Im Jubel untergejubelt

11. Juni 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Ronald Gehrt) Was könnte momentan wichtiger sein als die EM? Gut, für manch einen vielleicht die Formel 1, aber nachdem gestern bei Schumi die Klappe klemmte (gar nicht seine Art, eigentlich), wendet man sich umgehend wieder dem Fußball zu und fühlt sich ob des Gomez-Tores weich gebettet. Ist es ein Zufall, dass ausgerechnet einer, dessen Name in Spanien so häufig ist wie bei uns Schmidt, die Deutschen zum Sieg schoss? Tja … das verbindet uns…

Wir sind mal wieder die Gewinner, und die Spanier bekommen irgendwie auch was ab. Gut, die Portugiesen haben verloren … aber die hatten ihr Hilfspaket ja schon bekommen. Mal von diesem Unentschieden zwischen Spanien und Italien gestern abgesehen. Das ist Solidarität unter Bedürftighen … und beide Parteien waren’s einigermaßen zufrieden. Denn es ist höchstwahrscheinlich, dass beide Länder so, mit diesem Einstands-Kompromiss, irgendwie weiterkommen werden. Zumindest bei der EM.

Ein allseits gutes Gefühl ist das also, das uns in die neue Woche trägt. Da kann man schon mal übersehen, dass man am Freitag jedesmal, wenn es seitens dieser immer gut informierten Kreise hieß, Spanien werde am Wochenende offiziell um Hilfe rufen, an den Aktienmärkten nebst Euro in die Knie ging. Kaum dementierte man seitens EU-Kommission und/oder spanischer Regierung, zogen die Kurse erleichtert wieder an. Denn wenn die Spanier nix brauchen, wird’s schon nicht so schlimm sein. Als es dann … wie könnte es anders sein in Pappenheim … plötzlich am Samstag doch zu dieser Telefonkonferenz kam und im Vorfeld allgemeiner Ärger über das chaotische, beinahe absichtlich wirr wirkende Verhalten Spaniens laut wurde, dachte der Autor sich bereits, dass das ja wohl am Montag nicht gerade freudig aufgenommen werden würde. Pustekuchen.

Gleich um 00:00 Uhr, zum Start der Notierungen der US-Index-Futures und des Devisenhandels, eröffnete der Handel mit einer überaus satten Kurslücke nach oben. Ei, wie kam’s? Was war auf einmal an dieser Situation gut, das am Freitag noch schlecht war? Tja … eigentlich nichts.

Bis zu 100 Milliarden soll es geben – und angeblich soll da eine ordentliche Sicherheitsspanne drin sein. Gut, so ganz weiß man noch nicht, wie groß diese ist, weil man noch nicht einmal genau weiß, welche Banken wie viel Geld brauchen. Selbst, dass Bankia da mit 20 Milliarden dabei ist, ist eine Schätzung. Hat man vergessen, dass gerade solche Finanz-Moloche erfahrungsgemäß so strukturiert sind, dass niemand genau weiß, was Sache ist und es daher nur zu oft schlimmer kommt, als selbst die Pessimisten vorher unkten? Da herrscht in den Kellern der Bilanzen oft kalkuliertes Chaos. Ein Chaos, das hilfreich ist, seltsame Aktivitäten und beginnende Schieflagen zu verschleiern, aber überaus fatal wirkt, wenn es wirklich gilt, das Fundament zu sanieren. Ich möchte da nur an die Hypo Real Estate erinnern, die Commerzbank ins Gedächtnis rufen, auf Lehman Brothers verweisen oder die Wirrungen und Irrungen, die es einst um RBS oder die Bank of America gab, erwähnen. Also komme mir doch keiner mit irgendwelchen angeblichen Puffern.

Rechtlich gesehen war die Problematik schnell gelöst. Nicht die Banken bekommen die Milliarden aus dem Rettungsschirm … wobei man noch entscheiden muss, ob der ESM oder der EFSF herhalten darf … sondern die spanische Regierung. Und die reicht das Geld dann weiter. So wirkt die Haftungsfrage seriöser gelöst und es wird verhindert, dass die Sache derart aus dem Ruder läuft, dass irgendwann auch Sie und ich Hilfsanträge stellen könnten, weil uns das Geld für die nächste Heizöl-Lieferung fehlt. Ich hatte dergleichen bereits erwogen, aber mit diesem Trick sehe ich mich eiskalt ausgekontert. Schade… (Seite 2)

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4 Kommentare auf "Im Jubel untergejubelt"

  1. mfabian sagt:

    „Die EM“ = „Die Edelmetalle“, oder? 😛

    Ach nee, Fussball. Aber davon versteh ich eh nix. Ausser, dass das Runde ins Eckige muss.
    Und warum Deutschland ein Spiel gewinnt, wenn Gomez ein Tor schiesst, ist mir als Fussballbanause auch ein Rätsel. Also entweder Gomez ist ein Deutscher oder er ist ein Spanier, der für Deutschland spielt oder er hat ein Eigentor geschossen (vorausgesetzt, dass Deutschland gegen Spanien gespielt hat ) …
    Na ja, wie auch immer.

    • Avantgarde sagt:

      Die Mutter ist Deutsche und der Vater Spanier.

      Hätten die Eltern nicht traditionell den Nachnamen gewählt würde sich wohl niemand darüber aufregen.

      Ansonsten ist mir dieser Millionärssport auch ziemlich schnuppe.

      Brot und Spiele gab es schon immer.

  2. rolandus sagt:

    Ein genialer Text wieder einmal aus Ettenheim und damit ein Gracias direkt vom exteritorialen Spanien im Atlantik.
    rolandus

    Das mit den Fahnen und den Dicken kann ich nur bestätigen

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