Im Kielwasser von John Law: Kurze Geschichte der Spekulationsmanie

25. März 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Bill Bonner) Es gibt kleinere Spekulationsblasen und es gibt die größeren. In den nahezu dreihundert Jahren, die seit der Mississippi-Manie vergangen sind, haben sich die Umstände der Spekulationsblasen oft geändert, aber das Interesse an Liebe, Dialogen und dramatischer Spannung ist im großen und ganzen gleich geblieben…

„Die Saga der Mississippianlage (und die Südseeblase) ist historisch relevant,“ schreibt Marc Faber, „weil sie alle wesentlichen Merkmale der darauffolgenden Manien beinhaltet: Zwielichtige Gestalten, Korruption, Betrug, dubiose Praktiken, das Drucken von Geld und die Ausgabe von Risikoanleihen, um die Spekulationsorgie am Leben zu erhalten. Des weiteren einen Katalysator, der zu dem beginnenden Kollaps führt – normalerweise die Aufdeckung eines Betrugs, die Unfähigkeit eines größeren Spekulanten, seiner Nachschusspflicht nachzukommen, das Bekanntwerden des Ausstiegs eines Insiders oder eine zuwiderlaufende Nachricht aus Wirtschaft oder Politik – und die dann einsetzende Panik, in der Gier und Euphorie ersetzt werden durch Angst und den Wunsch der Spekulanten zu jedem Preis auszusteigen.“

Wieder und wieder, Generation auf Generation, kamen einfache Menschen zu der Überzeugung, dass sie Zeugen des Beginns einer „Neuen Ära“ wurden. Eine Ära, die unvorstellbare Reichtümer und Wohlstand für alle bringen sollte. Dieses Neue-Ära-Denken tritt in vielen Facetten auf, jedoch wird es meist durch eine neue Entdeckung hervorgerufen. Ein Beispiel dafür war der Fund von Goldvorkommen in Kalifornien im Jahr 1849 oder in Sydney und Melbourne 1851; die Anwendung neuer Erfindungen, wie z.B. Kanäle, die Eisenbahn, Autos, Radios, PCs, das Internet und schnurlose Kommunikation; oder die Öffnung neuer Kontinente und Märkte, wie Indien, Südamerika und die Mississippigebiete. Jedes dieser Ereignisse rief eine Zeit der Spekulation hervor. So wie es wahrscheinlich auch die Öffnung des chinesischen Marktes im 21. Jahrhundert tun wird.

Der Bann von „irrationalem Reichtum“ befällt von Zeit zu Zeit ganze Bevölkerungen und wandert von Ort zu Ort, so wie eine ansteckende Krankheit. Die Vermögen, die in Paris am Anfang des Jahres 1720 gemacht wurden, fanden nur sechs Monate später ihren Weg in die Hallen der Spekulanten in London, wo sie die Spekulationsblase um die Südsee auslösten. Auch Richard Cantillon tauchte dort einige Jahre später wieder auf, als er sein erstes bekanntes Buch über Ökonomie schrieb. Ähnliches geschah auch vor nicht allzu langer Zeit, als auf den Zusammenbruch des japanischen Marktes 1989 und die nachfolgenden Senkungen der Leitzinsen im Jahre 1990 eine Kapitalflucht von Japan in den amerikanischen Markt einsetzte. In dem als „Yen zu US$ Trade“ bekannten Mechanismus wurde Geld in Japan zu Zinsraten nahe Null geliehen und dazu benutzt US-Schatzanleihen zu kaufen, die mehrere Prozent abwarfen.

Kleinere Spekulationsblasen sind in der Vergangenheit regelmäßig aufgetreten, ohne dabei jedoch größeren Schaden versucht zu haben. In den Vereinigten Staaten kam es z.B. 1961 zu einem sprunghaften Anstieg von Bowlingaktienkursen, die Kurse von Kasino-Aktien explodierten 1978 und die Aktien der ersten PC Firmen, wie Commodore, Atari und Coleco (deren ursprüngliches Geschäft einmal die Installation hochgelegener Swimmingpools war) schnellten 1983 in die Höhe. In ähnlicher Weise erreichten 1995 dubiose Unternehmen, wie Presstek, Diana und Iomega schwindelerregende Bewertungen. Jedoch sind diese kleineren Blasen mit Grenzkriegen oder Revolutionen in kleineren Ländern zu vergleichen. Sie erregen wenig Aufsehen und sind vorbei, noch bevor die meisten Menschen etwas davon mitbekommen haben.

In jüngerer Vergangenheit gab es auch größere, jedoch immer noch harmlose Spekulationsmanien, die sich aber auf einzelne Sektoren beschränkten. Ray Devoe zählt hierzu mindestens vier: Den „Großen Müllmarkt“ von 1968 – ein Boom, der alle Aktien betraf, die irgendwie mit Technologie zusammenhingen und deshalb stark an den „dotcom“-Wahnsinn von 1999 erinnert. Daneben kam es noch zu Spekulationsbooms in Uran, Fluggesellschaften und Farbfernseher – alle diese Spekulationsblasen blieben jedoch auf ihren Sektor beschränkt und befielen nicht weitere Teile des Marktes. Als diese Blasen platzten, beschränkte sich daher der Großteil des Schadens auf die entsprechenden Wertpapiere. Trotzdem kommt es auch in solchen Fällen immer zu gewissen Überlauf-Effekten, wenn die einstmalig hochfliegenden Aktien plötzlich nach dem Platzen der Blase unverkäuflich werden. Die Folge sind Liquiditätsengpässe, die dazu führen, dass auch größere Aktien mit guten Absatzmärkten verkauft werden müssen.

Dagegen sind die großen Crashs, ähnlich wie Kriege, ein ganz anderes Kapitel. Wenn es zum Platzen einer der großen Blasen kommt – wie 1873 und 1929 in den USA, 1989 in Japan oder 1997 in den sogenannten Emerging Markets – sind die Auswirkungen auf die Wirtschaft normalerweise schwerwiegend und meist global. Spekulationsblasen entstehen normalerweise in einem Umfeld geringer Inflationsraten. Dies erlaubt es größere Kredite aufzunehmen und Geld in Anlagen zu stecken anstatt in Konsumgüter. Die Inflation von Konsumgüterpreisen war niedrig in den USA der 1920er, sehr niedrig im Japan der 80er Jahre und niedrig und weiter fallend in den USA der 1990er…

Marc Faber erklärt hierzu: „Das Spekulationsblasenmodell beinhaltet immer eine Art von `Missverhältnis´, das dazu führt, dass es zu außergewöhnlichen hohen Profitmöglichkeiten, zu starkem Handel, Überschuldungen, Spekulationsexzessen, Betrugs- und Schundanlagen kommt, denen eine Krise folgt, in der ein Betrug massiven Ausmaßes ans Licht kommt. Am Ende steht der Schlussakt, in dem das empörte Publikum fordert, dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. In jedem dieser Fälle heizten exzessive monetäre Anreize und das vermehrte Zurückgreifen auf Kredite das irrationale Spekulationsfieber an. Darüber hinaus wurde durch diese Faktoren ein immer größer werdenden Publikums angezogen, das eine größer und größer werdende Gruppe von Menschen umfasste, die den schnellen Reichtum suchten, ohne dabei jedoch irgendetwas von dem Objekt der Spekulation zu verstehen.“…(Seite 2)

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7 Kommentare auf "Im Kielwasser von John Law: Kurze Geschichte der Spekulationsmanie"

  1. JayJay sagt:

    Das gibt es nur eins zu Sagen, frei nach Voltaire:
    ,,Papiergeld kehrt früher oder später immer zu seinem inneren Wert zurück – Null“
    Voltaire

  2. samy sagt:

    Moin,

    ich weiss, das ist jetzt ganz schlimm off topic. Wäre zu verstehen, wenn es gelöscht würde. Aber andererseits sagt mir die folgende Nachricht etwas über den amerikanischen Zeitgeist aus und ich höre schon Celente kreischen. Wie war der Sruch aus „Animal Farm“? „Alle Tiere sind gleich-nur einige sind gleicher“.

    http://www.reuters.com/article/2012/03/25/us-usa-cheney-idUSBRE82N0FK20120325

    Der moderne Kreuzritter, der Patriot, der gottesfürchtig 100 000-sende auf dem ganz großen Schachbrett mit in den Tod geschickt hat, er betrügt den argen Schnitter um in paar Stunden? Aber jedes Schachspiel endet einmal …

    http://www.youtube.com/watch?v=58w8QbEvRM8

    VG zum Sonntag

  3. Im Kielwasser von John Law: Kurze Geschichte der Spekulationsmanie | Verschwörung.net | 911 Verschwörung | Wirtschaft | Politik sagt:

    […] Im Kielwasser von John Law: Kurze Geschichte der Spekulationsmanie […]

  4. EuroTanic sagt:

    Jegliche Form von Spekulation und Renditen sind für mich schlecht, weil sie keine Realen Werte schaffen. An einem einfachen Beispiel sei dies kurz erläutert.

    Je 100 Menschen stranden auf je einer Insel. Auf der einen Arbeiter, Bauern und Handwerker, auf der anderen Banker und Spekulanten.
    Nach einem Jahr hat die erste Insel kleine Höfe, Strassen, Häuser und Schulen aufzuweisen. Jeder ist „arm“, hat aber genug zu essen und ein Dach über den Kopf.
    Auf der anderen Insel erreicht das statistische BruttoInselProduct immer neue astronomische Höhen. Kredite wurden gegenseitig gegegeben, die Boni und Gehälter flossen reichlich. Jeder war Multimilliardär hatte ein fettes Kto und man klopfte sich gegenseitig auf die Schulter. Leider sind dann alle verhungert oder erfroren.

  5. Im Kielwasser von John Law: Kurze Geschichte der Spekulationsmanie | infokrieger news blog sagt:

    […] Interesse an Liebe, Dialogen und dramatischer Spannung ist im großen und ganzen gleich geblieben. Net News Express Feed Posted in: Infokrieger News   Tags: Geschichte, John, Kielwasser, kurze, […]

  6. Helmut Josef Weber sagt:

    Ich denke, dass Investitionen in Aktien nur etwas für Anleger sind, die über Insiderwissen verfügen.
    Verdienen können diese mit Insiderwissen ausgestatteten Anleger auch nur von den Anlegern, denen sie eine falsche Fährte legen.
    Investiere dort—dort—dort.
    Gleichzeitig investieren die mit Insiderwissen ausgestatteten Investoren ganz wo anders, oder schon auf fallende Kurse.
    Wie dämlich müssen Menschen sein, die in diese Fallen tappen?
    Ich denke, das sind dieselben Menschen, die an einen Hauptgewinn in einer Verlosung glauben, an der sie nie teilgenommen haben, nur weil sie in ihrem Postkasten die Benachrichtigung über den Hauptgewinn finden.
    Die mit Insiderwissen ausgestatteten, haben in den letzten 10 Jahren sicherlich gut am Aktienmarkt verdient; egal ob die Kurse gestiegen oder gefallen sind.
    Der kleine Anleger hat in den letzten 10 Jahren ein Nullsummenspiel hingelegt;
    wertmäßig aber etwa 50% verloren, denn von dem investierten Kapital in Aktien, kann er sich heute nur etwa die Hälfte kaufen; egal ob Häuser, Autos, Urlaub oder Lebensmittel.
    Und immer noch glauben diese über den Tisch gezogenen Menschen den Bankern, wenn sie sagen:
    Investiere dort—dort—dort; nein—nicht in Edelmetalle; Edelmetalle sind nutzlos, man kann sie nicht essen, sie befinden sich in einer Blase.
    Man sollte die Frösche nicht fragen, wenn man einen Teich trocken legen möchte.
    Egal in was sie investieren, es sollte:
    1. Niemals seinen Wert komplett verlieren können;
    2. nicht von einem Emittenten abhängig sein;
    3. auf der ganzen Welt als Zahlungsmittel anerkannt werden;
    4. ohne dafür Steuern zahlen zu müssen, seine Wert vermehren können;
    5. augenblicklich in ein anderes Land zu transportieren werden können;
    6. beim Verbrauch steuerfrei sein;
    7. sich vor den gierigen Finanzministern einfach zu verstecken sein.
    8. usw.
    Und alle Menschen, die das nicht glauben, können weiter ihr Geld in Aktien, Staatsanleihen, Fonds gleich welcher Art, Lebensversicherungen oder private Renten investieren.
    Die Leute, die Ihnen das verkaufen, wollen ja auch leben…
    Wovon eigentlich?

    Viele Grüße
    H. J. Weber

  7. tims sagt:

    Interessanter Artikel! Auf http://www.fondsvermittlung24.de/john-law.html sind einige Video-Dokus sowie ein Podcast über John Law zu finden. Besonders sehenswert ist die Doku von Arte!

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