuen (vermutlich am Besten über den Staat finanziert), da der Wahnsinn in der Arbeit geplant zunehme. Das war der Deutschland Bezug.

  2. bluestar sagt:

    Nicht der Wahnsinn am Arbeitsplatz nimmt zu, sondern in den Medien.
    Wer betreut die Millionen Menschen, die sich tagtäglich mit diesen geistigen und moralischen stinkenden Abfall in ihre Köpfe schütten ?
    Das ganze Theater um die Giraffe Marius zeigt doch wie schizophren die Massen schon sind. Auf der einen Seite der Qualvolle Transport von Millionen lebenden Tieren über Europas Straßen mit anschließender Massentötung ohne Aufschrei akzeptiert und dann die geheuchelte Tierliebe bei einer einzigen Giraffe.
    Ist wie Atombomben zur Zerstörung der gesamten Welt herstellen und gleichzeitig
    für das gute Gewissen einen Baum pflanzen.
    Die Verblödung und Dummhaltung der Massen wird von den beauftragten Medien immer perfekter umgesetzt.

  3. Michael sagt:

    Wenn wir schon bei Orwell sind und dem Crack Up Boom landen. Die Welt dreht sich weiter.

    Die in die Globalisierung gesetzte Hoffnung wird sich nicht bestätigen. Sie ist das Vermächtnis der South Sea Company. Die Finanzindustrie verendet eigentlich mit Produktion deren Nützlichkeit zwischen Yoyo und Tric-O-Tronic einzustufen sind.

    Nach 100 Jahren Erfahrung in der Zahlungsmittellogistik kann man sagen – The way is clear, the road is closed.

    Der Hufschmied geht zum Goldschmied und umgekehrt. Realwirtschaft ist eine andere Ebene. Die soll man nicht vermischen. Geld regierte die Welt. Wir haben gar kein Geld mehr, also regiert keiner mehr. Das zu vermitteln ist das Gebot der Stunde.

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